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Mit 17 Jahren von Kamenz nach Amerika

Über ein Austauschprogramm können Schüler ein Jahr lang in den USA lernen. Zwei Mädchen aus der Region nutzen das - doch Corona macht es ihnen nicht leicht.

Lydia Jost (re.) aus Elstra musste wegen Corona ihr Austauschjahr in den USA abbrechen. Bei Helene Dolgener aus Cunnersdorf verschiebt sich wegen der Epidemie der Start.
Lydia Jost (re.) aus Elstra musste wegen Corona ihr Austauschjahr in den USA abbrechen. Bei Helene Dolgener aus Cunnersdorf verschiebt sich wegen der Epidemie der Start. © Matthias Schumann

Kamenz. Helene Dolgener aus Cunnersdorf packt bald die Koffer für ihr Abenteuer Amerika. Lydia Jost aus Elstra hat sie schon wieder ausgeräumt. Beide  sind 17 und Gymnasiastinnen. Aber sie verbindet jetzt noch mehr - ein Austauschprogramm von Bundestag und US-amerikanischem Kongress. Das bringt Teenager zwischen 15 und 17 Jahren über Kontinente hinweg in Verbindung. Die beiden Mädchen aus der Kamenzer Region bewarben sich erfolgreich dafür, Stipendium inklusive.

Die Erwartungen für das Austauschjahr der Mädchen  waren und sind ähnlich. Die Englischkenntnisse aufzubessern, gehört dazu. Das ist Lydia gelungen. Sie habe schließlich sogar auf Englisch geträumt, berichtet sie. Weitere Ziele sind es, zu erleben, wie die Menschen in den USA leben, Freude zu finden, andere Kulturen kennenzulernen,  auch Essgewohnheiten in dem Land, wo viele Nationen sich begegnen. Vor allem die mexikanische Küche hat die Elstraerin begeistert. Helene freut sich schon drauf. An die Westküste würde sie gern reisen. Aber darauf gibt es kaum Einfluss.

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Getrübte Freude

Lydia verbrachte die Zeit in der Hauptstadt von Virginia, in Richmond, mit 200.000 Einwohnern. Das sei mit Kamenz kaum vergleichbar. Von der Gastfamilie sei sie sehr herzlich aufgenommen worden: „Es war perfekt, ich hatte mein eigenes Zimmer. Der Abschied von meinen beiden Gastgeschwistern war sehr schwer.“ Er kam drei Monate früher als geplant sehr abrupt schon im März. Darüber sei sie traurig gewesen. Damals ging es mit Corona los, wenig später schlossen die Schulen. So habe sie sich kaum richtig von allen Freunden verabschieden können. Das habe die Freude auf die Heimkehr getrübt. 

Viele unvergessliche Erinnerungen hat die Schülerin trotzdem mitgebracht: an den Abend am Lagerfeuer mit der Gastfamilie oder den Ausflug nach Washington. Und es soll schon im nächsten Jahr ein Wiedersehen geben. Die Amerikaner seien überhaupt viel offener als Deutsche, ist eine wichtige Erfahrung, aber mitunter auch auf eine oberflächliche Art. So sei es gar nicht so leicht gewesen, Freunde zu finden: „Man muss auf die Amerikaner zugehen und ihnen Zeit lassen“, sagt Lydia Jost.

In Richmond besuchte sie eine normale Highschool. Schule sei ganz anders, nicht so mit den klassischen Unterrichtsstunden wie in Deutschland, mit mehr Entscheidungsfreiheit und in Kursen, erzählt sie. Da gebe es dann auch solche, die heißen „Band“. Sie habe das Keyboard gespielt. Der Unterrichtsstoff sei auf jeden Fall leichter als in Deutschland. Das Schuljahr muss sie hier dennoch wiederholen. 

Abgeschottet in Vororten

Gewalt habe sie an der Schule nicht erlebt, aber aus Berichten aus einer anderen Schule davon erfahren. Da gab es eine Woche zuvor eine Schießerei. Lydia berichtet auch von der Kluft zwischen Schwarzen  und Weißen. Gerade die wohlhabenderen Weißen würden eher abgeschottet in Vororten wohnen. Die Kluft zeige sich zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr, der in Richmond fast ausschließlich von Schwarzen genutzt werde. Weiße würden alles mit dem Auto erledigen, auch kleinste Strecken. 

Eine Bewerbung für den Austausch kann Lydia nur empfehlen, um Lebenserfahrung zu sammeln. Die umstrittene Politik des aktuellen Präsidenten Donald Trump habe sie dabei nicht verunsichert. Es sei ja letztlich egal, wer regiert.

Vor allem „sind doch die Beziehungen zwischen den Menschen wichtig“, sagt der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst. Er begleitete die Auswahl der jungen Leute im Wahlkreis Bautzen und hält als Pate den Kontakt.

Es sei allerdings ein wahrer Bewerbungs-Marathon gewesen, berichtet Helene – vom Bewerbungsschreiben über Gruppenarbeiten bis hin zum Einzelgespräch. Aus einem riesigen Interessenten-Feld wurde sie schließlich ausgewählt. Derzeit wartet die Cunnersdorferin ungeduldig auf nähere Informationen zu ihrer Reise. Denn wegen der Corona-Krise hat sich ihr Start um mehrere Monate auf Januar kommenden Jahres verschoben.  

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