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Sachsen

So teuer wird der Kampf gegen die braune Spree

Bislang flossen rund 58 Millionen Euro, um zu verhindern, dass der Spreewald von Eisenschlamm überschwemmt wird.

Der rötlich-braune Eisenhydroxidschlamm ist im Eichower Fließ, einem Zufluss zur Spree, immer wieder zu finden gewesen. Von 2014 bis 2018 wurden dort Tausende Kilo Eisen herausgefiltert.
Der rötlich-braune Eisenhydroxidschlamm ist im Eichower Fließ, einem Zufluss zur Spree, immer wieder zu finden gewesen. Von 2014 bis 2018 wurden dort Tausende Kilo Eisen herausgefiltert. © dpa/Patrick Pleul

Senftenberg. Rund 58 Millionen Euro hat er bislang gekostet – der Kampf gegen die sogenannte „Braune Spree“. Das teilte der Bergbausanierer LMBV auf Anfrage der Sächsischen Zeitung mit. Und lässt auch wissen, dass es bei diesen Kosten in der Zeit zwischen 2013 und 2019 nur um Fremdleistungen gegangen sei. Der eigene Aufwand der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft ist nicht mitgerechnet.

Die „Braune Spree“ ist eine Spätfolge des Kohlebergbaus. Um den Rohstoff zu fördern, wurde jahrzehntelang großflächig das Grundwasser abgesenkt. Sonst wären die Gruben vollgelaufen. Das aber hat dazu geführt, „dass im Boden gelagertes Pyrit verwittert ist“, wie das Aktionsbündnis „Klare Spree“ immer wieder erklärt. Das, was dabei entstanden ist, gelangt nun durch den Wiederanstieg des Grundwassers in Form von Eisenhydroxid und Sulfat in Bäche, Flüsse und Seen der Lausitz. 

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Dort färbt sich das Wasser unansehnlich braun. Außerdem setzt sich das gelöste Eisen an Ufern und am Grund der Gewässer ab. Krebstiere, Muscheln und Insektenlarven sterben. Andere Tiere wie Fische und Vögel verlieren ihre Nahrung. Bis dicht an den Spreewald heran floss die braune Brühe vor einigen Jahren. Sie gefährdete damit den Tourismus und die Jobs von etwa 6.500 Menschen.

Seit Jahren versucht die LMBV nun, die Eisenfracht in den Gewässern zu reduzieren. Flüsse werden ausgebaggert, Wasser wird über spezielle Anlagen gereinigt. Letztes Jahr konnten 53 Prozent der Eisenfracht aus der Spree in der Vorsperre der Talsperre Spremberg in Südbrandenburg zurückgehalten werden. All das kostete bislang rund zehn Millionen Euro pro Jahr, so ein Unternehmenssprecher. Diese Summe wird laut Sven Radigk, Leiter der LMBV-Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz, noch zunehmen. Mit 20 bis 25 Millionen Euro rechnet der Experte in der Zeit von 2021 bis 2030. Grund sind weitere Investitionen sowie die Aufwendungen für den Betrieb von bereits laufenden Anlagen. 

Besonders preisintensiv werde aber die Umsetzung eines Barrierekonzeptes im Spreegebiet Südraum in Ostsachsen. Dort seien drei Kilometer der Kleinen Spree von Burgneudorf bis Spreewitz und sieben Kilometer der Großen Spree von Neustadt/Spree bis Spreewitz „stark eisenbelastet“, so Radigk. Nach dem Zusammenfluss von Kleiner und Großer Spree sei 2019 am Gütepegel in Zerre bei Spreetal eine Eisenkonzentration von sieben Milligramm je Liter gemessen worden; der ökologisch zulässige Wert liege bei 1,8 Milligramm je Liter. Täglich fließen hier also rund 6.000 Kilogramm Eisenfracht von Sachsen nach Brandenburg – durch das Spremberger Stadtgebiet.

Um die Ausgaben für die Reinigung des Wassers kommen Bund und Länder, die Geldgeber der bundeseigenen LMBV, nicht herum. Die Herausforderung ist dabei auch, die anfallenden Eisenhydroxidschlämme zu nutzen. Weil sie als nicht giftiger Abfall gelten, müssen sie wiederverwertet werden. Laut Sven Radigk forscht der Bergbausanierer da in verschiedenen Bereichen. Momentan nutze man die Schlämme unter anderem zum Abdecken von Deponien und zum Füllen alter Kiesgruben. Zudem laufe ein Pilotprojekt, bei dem karge Kippenböden mit Eisenhydroxid und anderen Substraten so aufbereitet werden, dass Bäume und andere Pflanzen besser wachsen. „Das beobachten wir nun über zwei Jahre“, so Radigk. Außerdem forsche man daran, die Eisenschlämme für Produkte im Biogasbereich zu verwenden.