merken
PLUS Pirna

Keine große Hürde für die Ratskandidaten

Es gibt mehr Sitze im Liebstädter Stadtrat als Bewerber. Damit gilt schon jetzt jeder als gewählt. Danach wird es aber schwieriger.

Der Weg zum Liebstädter Rathaus vom Markt führt über steile Treppen. Diese Hürde wird für die Stadtratskandidaten aus einem bestimmten Grund leicht zu nehmen sein.
Der Weg zum Liebstädter Rathaus vom Markt führt über steile Treppen. Diese Hürde wird für die Stadtratskandidaten aus einem bestimmten Grund leicht zu nehmen sein. © Foto: Daniel Schäfer

Liebstadt ist anders. Hier gibt es keinen Laden mehr, am Wochenende fährt kein Bus, Informationen trägt man schneller per Hand aus als sie per Internet zu schicken – und bei der Stadtratswahl gibt es weniger Kandidaten als zu besetzende Sitze im Kommunalparlament.

Am Sonntag stehen für die zwölf Plätze im Stadtrat nur elf Namen auf dem Stimmzettel. Die Kandidaten könnten sich freuen, sie sind alle schon gewählt. Wahlrechtlich ist das in Ordnung, sagt das Landratsamt. Wären es weniger als acht Bewerber gewesen, hätten die Liebstädter andere Stimmzettel erhalten und noch jemanden dazu schreiben können. Der Gemeindewahlausschuss hätte auch die Frist zur Nominierung verlängern können, so wie in Müglitztal. Hat er in Liebstadt aber nicht. Welche Auswirkungen die geringe Zahl der Kandidaten auf die Wahlbeteiligung hat, ist nicht vorauszusagen.

Anzeige
Kino, Ausstellungen, Gespräche: im Dreiländereck ist was los!
Kino, Ausstellungen, Gespräche: im Dreiländereck ist was los!

Vom 16. bis 19. September geht das Neiße Filmfestival in seine 18. Auflage. Und unter dem Titel "Mother Europe" erwartet Sie etwas ganz Großes.

Über die Ursachen der geringen Wahlbereitschaft kann nur spekuliert werden. Man habe sich umgetan, aber niemanden gefunden, sagt der langjährige Kommunalpolitiker Rainer Kristmann von der Freien Wählvereinigung. Die Freie Wählervereinigung hatte bisher fünf Plätze und tritt mit vier der aktuellen Räte wieder an. Die fünfte ist weggezogen, sagt Rainer Kristmann.

Die CDU hat sieben Kandidaten aufgestellt. Die Mannschaft mit Bärbel Kemper als einziger Frau an der Spitze ist relativ jung. Drei sind in den 1980ern geboren. Mit Sebastian Hutkai stellt die CDU auch den einzigen Kandidaten aus der Kernstadt. Alle anderen Kandidaten beider Listen wohnen in den Dörfern drumherum. Großröhrsdorf ist besonders stark vertreten. Dass ein Platz im Stadtrat frei bleibt, ist für Bärbel Kemper kein bedenklicher Fakt, denn: Rein rechnerisch entsprechen die elf Kandidaten etwa 0,8 Prozent der Einwohner. Und das sei im Vergleich mit anderen Städten immer noch doppelt so viele. Zudem seien viele in Vereinen engagiert. Die Wählervereinigung Bürger für Liebstadt war noch vor fünf Jahren mit einem Vertreter in den Stadtrat gekommen – diese Gruppe gibt es aber nicht mehr.

Die drei Dauerthemen

Das Dauerthema der vergangenen Stadtrats-Jahre war das Schloss. Das hat nach Jahren des Streits und Stillstands 2018 den Besitzer gewechselt. Stadt, Einwohner und Region verbinden damit viele Hoffnungen. „Das Konzept der Investorenfamilie hat uns gänzlich überzeugt“, sagt Bärbel Kemper. „Inzwischen ist das Schloss wieder regelmäßig geöffnet, finden Führungen und Veranstaltungen statt, die Besucher aus ganz Sachsen und darüber hinaus in unser schönes Liebstadt lockt“, sagt sie.

Was das „schöne Liebstadt“ betrifft, sieht das Kristmann etwas anders. Er spricht von der Tragödie einer „toten Stadt“. Ohne Läden, Busverkehr, viele leere Häuser, ordentliches Internet sei nicht viel zu machen. Die Dörfer seien da zum Teil etwas besser aufgestellt.

Deshalb sind sich die beiden Listen einig: Infrastrukturprojekte haben für Liebstadt Priorität und dazu gehören eben Breitbad und Mobilität. Die langen Fahrzeiten der Schüler sind bereits mehrfach kritisiert worden. Nächster Schwerpunkt ist aus CDU-Sicht die Ansiedlung von Unternehmen und die Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen.

Liebstadt hat immer zwei Fahnen hochgehalten: Selbstständigkeit und Schuldenfreiheit. Das mit den Schulden hat Vor- und Nachteile. Der Nachteil: Ohne Schulden kann nur begrenzt investiert werden, bisher vor allem in die Feuerwehren und die Schule.

Letztere und die Selbstständigkeit hat sich Liebstadt durch harte finanzielle Jahre hinweg erkämpft. „Es war schwer, ist aber gelungen“, sagt Kristmann und schreibt das auch Bürgermeister Hans-Peter Retzler (Linke) gut. Der ist im Januar ohne Gegenkandidaten wiedergewählt worden. Auch Bärbel Kemper spricht von einem „soliden Haushalt und sehr bedachter Mittelverwendung“. Mit anderen Worten: Liebstadt wird sich auch in Zukunft keine großen Sprünge leisten können.

Die Kandidaten:

CDU: Bärbel Kemper, Bernd Fritzsche, Stefan Strehlow, Egbert Grahl, Fred Röhling, Sebastian Frey, Sebastian Hutkai;

Freie Wählervereinigung Liebstadt: Rainer Kristmann, Veronika Petzold, Alexandra Spindler, Heike Wehner.

Quelle: Stadtverwaltung

1 / 2

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

Mehr zum Thema Pirna