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Keine Weihnachtsbäume wegen Klimawandel?

Großenhain denkt laut darüber nach, ob nicht auf sie verzichtet werden kann. Und erntet Kopfschütteln – aber nicht nur.

Die Gröditzer Stadtbibliotheksleiterin Inka Wirtjes präsentiert den diesjährigen Gröditzer Weihnachtsbaum im Dreiseithof. Am Donnerstag wurde er aufgestellt.
Die Gröditzer Stadtbibliotheksleiterin Inka Wirtjes präsentiert den diesjährigen Gröditzer Weihnachtsbaum im Dreiseithof. Am Donnerstag wurde er aufgestellt. © Eric Weser

Großenhain/Gröditz.  In Gröditz war es am Donnerstag mal wieder soweit. Pünktlich am Vormittag schwebte der Weihnachtsbaum in den Dreiseithof auf der Hauptstraße ein. Von Einwohnern gestiftet, wird das kapitale und großgewachsene Exemplar in der kommenden Woche geschmückt, um für die typische adventliche Atmosphäre zu sorgen. Ganz besonders zum Weihnachtsmarkt am 7. und 8. Dezember soll er wieder einer der Hingucker werden. Auf ihn verzichten? 

„Ganz ehrlich gesagt, möchte ich mir das wirklich nicht vorstellen“, sagt Katrin Müller und lacht. Natürlich habe die Sachgebietsleiterin für Stadtleben- und Marketing davon gehört, dass sich die in der Nähe gelegene Stadt Großenhain Gedanken darüber macht, ob der Weihnachtsbaum noch zeitgemäß ist. 

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Der Garten verwöhnt im Spätsommer mit frischem Obst und Gemüse. Und langsam heißt es auch, sich auf den Herbst und die anstehenden Arbeiten vorzubereiten.

Angesichts von Klimawandel mit Trockenheit, Stürmen und anderen Folgeerscheinungen sollte einfach mal über Alternativen zum Weihnachtsbaum nachgedacht werden. Immerhin müsse ein solcher, so Großenhains Rathaussprecherin Diana Schulze, jedes Jahr aufs Neue gefunden werden und das in einer Phase, in welcher die Wetterkapriolen das Wachsen und Gedeihen nicht unbedingt positiv beeinflussen. Statt des Baumes in der Mitte könne ja eine Pyramide oder ein Stern aufgebaut werden.

Hölzerne Varianten, die sich Katrin Müller für Gröditz nicht unbedingt wünscht. Bisher habe man keinerlei Probleme damit, einen Baum zu bekommen. Im Gegenteil! Die Bürger würden sich selbst bei der Verwaltung melden und wären ihrerseits froh darüber, wenn ein großer nadeliger Kaventsmann aus dem eigenen Vorgarten verschwindet. „Und abgesehen von diesen praktischen Erwägungen, gehört der geschmückte Baum als Inbegriff von Weihnachten für die Menschen dazu!“

Eine Gefühlsregung, die auch im gut 30 Kilometer entfernten Schönfeld nicht anders durch die vorweihnachtliche Seele wabert. Mit einiger Verwunderung habe man im lauschigen Ort vom Vorstoß der Großenhainer gehört. „Zu den Wochen vorm Fest gehört doch nun mal ein Baum dazu“, ist sich Bürgermeister Hans-Joachim Weigel sicher. Zum Markt im Schloss werde zwar auch nicht extra einer in den Innenhof gestellt, sondern mit Tannengrün dekoriert. Aber am alten, noch unsanierten Gebäude, stehe eine natürlich gewachsene Tanne. Diese werde geschmückt und erfreue die Besucher und Spaziergänger.

Die Freude am Inbegriff der Weihnachtszeit will man sich allen klimatischen Unkenrufen zum Trotz auch in Strehla nicht nehmen lassen. Seit Jahrzehnten werde ein von den Einwohnern gestifteter Baum in der Mitte des Marktes aufgestellt. Laut Hauptamtsleiterin Martina Knichale gingen immer mehrere Angebote dafür ein. Ebenso wie in Gröditz seien die Grundstücksbesitzer dankbar dafür, dass ihnen der mittlerweile zu groß gewachsene Baum von Profis gefällt und überdies fachmännisch abtransportiert werde. Und damit nicht genug.

 In Sachen leuchtendem Grün zeigen sich die Strehlaer vergleichsweise großzügig. Beim weihnachtlichen Schlossspektakel am 14. und 15. Dezember dürften sich die Gäste selbstverständlich auch an einem Weihnachtsbaum erfreuen. „Ich finde die von den Großenhainern angedachte Idee – beispielsweise einer Pyramide – ja gar nicht so schlecht“, bekennt Martina Knichale. Die Dresdner würden derlei Schauobjekte schließlich auch auf ihren Märkten präsentieren. Aber zusätzlich zu Tannenbäumen. Doch beides zusammen – und erst recht eine aufwendig gefertigte Pyramide– müsse sich eine Stadt eben erst mal leisten können. 

Verständliche Erwägungen, die in Priestewitz zu ungunsten eines Baumes entschieden haben. Fernab von Klimakatastrophen sei einfach noch nie der Gedanke aufgekommen, in der riesengroßen Flächengemeinde extra welche aufzustellen. Zwar würde in den 22 Ortsteilen und im Gemeindeamt selbst auch geschmückt. 

Ein Baum, so Bürgermeisterin Manuela Gajewi, werde aber nur für die Priestewitzer Seniorenweihnachtsfeier angeschafft. Dieser diene dann noch als stattliches Dekorationsobjekt für den Sportlerball, um dann schließlich in die Lenzer Kirche gebracht zu werden. Und ist dort genau richtig.

 Denn wie hatte Pfarrer Sebastian Zehme in Anbetracht der Großenhainer Initiative zur vorweihnachtlichen Innovation bemerkt? Der Weihnachtsbaum sei so etwas wie emotionale Heimat. Und daran sollte man festhalten. Auch in Großenhain.

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