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Zwei Chirurgen weniger

Norbert Naumann von der Tagesklinik Holtendorf hört auf. Einen Nachfolger gibt es nicht. Auch im Klinikum geht der Chirurgie-Chefarzt bald.

Zwei Tageskliniken befinden sich am Ortseingang von Holtendorf. Rechts die chirurgische Klinik.
Zwei Tageskliniken befinden sich am Ortseingang von Holtendorf. Rechts die chirurgische Klinik. © André Schulze

Norbert Naumann geht in den Ruhestand. Der Diplom-Mediziner praktiziert als Chirurg in den Tageskliniken in Holtendorf. Seine Patienten müssen sich neu orientieren, denn einen Nachfolger für ihn gibt es künftig nicht.

Naumanns Patienten müssen nun versuchen, bei einem anderen niedergelassenen Chirurgen unterzukommen. Zur Verfügung stehen dafür in einem Umkreis von 30 Kilometern um Görlitz zwölf Fachärzte für Chirurgie, die hier vertragsärztlich tätig sind, informiert die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) auf SZ-Nachfrage. 

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Diese Entfernung sei zumutbar, sagt die KVS. "Der Gesetzgeber sieht eine Entfernung zum Facharzt von bis zu 50 Kilometern als durchaus machbar an", erläutert Patrice Fischer von der KVS. Die fachärztlichen Praxen seien zumeist in den größeren Städten angesiedelt, um zentral eine größere Region zu versorgen. Nicht an jedem Ort können alle Fachrichtungen der Medizin ambulant angeboten und vorgehalten werden. "Naturgemäß sind hierfür weder ausreichend genug menschliche noch wirtschaftliche Ressourcen vorhanden", erläutert der Sprecher.

Vertragsarztsitz fällt weg für die Region

In der Holtendorfer Praxis gibt es keinen neuen Chirurgen, weil "Naumann kein Nachbesetzungsverfahren angestrebt hat, um die Praxis an einen Nachfolger zu übergeben. Er hat somit keine Bemühungen unternommen", erklärt Fischer weiter.  Die KVS habe ihn auf die Möglichkeit der Durchführung dieses Verfahrens hingewiesen, um den Vertragsarztsitz für die Region zu erhalten. Von Herrn Naumann selbst war nichts über seine Gründe dafür zu erfahren, er war zu einem Gespräch mit der SZ nicht bereit.

Es steht dem Vertragsarzt jedoch frei, das Nachbesetzungsverfahren durchzuführen. "Stellt er diesen Antrag nicht, geht der Vertragsarztsitz ohne einen entsprechenden Nachfolger in die Bedarfsplanung ein und geht der Region spätestens in sechs Monaten verloren", erklärt Patrice Fischer. 

Laut KVS hat der Planungsbereich zwischen Görlitz und Weißwasser einen Versorgungsgrad der Arztgruppe der Chirurgen und Orthopäden - diese fasst sie die KVS zusammen - von 157 Prozent. Der Bereich gilt damit als überversorgt und es gibt Zulassungsbeschränkungen für die Ansiedelung von Ärzten dieser Gruppe. Will sich ein neuer Chirurg oder Orthopäde hier ansiedeln, wird das wegen der Beschränkungen unmöglich, zumindest aber äußerst schwer.

Eingang zum Städtischen Klinikum Görlitz an der Girbigsdorfer Straße.
Eingang zum Städtischen Klinikum Görlitz an der Girbigsdorfer Straße. © Nikolai Schmidt

Nachfolger für Unfallklinik gesucht

Ein weiterer Chirurg geht in den nächsten Monaten in den Ruhestand. "Dr. Uwe-Karsten Schöbel beabsichtigt, Ende März 2021 in den Ruhestand zu gehen", bestätigt Katja Pietsch. Die Sprecherin des Städtischen Klinikums Görlitz verweist darauf, dass bereits ein Nachfolger gesucht wird, unter anderem mit einer Stellenanzeige auf der Homepage des Klinikums.  

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Leistungsangebot der Klinik für Unfallchirurgie mit dem Nachfolger oder der Nachfolgerin von Dr. Schöbel erhalten oder ausgebaut werden kann", sagt die Sprecherin. 

Die Klinik für Unfallchirurgie, die unter der Leitung von Chefarzt Dr. Schöbel steht, bietet durch verschiedene Klinikärzte Sprechstunden an, für die ein Überweisungsschein eines Facharztes für Chirurgie oder Orthopädie erforderlich ist. Dazu gehören die unfallchirurgische Sprechstunde, die Durchgangsarztsprechstunde, die Schultersprechstunde und die Fußsprechstunde.

Von der Praxis Naumann wie auch von anderen niedergelassenen Chirurgen und Orthopäden werden Patienten seit Jahren in die traumatologische wie auch in die D-Arzt-Sprechstunde zu Chefarzt Schöbel überwiesen. Hier erfolgen Beratungen, Mit- oder Weiterbehandlungen. 

Klinikums-Sprecherin Katja Pietsch in einer Ausstellung in der Magistrale dieses Krankenhauses.
Klinikums-Sprecherin Katja Pietsch in einer Ausstellung in der Magistrale dieses Krankenhauses. © Nikolai Schmidt

Patienten brauchen einen neuen chirurgischen Arzt

Mit der Schließung der Praxis Naumann müssen sich die Patienten einen neuen Arzt suchen. "Patienten mit Arbeits- und Wegeunfällen können dabei zur Weiterbehandlung direkt in die Durchgangsarztsprechstunde von Chefarzt Schöbel wechseln", erklärt Frau Pietsch. Alle anderen Patienten benötigen wie bisher auch einen Überweisungsschein von einem niedergelassenen Chirurgen oder Orthopäden. "Somit gibt es seitens des Klinikums keine Einschränkungen für die Weiterbehandlungen der Patienten von Herrn Naumann. Wir streben selbstverständlich an, dies auch nach dem Chefarztwechsel in unserer Unfallchirurgie so beizubehalten", erklärt die Sprecherin. 

Das Vorhaben, in der Praxis Naumann in Holtendorf eine Physiotherapie zu etablieren, ist nach SZ-Recherchen vorerst vom Tisch. Das Gebäude, in dem sich die Praxis befindet, gehört den Chirurgen Naumann und Dr. Kinscher. Letzterer ging bereits vor einiger Zeit in den Ruhestand.

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