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Ein mutiges Klima-Projekt

Eine gemeinsame Fernwärmeversorgung über die Neiße hört sich so lapidar an. Das ist es aber nicht, meint SZ-Redakteur Sebastian Beutler. Ein Kommentar.

Symbolfoto
Symbolfoto © Nikolai Schmidt

Den Verbraucher interessiert vor allem eins bei seiner Heizung: Dass sie im Winter warm ist. Preiswert möchten die Heizkosten auch noch ausfallen. Aber das ist es auch schon.

Welche Herausforderung das aber sein kann, wird beim gemeinsamen Fernwärme-Projekt von Görlitz und Zgorzelec deutlich. Da müssen sich die Stadtwerke Görlitz künftig darauf verlassen können, dass das Heizwerk in Zgorzelec genauso am Schnürchen läuft wie die Görlitzer Blockheizkraftwerke auch jetzt schon und damit die Versorgung sichern kann. Mitarbeiter der Görlitzer Stadtwerke und des Zgorzelecer Versorgers ZPEC müssen sich nach 2030 so abstimmen können, als wären es zwei Abteilungen eines Unternehmens. Das kann schon bei traditionellen Firmen schwierig sein. Hier aber werden Grenzen überwunden, Mentalitäten prallen aufeinander, politische Krisen kann es geben. Das Projekt verlangt auch anspruchsvolle ingenieurtechnische Planungen, beispielsweise zur Unterquerung der Neiße. 

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Als wäre das nicht schon ambitioniert genug, so verlangt das Vorhaben gerade auf Zgorzelecer Seite viel Mut. Denn damit verbunden ist der Abschied von der Kohle, weit früher als im Kreis Zgorzelec geplant, zehn Jahre früher auch, als der Tagebau Turow vom Netz geht. Welche Vorreiterrolle Zgorzelec damit einnimmt, kann jeder ermessen, der gerade verfolgt, wie kompromisslos Polen an seiner Kohle festhält. 

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Das Versprechen aber, das mit dem Vorhaben für alle Seiten gegeben wird, wiegt das mehr als auf: eine sichere, effiziente, klimaneutrale Fernwärme-Versorgung der beiden Städte, ein enormer Innovationsschub vor allem für die Energiewerke Zgorzelec und am Ende bessere Luft für die Einwohner. Das müsste es auch Brüssel wert sein, das Vorhaben großzügig zu fördern.

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