merken
PLUS Niesky

Kommt der Schulgartenunterricht zurück?

Palmkohl, Mangold und Tomaten: In Reichenbach beackern Kinder ein kleines Feld - selbst geerntet wird auch.

Lehrerin Yvonne Beck holte die „Ackerdemia“ nach Reichenbach.
Lehrerin Yvonne Beck holte die „Ackerdemia“ nach Reichenbach. © Constanze Junghanß

DDR-Kinder kennen das Unterrichtsfach, bei dem in der Erde gebuddelt, Unkraut gezupft und Gemüse angebaut wurde, mit Sicherheit: Schulgarten. Das Fach verschwand nach der Wende in beinahe allen Bundesländern vom Lehrplan. „Nur noch in Thüringen gibt es Schulgarten als eigenständigen Unterricht“, sagt Sophie Enderlein. Sie gehört zum Team der „Ackerdemia“.

Der Verein mit Sitz in Potsdam ist auch in Sachsen unterwegs, um „das bewährte Konzept des Schulgartens ins 21. Jahrhundert zu bringen“. Nach Angaben von Sophie Enderlein machen dabei sachsenweit 25 Grundschulen und vier Kitas in diesem Jahr mit. Im Landkreis Görlitz ist das laut Enderlein eine Grundschule in Herrnhut. Nun kommt Reichenbach dazu. 

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

Geld gab es von der AOK

Eigentlich, so findet Yvonne Beck, sei es schade, dass der Schulgartenunterricht als Fach vom sächsischen Lehrplan verschwunden ist. Die Lehrerin hat das Projekt angekurbelt. Finanziell gefördert wird das von der AOK. Ein Glücksgriff, wie die Pädagogin sagt. Denn für Schulgartenprojekte ist die Auswahl an Fördermöglichkeiten nicht sonderlich groß. Zwar gibt es auch den sächsischen Schulgartenwettbewerb, bei dem die Schulen für 2020 zwischen 400 und 2.500 Euro gewinnen können. Doch sicher ist diese Finanzspritze nicht, da es sich um einen Wettbewerb handelt, von dem maximal 30 sächsische Schulen profitieren.

Das Thema Schulgarten beschäftigte in den vergangenen Jahren mehrfach die Politik. So hinterfragten die Bündnis-Grünen vor drei Jahren beim Landtag die Anzahl sächsischer Schulgärten. Die Antwort lautete: „Ob und wie viele Schulen im Freistaat Sachsen einen Schulgarten betreiben, ist kein statistisches Erhebungskriterium der Staatsregierung.“ Später hakte die AfD nochmal nach. Doch auch die hatte keinen Erfolg. Konkrete Zahlen gab es vom Landtag dazu nicht.

Lehrerin Yvonne Beck holte die „Ackerdemia“ nach Reichenbach.
Lehrerin Yvonne Beck holte die „Ackerdemia“ nach Reichenbach. © Constanze Junghanß
Lehrerin Yvonne Beck holte die „Ackerdemia“ nach Reichenbach.
Lehrerin Yvonne Beck holte die „Ackerdemia“ nach Reichenbach. © Constanze Junghanß
Lehrerin Yvonne Beck holte die „Ackerdemia“ nach Reichenbach.
Lehrerin Yvonne Beck holte die „Ackerdemia“ nach Reichenbach. © Constanze Junghanß

Ob auf der Fensterbank, im Hochbeet oder bestenfalls im richtigen Garten – Gemüse säen, die Pflanzenentwicklung beobachten und schließlich ernten können, ist fast überall machbar. Die Schöpstaler Grundschule beispielsweise hat eine Streuobstwiese und in ihrem Garten einen Getreideacker angelegt. „Naturnahes Lernen“ wird in Schöpstal groß geschrieben. Vor vier Jahren gehörte die Nieskyer Gutenberg-Schule zu den drei sachsenweiten Siegern beim Schulgartenwettbewerb. Die Reichenbacher Grundschule hat den Vorteil, über ein riesiges Außengelände zu verfügen. Obstbäume sind da bereits angepflanzt worden, es gibt ein „Grünes Klassenzimmer“ unter freiem Himmel und nun eben einen Schulgarten, der von Lehrern und Kindern unter Anleitung der „Ackerdemia“ bewirtschaftet werden soll.

Es wächst alles von Kohlrabi bis Palmkohl

Da wachsen auf knapp 100 Quadratmetern nicht nur bekannte Sorten wie Salat, Kohlrabi und Rote Beete, sondern auch außergewöhnliche Tomaten wie das „Orange Ochsenherz“, Mangold – eine Spinatpflanze - oder Palmkohl. „Für eine Generation, die weiß, was sie isst“, lautet der Slogan auf den Erntebeuteln aus Baumwollstoff. Es geht bei dem Projekt um Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Wertschätzung. Und das Erleben der Sinne: Wie schmeckt die Gurke frisch vom Feld, wie der Zuckermais?

„Wir nutzen den Schulgarten im Rahmen des Sachunterrichts“, erklärt Yvonne Beck. Ebenso fließen Mathe und Deutsch mit ein. Wie buchstabiert man „Pflücksalat“, wie schwer wird die Rübe, wie viele Wochen brauchen die Pflanzen zum Wachsen? Schulgarten als eigenständiges Unterrichtsfach befürwortet die Lehrerin. „Möglich ist das aber leider nicht“, sagt sie. Ein Experimentierbeet gibt es auch: Melonen sollen da gedeihen.

So oder so passt der Schulgartenstart perfekt in die aktuelle Zeit. „Die Kinder kommen an die frische Luft, können etwas durchatmen“, sagt die Lehrerin. Durch die Corona-Regelungen zum Schulbetrieb gibt es dadurch eine willkommene Abwechslung. Die Reichenbacher Kinder haben es da sowieso gut: Ein Teil des Unterrichts soll – wenn das Wetter das zulässt – im Grünen Klassenzimmer unter freiem Himmel stattfinden.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier:

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier:

Mehr zum Thema Niesky