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Feuilleton

Lachen in Zeiten von Corona

Ist angesichts der weltweiten Krise Humor angebracht? Unbedingt. Denn Humor stärkt das Immunsystem des Geistes in Krisen.

Olaf Schubert
Olaf Schubert © Rocci Klein

Die Satirepartei „Die Partei“ verbreitete vor wenigen Tagen einen Aufruf: „Hand in Hand mit einer Menschenkette gegen das Coronavirus. Begeisterung, die ansteckt.“ Lächerlich? Es geht noch lachhafter. Als Präsident Trump kürzlich erklärte, er wisse mehr über den Virus als irgendjemand, konterte sein Sicherheitsberater: „Das ist keine Syphilis, Sir!“ Natürlich ist das ein Witz.

Ach ja, Hamster sind nach den vielen Hamsterkäufen ausverkauft, Drogendealer im Park stellen auf Seife, Desinfektionsmittel und Mundschutz um, Mütter beklagen, dass das Schlimmste am Coronavirus sei, dass sie jetzt vierzehn Tage mit ihren Bälgern zu Hause eingeschlossen sind, 86 Männer befinden sich seit gestern im Bordell unter Quarantäne, und das beste Rezept gegen die Krankheit heißt Klopapierauflauf. Es reicht?

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Der Gag als Lustgewinn

Noch lange nicht. Denn der viralen Welle, die gerade durchs Land schwappt, geht eine Lachsalve voraus und irgendwann hinterher. Schon Karl Valentin meinte: „Jedes Ding hat drei Seiten: eine Positive, eine Negative und eine Komische.“ Und, dass bei dem zurzeit in Dresden stattfinden Satirefestival „Humorzone“ viele Veranstaltungen ausverkauft sind und laut Veranstalter die meisten auch stattfinden, ist unter anderem ein Hinweis darauf, dass Krisen der Komik Konjunktur bescheren. Das Motto des Festivals „Man darf auch mal lachen müssen“ stammt zwar von Olaf Schubert, könnte aber auch aus dem Therapieschrank eines Psychologen geklaut sein.

Denn Humor stärkt das Immunsystem des Geistes. Die Folge: Gelassenheit. „Am dringendsten benötigt der Mensch den Humor, wenn es ihm schlecht geht“, predigt in seinen Vorlesungen der Psychologe Willibald Ruch, der seit vierzig Jahren die Wirkungen der Heiterkeit erforscht und an der Universität Zürich lehrt. Freude sei der mächtigste Antagonist der Angst, heißt eine seiner Thesen. Außerdem meint er, dass der Humor eine extrem effektive Technik der Gefühlsverarbeitung sei. Positive Emotionen erweitern das Blickfeld, Angst und Ärger bewirken das Gegenteil. Viele Studien zeigen, dass der Mensch mit schwierigen Situationen besser umgehen kann, wenn er Humor einsetzt.

Nicht nur der Virus belästigt die Seelen, sondern das Gefühl ständiger Bedrohung macht sich zunehmend breit: Flüchtlingskrise, Börsenkrach, Terroranschläge, Kriegsmanöver kriechen wie Gift ins Unterbewusstsein der Gesellschaft. Diese Art der psychologischen Kriegsführung drückt massiv aufs Gemüt und führt zu Resignation, die wiederum die Fähigkeit zur freien Handlung einschränkt. Heiterkeit ist ein legitimer Abwehrmechanismus gegen die ständigen Attacken auf die Psyche und erhält deren Bewegungsfreiheit.

Schon Siegmund Freud sah in seinem 1927 erschienenen Buch „Der Witz und seine Beziehung zum Unterbewussten“ im Scherz eine Technik des Unbewussten zur Einsparung von Konflikten und zur kurzzeitigen Lockerung von geistigen Verspannungen. Egal jedoch, welcher Gag sich Bahn breche, es gehe um Lustgewinn. Der Witz biete dafür eine Möglichkeit und sei für viele Ersatzhandlung, um auszuleben, was anderswo einem Verbot unterliege. 

Zwangloses Gedankenspiel gegen Tabus, um sich selbst zu motivieren. Der Witz leiste nach Freud eine psychische Aufwandersparnis, indem er es ermöglicht, die auf freie Äußerung von Aggressionen folgenden Sanktionen zu umgehen und selbige Gefühlsregungen dennoch ausleben zu können. Humor ist eine Art Bewältigungsstrategie und fördert die Resilienz, also die psychische Widerstandskraft.

Eine Studie des Oxforder Psychologen Robin Dunbar belegt, dass heitere Menschen negative Lebensereignisse wie schwere Krankheiten, Scheidung, Entlassung oder Tod eines Angehörigen besser bewältigen als humorlose Charaktere. Selbst körperliche Schmerzen kann man teilweise weglachen. Ein Scherz hilft gegen den Schmerz. Es geht um positives Denken, das zurückwirkt auf die gesellschaftlichen Verhältnisse.

Humor ist Einsicht in Schwächen

Diese Lebenshaltung ist so alt wie die Menschheit, denn es handelt sich um eine Überlebensstrategie. 1954 definierte der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow diese Einstellung in dem Begriff der Positiven Psychologie. Dabei geht es um Aspekte des Menschseins wie Glück, Optimismus, Geborgenheit, Vertrauen, individuelle Stärken, Vergebung und Solidarität. Genau diese notwendigen Grundwerte werden, ob bewusst oder unbewusst, durch Terrorangst oder Virusgefahr zerstört. Aber dem darf sich der Einzelne nicht ergeben.

Der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl schrieb in seinem 1946 erschienene Buch „…trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“, dass die Häftlinge alles verloren, aber sie „behielten die letzte menschliche Freiheit, sich zu den gegebenen Verhältnissen so oder so einzustellen“. Der Humor sei eine Waffe der Seele im Kampf um ihre Selbsterhaltung. Für Viktor Frankl ist die Heiterkeit ein Essential, das wie kaum sonst etwas im menschlichen Dasein geeignet sei, sich über die Situation zu stellen. Distanz verschafft Überblick, um aus der Sackgasse des Lebens herauszufinden.

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Wenn heute Comedy zum Lachmuskeltraining auffordert, ist das die eine Seite des Humors, aber der Ansatz geht tiefer. Eine Besucherin des Tom-Pauls-Theaters in Pirna schrieb jüngst ins Gästebuch, sie habe es genossen, mal zwei Stunden nicht an den Irrsinn da draußen denken zu müssen, sie habe sich mit den anderen Besuchern so wohl gefühlt bei dem heiteren Zusammensein. Der Schauspieler Tom Pauls sagt: „Humor bedeutet auch, Weisheit und Mitgefühl zu entwickeln durch Einsicht in die menschlichen Schwächen. Es geht um Hoffnung, die wir behalten müssen.“ Man dürfe den Unzulänglichkeiten der Welt mit heiterer Gelassenheit begegnen. Ganz in diesem Sinne sei zum guten Schluss der islamische Till Eulenspiegel, der legendäre Mullah Nasruddin zitiert: „Wenn ich dieses Leben überlebe, ohne zu sterben, sollte mich das überraschen.“