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Görlitz

Tunnel-Chaos: Landesbehörde hat Schuld

Die Ampel an der Jänkendorfer Kreuzung in Niesky kann von Dresden ausgeschaltet werden. Doch am Sonntag tat das niemand.

Wartungsarbeiten im Autobahntunnel, wie hier der Austausch der Ventilatoren, gehören zum Betrieb eines solchen Bauwerkes dazu.
Wartungsarbeiten im Autobahntunnel, wie hier der Austausch der Ventilatoren, gehören zum Betrieb eines solchen Bauwerkes dazu. © SZ-Archiv / André Schulze

Verena Bergel saß am Sonntag mitten im Chaos. Sie wohnt mit ihrer Familie in Nieder Seifersdorf, direkt an der Kreuzung Arnsdorfer Straß/Hauptstraße. Also dort, wo es zum „Städt’l“ geht. Über das, was sie dort erlebte, ist sie noch am Tag danach verärgert. 

Ein normaler Sonntag? Ausfahren aus dem Grundstück auf Straße? Nichts davon war am Sonntag für Verena Bergel zwischen 10 und 19.30 Uhr möglich. „Die Vollsperrung des Autobahntunnels Königshainer Berge am Sonntag hat für uns Anwohner Maße bislang ungewohnter Belastung angenommen“, sagt sie. Die Kreisstraße von Kodersdorf über Wiesa, Thiemendorf nach Nieder Seifersdorf wurde (mal wieder) als inoffizielle Umleitungsstrecke genutzt, statt sie zu sperren, berichtet sie. „Es ist nicht nur Unmut, sondern auch Wut und Ohnmacht, die sich in dieser Situation breitmacht“, sagt sie.

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Wie die Nieder Seifersdorfer hatten auch die Kodersdorfer Anwohner am Sonntag unter dem Stau auf der B 115 zu leiden. Dieser reichte von der Jänkendorfer Kreuzung zeitweise bis in den Ort hinein. Für Bürgermeister René Schöne unverständlich, dass die Gemeinde über die Sonntagsarbeiten nicht informiert wurde. Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert räumte eine „bedauerliche Kommunikationspanne in der zuständigen Fachabteilung“ ein. Am Sonntag fand eine ganztägige Tunnelwäsche statt. Schönes zweiter Kritikpunkt ist, dass die Schaltzeiten der Ampeln an der Jänkendorfer Kreuzung der neuen Verkehrssituation nicht angepasst wurden. Mit viel Steuergeld wurde diese Kreuzung umgebaut, um dem Autobahn-Umleitungsverkehr gewachsen zu sein. „Aber es war wieder mal eine Katastrophe“, so Schöne.

Nicht anders fallen die Reaktionen auf den gestrigen SZ-Artikel aus, der den Behörden attestiert, den Umleitungsverkehr nicht im Griff zu haben. Auf Facebook schreibt Henry Glaubitz: „Man kann nur froh sein, dass in den Dörfern keiner einen Notarzt brauchte. Hier wäre keiner durchgekommen.“ Sandro Tunsch sieht das Hauptproblem bei einer Tunnelsperrung aus Richtung Kodersdorf kommen. „Statt einem vielfach geforderten und in ähnlichen Situationen bewährten Kreisverkehr, wurde die Jänkendorfer Kreuzung aus Kostengründen mit der bekannten Sprungschanze verunstaltet und damit dem bekannten Stauproblem in keiner Weise Rechnung getragen.“ Martin Hennersdorf ist der Meinung: „In Richtung Westen den Tunnel am Sonntag zu sperren und am Montag eine Spur, ist an Blödheit und Fahrlässigkeit nicht zu überbieten.“ Denn am Sonntag sind viele Polen wieder auf der Autobahn, um ihre Arbeitsorte in Deutschland und darüber hinaus zu erreichen. Verena Bergel hat beobachtet, dass nicht wenige Polen den Schleichweg durch Wiesa und Thiemendorf genommen haben. Das Navi im Auto hat ihnen dabei geholfen.

Dass der Landkreis mit der Straßenmeisterei für die Ampelschaltung zuständig ist, verneint das Landratsamt. Pressesprecherin Julia Bjar sagt: „Die Ampelanlage wurde mit dem Kreuzungsumbau technisch so konzipiert, dass einzig die Tunnelbetriebsstelle Dresden im Falle einer Sperrung des Autobahntunnels per Steuerung die Ampelanlage umprogrammiert. Dies ist nach Aussage einer Mitarbeiterin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr jedoch vergessen worden.“ Die Tunnelbetriebsstelle Dresden, früher Autobahnamt Helleraus, ist eine Abteilung des Lasuvs. Das wiederum bestätigt, dass es vom Landratsamt berechtigt wurde, außerhalb der Dienstzeiten der zuständigen Straßenmeisterei des Landkreises die Ampelanlage umzuschalten. Um das im Fall einer Tunnelsperrung zu gewährleisten, erklärt Pressesprecherin Isabel Siebert, wurde die technische Möglichkeit installiert, um webbasiert, einen besseren Durchfluss des Umleitungsverkehrs zu ermöglichen. Das sollte auch am Sonntag so geschehen, aber wie die Sprecherin des Landesamtes gestern mitteilte, „war das Schaltprogramm für den Umleitungsfall am Sonntag bedauerlicherweise nicht aktiv gewesen. Die Ursachenforschung dazu läuft“.

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Bleibt die Erwartung, dass zur nächsten Sperrung auch an die Ampeln gedacht wird. Und diese kündigt Isabel Siebert für den Zeitraum vom 2. bis 5. September an. „Dann findet die Jahreswartung des Tunnels statt. Dabei wird es jeweils fahrtrichtungsweise zu Vollsperrungen zwischen 8 und 15.30 Uhr kommen.“ Weitere planmäßige Vollsperrungen sind laut Lasuv dieses Jahr nicht vorgesehen.

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