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Bleibt es jetzt bei mehr Homeoffice?

Wegen Corona mussten viele Unternehmen ihre Arbeitsabläufe verändern. Darin sehen manche im Landkreis Bautzen auch Vorteile.

Ines Häschke von der AOK ist zwar regelmäßig in ihrem Büro in Bautzen, arbeitet aber immer öfter auch von Zuhause.
Ines Häschke von der AOK ist zwar regelmäßig in ihrem Büro in Bautzen, arbeitet aber immer öfter auch von Zuhause. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es gab Zeiten, da hat Ines Häschke kaum eine Arbeitsminute ohne Kopfhörer und Mikro verbracht. Sie hat mehr telefoniert als sonst, an Videokonferenzen oder Online-Workshops teilgenommen. Der persönliche Kontakt war eingeschränkt. „Mit Corona waren wir gezwungen, mehr Kollegen ins Homeoffice zu schicken.“ Die Leiterin des Gesundheitscenters der AOK für Ostsachsen kümmert sich mit ihren sieben Mitarbeitern um Gesundheitsförderung und präventive Angebote vor allem in den Landkreisen Görlitz und Bautzen.

Arbeiten von Zuhause habe es bei der AOK auch schon vor Corona gegeben, wurde aber nicht in so großem Umfang genutzt. Ines Häschke würde gern digitale Möglichkeiten und Homeoffice beibehalten trotz der Lockerungen und der Rückkehr der Mitarbeiter in die AOK-Filialen. „Ich bin dafür, aus neuen Situationen etwas zu machen. Mitarbeiter können sich Tätigkeiten und deren Erledigung frei einteilen. Oft bedarf es keiner Präsenz.“

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Der Arbeitszeitrahmen wurde gelockert, erklärt Ines Häschke. „Es sollte ein Miteinander von Arbeitgebern und -nehmern sein.“ Und Führungskräfte sollten keine Zweifel daran haben, dass die Arbeit auch erledigt wird. „Ich habe Vertrauen in meine Mitarbeiter und bin bislang recht selten enttäuscht worden.“ 

Videokonferenz statt Dienstreise

Das bestätigt Stephanie Rohac, Kommunikationspsychologin und Trainerin für Organisations- und Personalentwicklung aus Neukirch/Lausitz. Auch die AOK gehört zu ihren Kunden. „Ohne das Vertrauen der Führung in die Mitarbeiter geht es nicht. Mit Homeoffice können sich Arbeitgeber für Mitarbeiter aus dem ländlichen Raum attraktiver machen.“ Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf könne besser gelingen. Die verheiratete, dreifache Mutter weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht. Ihre Workshops und Beratungen habe sie in den vergangenen Wochen verstärkt online durchgeführt.

Bei der Wohnungswirtschaft und Bau Gesellschaft in Bischofswerda wurden in den vergangenen Wochen ebenfalls Videokonferenzen genutzt, sagt Geschäftsführer Andreas Wendler. Er hofft, dass solche Dinge fortgesetzt werden. „Dienstreisen wegen ein- oder zweistündigen Terminen, die man auch online machen kann, könnten so wegfallen. Wenn diese Formate gut vorbereitet sind, gut moderiert werden und alle die Technik beherrschen, klappt das.“

Auch das Statistische Landesamt in Kamenz musste corona-bedingt Homeoffice nutzen, wie Sprecherin Angela Becker bestätigt. Demnach „wurden sowohl intern als auch extern verstärkt digitale Medien und Online-Materialien genutzt. Positiver Effekt war die Einsparung von Reisekosten. Aber andererseits kam es vermehrt zu Informationsverlusten gegenüber persönlichen Gesprächen.“ Man werde aber weiter auf die Arbeit von Zuhause und digitale Arbeitsmittel setzen.

Small Talk geht auch online

Gerade wenn An- und Abreise länger dauern als der eigentliche Termin, sei es sinnvoller,  sich online in einer Videokonferenz zu treffen, erklärt Kommunikationspsychologin Stephanie Rohac. „Es gibt da gute Möglichkeiten. Erst kürzlich habe ich als Expertin an einem digitalen Kamingespräch teilgenommen und Veranstaltungen online moderiert. Klar ist das anders, aber Mimik und Gestik sind ja trotzdem sichtbar.“

Wichtig sei, dass man in Kontakt bleibt, auch ohne sich täglich im Büro zu sehen. „Der Kaffeeklatsch oder das gemeinsame Mittagessen fallen weg, und diese lockeren Zwischentöne lassen sich online nur sehr schwer herstellen“, so die Kommunikationspsychologin. „Small Talk geht aber auch online. Man muss das nur vereinbaren und sich Termine ausmachen. Auch das schafft Nähe. Je mehr Kontakt man hat, desto verbundener fühlt man sich.“

Das weiß auch Ines Häschke. „Wir haben öfter Kontakt als vorher.“ Mit ihren Mitarbeitern habe sie in den vergangenen Wochen täglich telefoniert. „Das war teamfördernd.“ Sie selbst nutze die Option Homeoffice jetzt bewusster, um etwa Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Auch sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Wenn sie zum Beispiel um 16 Uhr noch eine Telefonkonferenz hat, fährt sie vorher nach Hause und nimmt den Termin dort wahr. Sobald die Konferenz beendet ist, beginnt die Familienzeit.

Dass es dafür die technischen Ausstattungen, stabiles, schnelles Internet und einen ungestörten Ort in den eigenen vier Wänden braucht, ist Ines Häschke bewusst. Bei der Technik sei der Arbeitgeber gefordert, mit der Netzabdeckung sei es manchmal schwierig, und beim häuslichen Rückzugsort sind die Mitarbeiter gefragt. Ein Kollege habe etwa zum Arbeiten im Ankleidezimmer seiner Frau gesessen.

Solche Änderungen einzuführen, war bei der AOK ohnehin angedacht, sagt Ines Häschke. „Auch ohne Corona wäre das Nachdenken über Arbeitsabläufe gekommen, aber nicht so schnell und vielleicht nicht so umfassend.“  

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