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Landwirtschaftsminister besucht Schloss Schleinitz

Die Bürgerinitiative und Landwirte wollen den Verkauf des Schlossensembles verhindern. Hilfe erhoffen sie sich vom Freistaat.

Fördervereins-Vorsitzender Gerhard Doleschal (l.), führt den sächsischen Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Mitte) durch das Schlossareal Schleinitz in Nossen.
Fördervereins-Vorsitzender Gerhard Doleschal (l.), führt den sächsischen Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Mitte) durch das Schlossareal Schleinitz in Nossen. © Uta Büttner

Lommatzscher Pflege. Das Schlossareal als Zentrum des ländlichen Brauchtums in der Lommatzscher Pflege für die Öffentlichkeit erhalten – das ist das große Ziel der Bürgerinitiative um Bernd Hoffmann und Christian Lantzsch. Am Montagabend war es gelungen, den sächsischen Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Wolfram Günther, nach Schleinitz zu holen, um ihn für ihr Anliegen zu begeistern und um Hilfe zu bitten.

Der Zeitplan war straff. Nachdem der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Schleinitz und ehemalige Bürgermeister von Leuben-Schleinitz den Grünenpolitiker im Schnelldurchlauf einen Teil des gesamten Ensembles zeigte, wurde gemeinsam mit Vertretern aus der regionalen Landwirtschaft, darunter auch von der Frosta AG, unter anderem über die mögliche Zukunft des Schlossensembles als landwirtschaftliches Kompetenzzentrum in der Lommatzscher Pflege diskutiert. Ebenfalls in der Gesprächsrunde dabei, der sächsische Landeskonservator Alf Furkert und der Meißner Kunsthistoriker und Verwalter der Hornstiftung, Tom Lauerwald.

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Seit mehreren Monaten kämpft die Bürgerinitiative gegen die geplante Privatisierung des Schlossareals. Neben Schloss sollten Herberge, Gerichtsgebäude, Scheunen, Fördervereinsgebäude mit integriertem Wohnhaus sowie Schmiede, Schauwerkstatt, Museum und Garage, Zufahrtsstraßen und Parkplatz veräußert werden. Bis zum Ende der Ausschreibung, 28. April dieses Jahres, hatte sich allerdings kein Käufer gefunden. Dennoch ist der Verkauf nicht vom Tisch. Deshalb soll die geplante Stiftungsgründung weiter vorangetrieben werden. Doch dazu brauchen Lantzsch und Hoffmann Hilfe. „Wir haben ein Riesenproblem: Wir sind juristisch als Bürgerinitiative niemand“, erklärte Hoffmann. „Wenn wir uns nicht organisieren, fällt alles in private Hände und wird zerschlachtet.“

Günther: "Wir müssen irgendwie Wege finden."

Als Kunsthistoriker zeigte sich Wolfram Günther beeindruckt von dem Schloss und dessen Substanz. Vergleichsweise zu anderen Objekten dieser Art „ist die Welt ja hier erst einmal noch in Ordnung“. Zudem die engagierten Leute vor Ort und die Unternehmen, die bereits am Tisch sitzen, das seien alles Zutaten, dass es funktionieren müsste, meinte der Landwirtschaftsminister. „Das Herz dieses Ortes an irgendjemanden zu verkaufen, das erinnert einen so ein bisschen an die frühen 90er-Jahre, als die Treuhand so manches Schloss veräußert hat, und hinterher ist einfach nichts mehr im Ort passiert. Wir müssen irgendwie Wege finden und schauen, wer wie und was leisten kann“, sagte der Landwirtschaftsminister. Ideen, wie eventuell die „Marke“ Lommatzscher Pflege als Tourismusmagnet entwickelt werden könnte, mit Schleinitz als zentralen Punkt, einschließlich Hotel und Gastronomie, sprach er an.

Landwirt Wolfgang Grübler, Chef des Agrarunternehmens Lommatzscher Pflege, sagte eindringlich: „Wir brauchen eine Anschubfinanzierung, damit man das hier erhalten kann, was alles vollbracht wurde. Allein stemmen wir das als Landwirte nicht.“ Insbesondere betonte Grübler wie zuvor auch schon die Bürgerinitiative, dass ein Hauptamtlicher für die Erstellung des Stiftungskonzeptes nötig sei. Fördergelder wie aus dem Leader-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raumes müssten fließen, „jedoch läuft Leader gerade aus und wir wissen nicht, was jetzt passiert“, sagte Horn-Stiftungsverwalter Tom Lauerwald. Ein neues Programm werde zwar sicher aufgelegt, aber so lange könne nicht gewartet werden. „Uns läuft die Zeit davon“, bekräftigte Grübler.

Keine Versprechen

Auch Nikola Burgeff vom Bio-Hof Mahlitzsch sprach sich für ein landwirtschaftliches Kompetenzzentrum mit Blick in die Zukunft aus. Und der Landwirtschaftsberater Andreas Wilhelm aus Stauchitz sagte, „Wir müssen das Leben und Arbeiten im ländlichen Raum den Leuten näherbringen. Wir haben auch einen Bildungsauftrag.“

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Versprechen konnte der Landwirtschaftsminister an diesem Abend natürlich nichts, aber der Ansatz sei richtig, so sagte er, ein Hauptamtlicher werde gebraucht. „Das Ensemble darf auf keinen Fall privatisiert werden, das ist nicht nachhaltig gedacht.“ Deshalb wäre eine Kombination aus einer Stiftung und öffentlicher Hand eine denkbare dauerhafte Struktur. „Natürlich muss sich das Objekt wirtschaftlich tragen. Und wir schauen, wie wir dabei unterstützen können“, resümierte Wolfram Günther.

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