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Wie eine Müllstation das Klima schützt

Die EGLZ hat an ihrem Stammsitz in Lawalde eine Umladestation in Betrieb genommen. Das spart tonnenweise CO2 - und erhält den Wohlstand der Gemeinde.

EGLZ-Geschäftsführer Frank Ritter in der neuen Müll-Umladestation in Lawalde. Dort werden auch große Mengen Altpapier umgeladen.
EGLZ-Geschäftsführer Frank Ritter in der neuen Müll-Umladestation in Lawalde. Dort werden auch große Mengen Altpapier umgeladen. © Markus van Appeldorn

Meterhoch ist ein Berg von Altpapier in der Halle auf dem Gelände der Entsorgungsgesellschaft Görlitz-Löbau-Zittau (EGLZ) in Lawalde aufgeschüttet. Und am anderen Ende schaufelt ein Radlader tonnenweise Restmüll in einen Sattelzug. Es ist staubig und riecht ein bisschen nach Abfall. Tief durchatmen möchte man da nicht. Dennoch: Was hier passiert, ist praktizierter Klimaschutz - der Klimaschutz der kurzen Wege.

Auf dem Gelände des Stammsitzes der EGLZ hat der Regionale Abfallverband Oberlausitz-Niederschlesien (Ravon) zu Jahresbeginn eine Müll-Umladestation in Betrieb genommen. "Das hat uns schon im ersten Quartal 15.000 Kilometer gespart", sagt Frank Ritter, Geschäftsführer der EGLZ. Vorher nämlich musste seine Flotte von 20 Müllfahrzeugen nach den täglichen Touren immer einen Umweg nehmen. Die Laster brachten ihre Fracht zu einer Umladestation in Reichenbach. "Das machte pro Tour etwa eine Stunde aus", sagt Ritter. Jetzt spart sein Unternehmen nicht nur Zeit und kostbaren Kraftstoff und damit einhergehende Abgase - wegen ihrer geringeren Laufleistung sind die teuren Fahrzeuge auch einem geringeren Verschleiß ausgesetzt. Nun kommen die Müllwagen nicht mehr wie früher leer, sondern beladen nach Lawalde zurück. In der Halle laden sie den Müll ab. Der wird dann gleich umgeladen und in die Müllverbrennungsanlage nach Lauta gebracht.

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Für Lawalde ist Abfall Gold. Die EGLZ ist seit Jahren der mit Abstand größte Gewerbesteuerzahler der Gemeinde. Über 1,7 Millionen Euro spülte der Abfall seit 2004 in die Gemeindekasse. Das erklärte Bürgermeisterin Nadja Kneschke auf der Gemeinderatssitzung im April 2018, bei der es um die Erweiterung des EGLZ-Standortes ging. Eine Erweiterung, die zur Existenz-Frage für den Standort wurde. Denn damals plante der Ravon, die bisher an ein Reichenbacher Unternehmen beauftragte Müll-Umladung selbst zu besorgen. Dafür bot sich die Halle bei der Lawadler EGLZ an, weil dort auch schon früher Müll verarbeitet wurde. Nur: Hätte der Ravon diese Halle nicht nutzen können, wäre auch der Betrieb der EGLZ in Lawalde wirtschaftlich infrage gestellt geworden. Durch den Umlade-Betrieb an einem anderen Standort hätte sich nämlich auch der Abfallschwerpunkt wirtschaftlich verlagert, erklärte EGLZ-Chef Frank Ritter damals im Gemeinderat.

Der Gemeinderat gab schließlich sein Ja für das Projekt, das den Standort und den Steuerfluss sichert. "Wir haben einige hunderttausend Euro in die Halle investiert", sagt Frank Richter. Für zunächst zehn Jahre hat die EGLZ das Hallengrundstück von dem privaten Eigentümer gemietet und stellt es dem Ravon zur Verfügung. "Wir laden hier täglich 20 bis 30 Tonnen Restmüll um", sagt Richter. Die täglich rund zehn Tonnen Altpapier bringen ein Zusatzgeschäft. "Je nach Marktlage bringt Altpapier pro Tonne 80 bis 100 Euro ein", so Ritter. Früher habe man dafür schlicht keinen Platz gehabt.  Befürchtungen, dass es wegen der Sattelschlepper zu zusätzlichem Schwerverkehr in Lawalde kommen würde, konnte der EGLZ-Chef ausräumen. Zwar kommen zwei bis sechs Sattelschlepper täglich. Aber: "Zum Jahresende hat die benachbarte Spedition ihren Betrieb eingestellt", sagt Ritter. Deshalb falle deren Lkw-Verkehr weg.

Auch rund zehn Tonnen Sperrmüll werden nun täglich in Lawalde umgeladen - Tendenz steigend. Und das hat einen Grund. Die Wiedervereinigung ist gewissermaßen im Müll angekommen. "Zur Wendezeit haben die Leute viele neue Möbel gekauft. Die kommen jetzt zu uns", sagt Frank Ritter. Die Menschen der Region würden das Sperrmüllangebot viel reger nutzen als früher. "Früher sind wir mit unseren Fahrzeugen täglich zwei Sperrmüll-Touren gefahren, mittlerweile sind es drei", so Ritter. Und auch eine Technologie jener Zeit hat jetzt in Lawalde Konjunktur: Röhren-Fernseher. "Wir beschäftigen hier behinderte Menschen, die diese Geräte auseinander nehmen und wertvolle Rohstoffe daraus gewinnen", erklärt Ritter. Die letzte Fußball-WM hätte für besonders viel Elektro-Schrott-Nachschub gesorgt. Und in der Weihnachtszeit gibt's auch immer genügend Arbeit mit den alten Röhren.

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