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Leisniger helfen krankem Bäckermeister

Die Initiatoren sind glücklich. Swen Liebsch ist es auch. Er leidet an Muskelschwund. Sich in seinem Haus zu bewegen, ist für ihn häufig eine Qual.

Dank vieler Spender konnte der Leisniger Swen Liebsch einen Treppenlift ohne Eigenanteil anschaffen. Der weitere barrierefreie Umbau seines Altstadthauses wird noch einiges kosten.
Dank vieler Spender konnte der Leisniger Swen Liebsch einen Treppenlift ohne Eigenanteil anschaffen. Der weitere barrierefreie Umbau seines Altstadthauses wird noch einiges kosten. © privat

Leisnig. Die Leisniger haben einmal mehr bewiesen, dass sie in schwierigen Situationen zusammenhalten, füreinander da sind. Das zeigt die zweite Spendenaktion für Swen Liebsch. Dabei sind noch einmal 1.410 Euro zusammengekommen.

Insgesamt haben Freunde, Bekannte und Fremde, Sportler und ehemalige Kunden von Bäckermeister Swen Liebsch 10.410 Euro gespendet. Die ersten 9.000 Euro kamen, wie berichtet, nach einem Aufruf des Sportvereins VfB Leisnig binnen weniger Tage auf einem PayPal-Konto zusammen.

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Doch das konnte und wollte nicht jeder nutzen. Deshalb hat die Stadt Leisnig noch einmal die Möglichkeit eingeräumt, Bargeld in eine Spendenbox im Bürgerbüro einzuwerfen. In dieser Box „landeten“ bis 31. Januar weitere 1.410 Euro.

Nicht selber um Hilfe bitten

„Damit kann der Eigenanteil in Höhe von 10.000 Euro für den Treppenlift komplett aus Spenden beglichen werden“, sagt Wolfgang Rölle. Der CDU-Stadtrat hat die Spendenaktion zugunsten von Swen Liebsch, der ebenfalls viele Jahre im Stadtrat tätig war, dieses Ehrenamt aber aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, gemeinsam mit Frank Lohse und Ralf Hermann initiiert.

Alle drei Ideengeber sind im Carnevalclub Leisnig (CCL) und teils auch im VfB engagiert. Weil Swen Liebsch viel Zeit für den Sportverein aufwendet, dort bei der Vorbereitung von Turnieren und anderem Organisatorischem hilft, war VfB-Präsident Jörg Lippert sofort dabei, eine Spendenaktion zu starten. Teil 2 folgte auf dem Fuße auf Wunsch von Leisnigern, die ihren Beitrag lieber in Bar leisten wollten.

„Bei allen Spendern möchte ich mich ganz herzlich bedanken“, sagt Swen Liebsch. Er selbst wäre nie auf die Idee gekommen, um Hilfe zu bitten. Umso glücklicher ist er darüber, wie alles gelaufen ist. Er kann den Treppenlift bereits seit einiger Zeit nutzen und möchte ihn schon nicht mehr missen.

Humor nicht verloren

In seinem Altstadthaus gelangt er nur über Treppen von einer Etage in die andere. Mit Krücken war das bislang anstrengend und schmerzhaft zugleich. Darauf sind Wolfgang Rölle und Ralf Hermann aufmerksam geworden, als der CCL die Erdgeschossräume des Hauses von Swen Liebsch zum vergangenen Altstadtfest als „Kleiderkammer“ und Parkplatz für Requisiten nutzen durfte.

„Die übrigen 400 Euro würden wir gern als kleine Anschubfinanzierung für die nächsten anstehenden Umbauarbeiten im Haus sehen“, sagt Wolfgang Rölle. Nach seinen Worten müssen unbedingt Bad und Küche barrierefrei umgebaut werden. Da führe kein Weg daran vorbei.

Wie schwer das alles zu bewerkstelligen sei, wisse er aus eigenem Erleben. Seine Schwester sei auf den Rollstuhl angewiesen gewesen. An Hilfsmittel zu kommen, sei immer sehr aufwendig und Nerven aufreibend gewesen, so Rölles Erfahrungen.

Das ist Swen Liebsch teilweise auch schon. Trotzdem kommt er nicht verbittert daher. Im Gegenteil. Er geht offen mit seiner Erkrankung um, hat seine freundliche Art bewahrt und seinen Humor nicht verloren. Und so sehen ihn die Sportler und Zuschauer bei Turnieren nicht nur am Organisationstisch, sondern häufig auch auf den Zuschauerbänken sitzen und Fuß- oder Handballer anfeuern.

Kunden geben etwas zurück

Neben Sportlern haben aber auch ehemalige Kunden von Swen Liebsch zu den Unterstützern der Spendenaktion gehört. Früher habe er sie mit Backwaren versorgt. Mit einer Spende könnten sie jetzt etwas zurückgeben, damit es ihm einigermaßen gut gehe, kommentierten Spender zu ihrer Überweisung.

Auch seinen Beruf musste der Handwerker nach der Diagnose Muskelschwund aufgeben. Gemeinsam mit seinen Ärzten und seiner Familie kämpft Swen Liebsch nun darum, das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen. Dafür nimmt er einige Strapazen auf sich. Die letzte Chemotherapie liegt gut ein halbes Jahr zurück.

Für Wolfgang Rölle, Ralf Hermann und Frank Lohse steht fest, dass sie die Familie auch in Zukunft nach Kräften unterstützen wollen. Denn Krankheit ist kostspielig. „Und wer glaubt, als Bäcker kann man reich werden, der irrt“, sagt Rölle. Das funktioniere vielleicht mit einer Kette. Aber Swen Liebsch hat immer „kleine Brötchen“ gebacken, zwei Filialen vor Ort betrieben und Pflegeheime beliefert. Geschäftlich weiter wachsen wollte und konnte er nicht.

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