merken
PLUS Bautzen

Schulstart mit Sicherheitsabstand

Getrennte Klassen, weniger Stunden, Sonderregeln selbst in der Pause. 2.500 Viertklässler im Landkreis Bautzen durften erstmals wieder zur Schule.

Katrin Kindermann ist eine der Lehrerinnen, die an der Pumphut-Grundschule in Wilthen Viertklässler unterrichten. Zurzeit bleibt jeder zweite Platz im Klassenzimmer leer.
Katrin Kindermann ist eine der Lehrerinnen, die an der Pumphut-Grundschule in Wilthen Viertklässler unterrichten. Zurzeit bleibt jeder zweite Platz im Klassenzimmer leer. © SZ/Uwe Soeder

Wilthen. Also, wo im Satz stehen denn das Subjekt und das Prädikat? Mit diesem Grammatik-Thema sollten sich die Schüler am Montag zu Hause beschäftigen, die Aufgabe stand auf der Internetseite der Pumphut-Grundschule in Wilthen. Jetzt ist Mittwoch, und Katrin Kindermann geht den Satzbau mit ihren Viertklässlern wieder von Angesicht zu Angesicht durch. Die Lehrerin will wissen, was ihre Schützlinge in den letzten Wochen dazugelernt haben und wo sie nachhaken muss. 

Zum ersten Mal seit dem 17. März steht Katrin Kindermann wieder vor ihrer 4 a. Aber nicht die komplette Klasse sitzt vor ihr in Zimmer 14, sondern die Hälfte, zwölf Schüler. Die anderen sitzen ein paar Zimmer weiter und bekommen dort Unterricht. Ohne Maske, obwohl es für jeden Schüler und Lehrer eine gibt. Aber die Abstände in den Räumen sind groß genug, um auf den Schutz vor Mund und Nase zu verzichten.

Anzeige
Verstärkung in IT und Projektleitung gesucht
Verstärkung in IT und Projektleitung gesucht

Das Maschinenbauunternehmen AUMA Drives GmbH sucht einen Projektleiter Produkteinführung (m/w/d) und einen Senior IT-Administrator (m/w/d).

Eine Informationstafel mit Hinweisen zum richtigen Verhalten in Corona-Zeiten begrüßt die Schüler der Pumphut-Grundschule in Wilthen.
Eine Informationstafel mit Hinweisen zum richtigen Verhalten in Corona-Zeiten begrüßt die Schüler der Pumphut-Grundschule in Wilthen. © SZ/Uwe Soeder

„Wir haben aus zwei vierten Klassen vorübergehend vier gemacht“, erklärt die Wilthener Schulleiterin Kerstin Kaline. Ähnliches könnten an diesem Mittwoch auch die Leiter der anderen 69 Grundschulen im Landkreis Bautzen sagen. Statt 120 vierten Klassen gibt es zwischen Ottendorf-Okrilla, Weißenberg und Sohland jetzt etwa doppelt so viele.

Abstand halten ist das Gebot dieser Tage. Saßen sonst zwei Kinder an einem Tisch, ist es jetzt einer. Lernt vorn einer auf dem linken Stuhl, ist am Tisch dahinter der rechte Platz besetzt, in der nächsten Reihe wieder der linke. 

Seitdem feststand, unter welchen Bedingungen die Viertklässer am 6. Mai wieder in die Pumphut-Grundschule dürfen, hat Hausmeister Jörg Eyßler jeden zweiten Stuhl mit Band abgeklebt. Überhaupt ist jetzt vieles anders als Mitte März – nicht nur in Wilthen, sondern für alle 2.500 Mädchen und Jungen der vierten Klassenstufe im Landkreis Bautzen. 

So unterrichten die Lehrer vorerst nur die vier Hauptfächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Sachkunde. „Das sind die Fächer, in denen die Schüler in der nächsthöheren Schulstufe das meiste Vorwissen brauchen“, erklärt Jens Drummer von der Bautzener Außenstelle des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub). Auf Sportunterricht wird im Moment verzichtet, weil die Kinder nicht zusammen duschen dürfen. Ebenso gibt es zum Beispiel keine Musikstunde.

Nicht nur der Stundenplan wurde geändert, es gelten auch andere Pausenzeiten. In Wilthen darf immer eine Schülergruppe, also eine halbe vierte Klasse, für 20 Minuten raus an die frische Luft. Ist eine Gruppe wieder im Schulhaus, darf zehn Minuten später die nächste raus. Begegnen sollen sich die Gruppen dabei möglichst nicht. Rein ins Schulhaus geht es zum Vordereingang, raus nur durch die Hintertür.

Ein Desinfektionsmittelspender steht gleich hinterm Eingang der Wilthener Grundschule. Jeder, der das Gebäude betritt, muss sich die Hände einreiben.
Ein Desinfektionsmittelspender steht gleich hinterm Eingang der Wilthener Grundschule. Jeder, der das Gebäude betritt, muss sich die Hände einreiben. © SZ/Uwe Soeder

Und auch am Eingang sollen die Kinder Abstand halten. „Das hat heute sehr gut geklappt“, ist die Schulleiterin zufrieden. Gleich hinter der wuchtigen Tür des 1921 gebauten Schulhauses in Wilthen steht jetzt ein Desinfektionsmittelspender. „Da kommt niemand dran vorbei, ohne sich die Hände einzureiben“, sagt Kerstin Kaline.

Seit 2011 leitet die heute 37-Jährige die Geschicke der Pumphut-Schule mit elf Lehrern und aktuell 161 Schülern. Davon sind seit diesem Mittwoch die 45 Viertklässler wieder da. Die Kinder aus der ersten bis dritten Klasse warten entweder zu Hause oder in der Notbetreuung im Schulhort auf das Startsignal zum Unterrichts-Neubeginn.

„Wir haben hier heute ganz viele leuchtende Kinderaugen gesehen“, freut sich die Schulleiterin. Wenn die Corona-Zwangspause etwas Gutes hatte, dann wohl dies: Vielen Kindern und ihren Eltern ist bewusst geworden, wie wichtig Schule ist und welchen anspruchs- und verantwortungsvollen Beruf die Lehrer haben.

In der Zeit seit Mitte März haben die Pädagogen nicht untätig zu Hause gesessen, sondern Aufgaben für ihre Klassen aufgeschrieben, auf die Internetseite der Schule gestellt und dann auch kontrolliert. Fast wie normaler Unterricht, aber eben nur fast und online. 

Abstand halten heißt es auch im Speisesaal des Wilthener Schulzentrums. Die Tische wurden auseinander gerückt, und es gibt pro Tisch nur einen Stuhl, so dass zwischen den Schülern große Abstände herrschen.
Abstand halten heißt es auch im Speisesaal des Wilthener Schulzentrums. Die Tische wurden auseinander gerückt, und es gibt pro Tisch nur einen Stuhl, so dass zwischen den Schülern große Abstände herrschen. © SZ/Uwe Soeder

Wo Familien nicht aufs Internet zugreifen konnten, hat Schulsekretärin Susann Lehmann die Aufgaben in den Briefkasten gesteckt. Oder die Themen kamen mit der Post, schließlich lernen in Wilthen nicht nur Kinder aus der Kleinstadt.

Bürgermeister Michael Herfort (CDU) weiß, dass von den mehr als 1.000 Kindern im städtischen Schulzentrum mit Grund- und Oberschule sowie Gymnasium etwa 600 von außerhalb kommen, unter anderem aus Taubenheim und Neukirch. Bis 1991 saß der heutige Bürgermeister hier selbst auf der Schulbank.

Die Stadt nutzte die Zwangspause, um Malerarbeiten und Reparaturen an den Schulen vorzuziehen. Eigentlich waren diese Dinge erst in der Sommerpause geplant. Und wenn der Stundenplan eines Tages auch wieder Werkunterricht zulässt, werden die Mädchen und Jungen dafür ein ganz neu gestaltetes Fachkabinett vorfinden. Auch das sollte eigentlich später kommen. „Ich denke, wir haben die Corona-Pause ganz gut genutzt“, resümiert der Bürgermeister.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Bautzen