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Live aus Sörnewitz

Rico Bube-Förster wäre gern Radiomoderator geworden. Es kam anders. Deshalb betreibt er nun seinen eigenen Sender.

Von Peggy Zill
 4 Min.
Rico Bube-Förster in seinem kleinen Sendestudio im Haus der Familie in Sörnewitz. Von hier aus sendet er in die ganze Welt. Und ist in der ganzen Welt empfangbar.
Rico Bube-Förster in seinem kleinen Sendestudio im Haus der Familie in Sörnewitz. Von hier aus sendet er in die ganze Welt. Und ist in der ganzen Welt empfangbar. ©  Norbert Millauer

Coswig. Ein eigenes Sendestudio hat Rico Bube-Förster für die Produktion seiner Sendung nicht. Rechner, Mischpult und Mikrofon stehen in seinem Arbeitszimmer im Obergeschoss im Haus der Familie in Sörnewitz. Von hier aus sendet er in die ganze Welt. Dabei geht es vor allem um den Empfang aus der ganzen Welt.

Das Lieblingsprogramm ist nicht zu empfangen. Oder – noch schlimmer – der Fernseher funktioniert überhaupt nicht mehr. Rico Bube-Förster weiß bestimmt, woran es liegen könnte. In seinem Garten stehen zwei riesige Satellitenantennen. 3.500 frei empfangbare Sender aus Asien, Südamerika, Europa oder Russland liefern die auf seinen Fernseher. 

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„Da macht Zappen Spaß“, schmunzelt er. So richtig genießen kann er die Vielfalt sowieso nicht. Die Abende verbringt er meist in seinem Studio. Beim Internetradiosender „SATzentrale – Dein Technikradio“ gibt es Tipps rund um den Satellitenempfang, Neuigkeiten aus der Medienwelt und dem Amateurfunk, Reportagen und Gerätetests.

Eigentlich wäre der 44-Jährige gern Radiomoderator geworden. Schon seit den 90er-Jahren interessiere er sich dafür. „Rundfunk war immer mein Traum“, sagt er, entschied sich dann aber doch für was „Vernünftiges“ und wurde Sozialversicherungsfachangestellter. 

Das Radio ließ ihn dennoch nicht los. Berufsbegleitend, beim Abendstudium, ließ er sich als Moderator und Redakteur ausbilden. Bei Radio PSR und dem MDR in Leipzig lernte er Nachrichten zu schreiben, Beiträge zu schneiden und Sendungen zu fahren. Er hat auch eine Sprecherausbildung. „Das Sächsisch kommt trotzdem durch. Aber bei den Nachrichten kann ich auch Hochdeutsch“, so Bube-Förster.

Früher habe er sehr gern Radio gemacht, erzählt der Sörnewitzer. Aber zum Formatradio wollte er nicht gehen. „Da ist doch alles vorgegeben, die Sender klingen alle gleich.“ Nur noch wenige würden richtiges Radio machen. Sein Hobby gab er dennoch nicht auf. Die Technik interessiert ihn besonders, er schreibt für Fachzeitschriften.

Seit 18 Jahren betreibt er die Internetseite SATzentrale. Bis zu 3.000 Besucher hat die jeden Tag. Viele Fragen erreichen ihn darüber. Wie groß muss die Schüssel sein? Wie lassen sich Sender aus Großbritannien empfangen? Daraus entstand vor sechs Jahren die Idee, einen dazu passenden Radiosender aufzubauen. Bis zu 1.000 Hörer hat dieser täglich. 

„Internetradios gibt es wie Sand am Meer. Wir versuchen, Qualität zu liefern“, sagt Bube-Förster über seinen Spartensender für Technikbegeisterte. Dazu gehören noch zwei Kanäle, auf denen mehr Musik läuft. Und manchmal sendet er auch über Kurzwelle. Dann verschickt Bube-Förster auch die bei Sammlern beliebten QSL-Karten, die den Empfang bestätigen. „Eine ging mal nach Japan. Darüber habe ich mich selbst gewundert.“

Das Programm ist abwechslungsreich, wird jede Woche aktualisiert. Dieser Sender wird aufgrund vieler Kooperationen mit verschiedenen Stationen und Privatpersonen betrieben. Es gibt unterschiedliche Moderatoren, viele bekannt aus TV und Radio, die entweder live zu hören sind oder ihre Audiodateien nach Sörnewitz schicken und Rico Bube-Förster bastelt daraus dann die Sendungen. 

Freitags spätabends sitzt der 44-Jährige meist selbst vorm Mikro und sendet ab und an live. Dabei geht es vor allem um die Technik, wie baut man eine Satellitenantenne auf, welche Sender und Satelliten kann man empfangen. Aber bei der SATzentrale wird nicht den ganzen Tag von Satelliten gesprochen. Auch die Digitalisierung, neue Apps, was ist auf dem Handymarkt los, welche Updates gibt es für Windows und Neuigkeiten aus der TV- und Radiowelt sind Themen.

Die Nachrichten werden stündlich aktualisiert. Dazwischen läuft viel Musik. Vor allem aus den 70ern, 80ern und 90ern, zwischendurch ein paar aktuelle Sachen. „Nur Punk und Heavy Metal gibt es bei mir nicht“, sagt Bube-Förster. Unterdessen ist zwar fast alles digitalisiert, aber die CDs mit den Titeln musste Bube-Förster selbst kaufen, diese füllen einige Koffer. 

Einmal im Monat gibt es eine neue Ausgabe des Technikmagazins. Drei bis vier Tage braucht er für die Vorbereitung. Das geht meist nur abends, wenn die Kinder schlafen, wie Rico Bube-Förster erzählt. Geld verdient er mit dem Sender nicht. Er finanziert das Hobby über Werbung. Im normalen Leben arbeitet der Familienvater bei einer Krankenkasse. Ob er Hörer in der Nachbarschaft hat, wisse er nicht. Werbung macht er für den Sender kaum. „So wie es läuft, bin ich glücklich.“

www.satzentrale.de

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