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Angekommen in Löbau

Wittigs aus Dresden haben sich den Traum vom Haus im Grünen erfüllt und bestätigen damit den Trend zur neuen Landlust. Das hat auch was mit Rouladen für MP Kretschmer zu tun.

Der Traum vom Haus im Grünen ist in Erfüllung gegangen: Gabriele und Jörg Wittig sowie Dackelmischling Lilly fühlen sich in Löbau wohl pudelwohl.
Der Traum vom Haus im Grünen ist in Erfüllung gegangen: Gabriele und Jörg Wittig sowie Dackelmischling Lilly fühlen sich in Löbau wohl pudelwohl. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

So lässt es sich leben: Eine gemütliche Sitzecke haben sich Gabriele und Jörg Wittig im Schatten des Apfelbaums eingerichtet. Eine ganz alte Sorte ist das. "Keine Ahnung, wie die heißt. Aber die Äpfel eignen sich prima zum Backen", sagt die Hausherrin und lacht. Es ist das herzliche Lachen von Menschen, die sich wohlfühlen und angekommen sind. Im blumigen Sommerkleid steht die 61-Jährige auf der Wiese hinter ihrem Häuschen in Löbau und erzählt von ihrer Leidenschaft für den Garten. Von den selbst gezogenen Tomatenpflanzen, die leider die Mäuse abgefressen haben. Von den Kartoffeln und Kräutern, die sie auf dem Hochbeet angepflanzt hat. Vom Blumenbeet, das noch auf dem Grundstück entstehen soll. Vom Pflaumenbäumchen, das sie aus Dresden mitbrachte. 

"Löbau ist im Aufschwung"

In der Landeshauptstadt lebten Gabriele Wittig und ihr Mann bis vor wenigen Monaten. Nun kauften sie ein Haus in Löbau und zogen Anfang Juni mit Dackelmischling Lilly hierher um. Damit bestätigen Wittigs einen Trend, den Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) mit Freude beobachtet: Immer mehr Menschen wollen aufs Land, nach Löbau und in die Orte drumherum. "Junge Leute kommen zurück, suchen hier Häuser und Wohnungen." Dabei hatte erst kürzlich eine Analyse zum Stadtentwicklungskonzept prognostiziert: Bis 2030 werde Löbau noch 2.400 bis 2.600 Einwohner verlieren. Von dramatischem Einwohnerrückgang aber will Buchholz nichts wissen. Dass es deutlich mehr Sterbefälle als Geburten gebe, sei nur logisch, sagt der OB: "Wir haben fünf Altenheime im Stadtgebiet." Das würde den Einwohnerrückgang relativieren, so der Oberbürgermeister. Andererseits bescheren die Heime der Stadt eben auch etliche Einwohner. 

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Trotzdem: Löbau ist im Aufschwung, ist der Oberbürgermeister sicher. Er stellt fest: Häuser und Wohnungen sind gefragt wie nie. Einerseits würden Häuser zum Kauf gesucht. Andererseits gebe es einen Run auf sanierte Wohnungen.  

Für Wittigs ist völlig klar, warum. Auch sie haben sich in die Kleinstadt verliebt. "Man hat auf kleinem Raum alles, was man braucht", sagt Gabriele Wittig. "Lebensmittelläden, Apotheken, Ärzte, Brillengeschäfte, Bäcker, Bekleidung", zählt die Neu-Löbauerin auf. Die kleinen Läden in der Innenstadt haben es ihr besonders angetan. Große Shoppingcenter sind ihr ein Greuel. In den kleinen Läden gehe es viel persönlicher zu, da könne man mit den Verkäufern auch mal einen Plausch halten. Und das beste: Alles ist zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. "In fünf Minuten bin ich im Bad", sagt die begeisterte Schwimmerin. Und auch, wenn das Ehepaar mit seinem Hündchen raus in die Natur will, ziehen sie einfach zu Fuß los. "Wenn wir in Dresden raus ins Grüne wollten, mussten wir immer erst das Auto nehmen oder den Bus." Und das sei ja auch eine Kostenfrage. Von ihrem Haus in der Herwigsdorfer Straße aus sind sie nun in wenigen Minuten am Löbauer Berg mit seinen Spazier- und Wanderwegen. 

Rouladen für Michael Kretschmer

Zu ihrem neuen, kleinen Paradies und nach Löbau kamen Wittigs durch die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde (Osef). Der Löbauer Verein organisiert regelmäßig Sonderfahrten mit seinen historischen Zügen in Ostsachsen. Der Dresdner Jörg Wittig, ebenfalls ein Eisenbahnfan, nahm an mehreren Sonderfahrten teil und kam so mit den Osef-Leuten ins Gespräch. Wittig, der gelernter Dieseltriebfahrzeug-Schlosser ist, war begeistert und wurde vor einigen Jahren schon Vereinsmitglied. Von seinem Wohnort Dresden aus war es jedoch einigermaßen kompliziert, aktiv im Verein mitzumischen. Trotzdem versuchte Jörg Wittig so oft es ging dabei zu sein, zum Beispiel bei Sonderfahrten. Seine Frau unterstützt ihn beim Eisenbahnhobby. "Klar, bin ich auch im Verein", sagt sie. Für sie ist es ganz selbstverständlich, das mitzumachen, wofür ihr Mann sich interessiert. Sie sitzt zum Beispiel im Kassenhäuschen, wenn es auf Sonderfahrt geht. 

Mit Vereinskollegen hat sie aber schon hundert Rouladen gewickelt für Ministerpräsident Michael Kretschmer. Gedacht waren sie für die große Einweihungsfahrt der reparierten Dampflok der Eisenbahnfreunde, zu der Ministerpräsident Kretschmer und weitere offizielle Vertreter eingeladen waren. Die Fete fiel ins Wasser - wegen Corona und weil die Lok noch einmal in die Werkstatt musste. Jetzt sind die Rouladen erst mal eingefrostet. "Wenn die Lok wieder zurück ist, wird die Einweihung sicher nachgeholt", so Jörg Wittig. Und dann werden bestimmt auch die liebevoll gewickelten Rouladen zum Einsatz kommen. 

Mit 60 noch mal Herausforderung gewagt

Schon die letzten Jahre hatten Wittigs dabei immer den Traum von einem eigenen Haus im Hinterkopf. Und fragten sich irgendwann: Warum suchen wir nicht in Löbau und Umgebung, um näher beim Verein zu sein? Beide sind EU-Rentner und mussten daher auf die Entfernung zur Arbeitsstelle keine Rücksicht nehmen. Die Suche dauerte eine Weile und ein paar Häuser in der Gegend hatten sich Wittigs schon angesehen, als sich ein Zufall ergab, der auch wieder mit den Eisenbahnfreunden zu tun hat. Wittigs fragten Osef-Chef Alfred Simm, ob er nicht jemanden wüsste, der ein Haus verkaufen will. Und Simm schlug vor: "Nehmt doch meins." Er selbst wollte in eine kleinere Wohnung umziehen. Sein Haus in der Herwigsdorfer Straße war für Wittigs perfekt, das wussten sie gleich bei der ersten Besichtigung. Inzwischen haben sie es gekauft und sind eingezogen. Ein wenig sieht es drinnen noch nach Baustelle aus, Jörg Wittig hat in den vergangenen Wochen und Monaten einiges erneuert. 

Wittigs sind auch stolz auf das Erreichte. "Mit 60 zu sagen, wir wagen das noch mal, das ist schon eine Herausforderung", sagt Gabriele Wittig. Viel ist noch zu tun, sie hat noch ein paar Ideen für ihr Hobby, den Garten. Der muss jetzt aber warten, es ist einfach zu heiß, um ein Blumenbeet umzugraben. Gabriele Wittig lehnt sich zufrieden bei einer selbstgemachten Apfelschorle im Gartenstuhl unterm schattigen Baum zurück. Unterm Stuhl grunzt Hundedame Lilly zufrieden. Jetzt kehrt langsam Ruhe und Alltag ein.

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