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Der deutschlandweit bekannte Pärchenclub Schiedel läuft seit 25 Jahren bestens. Doch der Chef möchte verkaufen.

Reinhard Bartels (o.l.) führt seinen Pärchenclub seit 25 Jahren mit großem Erfolg im Kamenzer Ortsteil Schiedel. Doch das Leben ist Veränderung und der mittlerweile 67-Jährige möchte gern verkaufen – wenn möglich in der Branche.
Reinhard Bartels (o.l.) führt seinen Pärchenclub seit 25 Jahren mit großem Erfolg im Kamenzer Ortsteil Schiedel. Doch das Leben ist Veränderung und der mittlerweile 67-Jährige möchte gern verkaufen – wenn möglich in der Branche. © René Plaul

Schiedel. Wo Schiedel liegt? Weiß doch jeder! Da, wo sich dieser bekannte Pärchenclub direkt an die S 95 schmiegt. Da, wo wöchentlich voll besetzte Reisebusse aus ganz Deutschland anreisen. Der kleine Kamenzer Ortsteil ist durchaus bekannt. Nicht nur in der Szene. Dank vieler Fernsehreportagen gelangte Schiedel bereits vor Jahren zu einiger Berühmtheit. Immerhin erreichte der Pärchenclub bei einer Umfrage der Vox-Sendung „Wa(h)re Liebe“ den 3. Platz in ganz Deutschland. Etwa 18 Prozent aller aufgerufenen Internet-Nutzer stimmten damals für das weit über die Region hinaus bekannte Erotik-Eldorado. Lilo Wanders persönlich dankte den Clubbesitzern für ihren Einsatz.

Seitdem ist viel Wasser die Schwarze Elster heruntergeflossen. Doch es ist nicht stiller geworden um das Areal. Der Chef des Swingerclubs, Reinhard Bartels, erfüllte sich hier seinen ganz eigenen Traum von Freiheit, Leidenschaft und Leichtigkeit. Mittlerweile können Mann und Frau, Paare oder Alleinreisende sich auf 12 000 Quadratmetern vergnügen. Seit 25 Jahren betreibt Reinhard Bartels den Club mit Leidenschaft und immer neuen Ideen. Ob Russenparty, Hengstparaden, Subbotnik, Stutenmarkt, Römer- und Poolparty, Schiedel 4 Young oder ein ganz normaler Swingerabend – hier bleiben keine Wünsche offen. Die Swinger-Szene fühlt sich wohl im abgeschiedenen Areal am Rand von Kamenz. Seit Langem. Doch das Leben ist Veränderung. Und Reinhard Bartels mit seinen 67 Jahren ist mittlerweile ein bisschen auf der Suche nach mehr Stille und Behaglichkeit. „Ich habe viel in meinem Leben er- und gelebt, und echt Spaß gehabt“, gibt er unumwunden zu. Früher war er einer der namhaftesten Akt-Fotografen der DDR. Er veröffentlichte Bücher und Bildbände, welche unter dem Namen „Die nackte Republik“, „Akt und Landschaft“ oder „Der nackte Osten“ für Auf- und Erregung sorgten. „Ich habe fürs Neue Leben oder Magazin gearbeitet. Auch darüber bin ich letztendlich irgendwie zu meinem neuen Job gekommen“, schmunzelt er. Das war ein Domino-Effekt. Genuss, schöne Frauen, Lebensfreude, die neue Freizügigkeit nach der Wende – Reinhard Bartels kaufte in den Neunzigern das Grundstück im heutigen Kamenzer Ortsteil. Früher stand hier die Dorfkneipe, noch eher der Konsum. Die Einheimischen schauten zuerst zaghaft zu, was da entsteht. Nannten das Haus „die rote Ecke“. Wenig später waren Familie Bartels und sie Freunde.

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Auch ein Naturteich mit Ferien-Blockhäusern gehört zum Areal.
Auch ein Naturteich mit Ferien-Blockhäusern gehört zum Areal. © privat

Mehr Zeit für Hobbys

Der gebürtige Freitaler schuf hier vor Ort etwas, das seinesgleichen immer noch sucht. Und er weiß das auch. Dennoch: „Alles hat seine Zeit und ich möchte den Swingerclub verkaufen“, sagt er. Man wird nicht jünger, Prioritäten verschieben sich. Torschlusspanik hat er aber nicht. Das riesige Gelände mit Naturteich, Ferien-Blockbohlenhäusern, Hotel mit fünf Themen-Zimmern, Pool, kleinem Haus-Kino, mehreren Saunen und Dampfbad ist super in Schuss. Hier wachsen Feigenbäume, Palmen und Schlingpflanzen scheinbar willkürlich in die Höhe. Ein echtes Paradies. Exotische Vögel zwitschern in einer Voliere. Als Zugabe gibt es eine riesige Streuobstwiese obendrauf. 191 Obstbäume stehen da. Reinhard Bartels liebt es, daraus Wein und daraus wiederum Glühwein zu fabrizieren. Gerade solchen Hobbys würde der 67-Jährige gern öfters zukünftig frönen.

Außerdem zieht es ihn seit vielen Jahren nach Thailand. Etwa 60-mal war er unterdessen schon dort. Seine aktuelle Frau Siro stammt ebenfalls von da. Natürlich hat er auch viele Freunde vor Ort. „Das Land fasziniert mich sehr. Ich würde gern die meiste Zeit im Jahr dort verbringen“, sagt er. Auch deswegen möchte der Clubbesitzer nun Nägel mit Köpfen machen und sein „Schiedel“ in gute Hände weitergeben.

Verschiedene Bars gehören zum Areal.
Verschiedene Bars gehören zum Areal. © privat

Schon lange in der Szene bekannt

„Natürlich wäre es schön, wenn ich jemanden aus der Branche dafür begeistern könnte. Es geht mir ja auch um die Stammgäste, die enttäuscht wären, wenn es plötzlich vorbei wäre“, meint er. Reinhard Bartels sucht also einen Käufer. „Vielleicht hätte ich es über die Jahre schon eher befeuern sollen, dann wäre ich jetzt schon weiter. Doch da gab es noch zu viele andere Ideen“, meint er. Viele seiner Kunden kennen seine Pläne bereits. Doch bislang hat sich in der Szene noch keiner gefunden, der den Club haben möchte. Dabei geht es sicherlich nicht einmal um den Kaufpreis. Dieser ist ein echtes Schnäppchen und kann gern persönlich erfragt werden. „In unserer Branche reicht es aber nicht, wenn du die Bilanzen beherrschst. Du musst mit dem Herzen dabei sein. Die Gäste spüren, ob es so ist oder nicht“, weiß er. Nicht umsonst hält sich der Pärchenclub Schiedel schon überdimensional lange in der Szene. Im Gegensatz zu anderen. „Irgendetwas muss ich ja richtig gemacht haben“, schmunzelt Bartels.

Findet sich über einen längeren Zeitraum trotzdem partout kein Interessent aus der Szene, dann wäre es sogar denkbar für den Club-Besitzer, dass er das Grundstück branchenfremd verkauft. „Ich habe keinen Nachfolger, und wenn ich abschließe dann richtig. Nur Geschäftsführer bleiben möchte ich nicht“, sagt er. Das wäre mir einfach noch zu viel Arbeit. Ein glatter Schnitt wäre ihm also wichtig. Aber vielleicht gibt es ja noch eine Chance für den prämierten Club?

Der Saunabereich.
Der Saunabereich. © privat

Location: Oßlinger Str. 1, 01917 Kamenz, 1 03578 307830 / 0172 3469660; Reinhard Bartels [email protected]

www.pcschiedel.de