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Riesa

"Das sind existenzielle Einschnitte" 

Die Corona-Krise trifft die Magnet Riesa in allen Bereichen. Auch das Hotel wird in den nächsten Tagen schließen, sagt Geschäftsführer Reiner Striegler.

Die Restaurants im Riesenhügel sind bereits geschlossen, das Mercure-Hotel (Hintergrund) folgt demnächst: Die Corona-Krise stellt auch die Magnet Riesa vor eine harte Probe, sagt Geschäftsführer Reiner Striegler.
Die Restaurants im Riesenhügel sind bereits geschlossen, das Mercure-Hotel (Hintergrund) folgt demnächst: Die Corona-Krise stellt auch die Magnet Riesa vor eine harte Probe, sagt Geschäftsführer Reiner Striegler. © Sebastian Schultz

Herr Striegler, als wir kürzlich miteinander telefoniert haben, waren Sie gerade beruflich unterwegs. Es ist also vermutlich nichts mit Quarantäne im Home-Office als Magnet-Geschäftsführer?

Es waren sehr viele unangenehme Entscheidungen zu treffen in den letzten Tagen. In Quarantäne würde ich mich nur begeben, wenn ich auch krank wäre. Ansonsten halte ich es schon für wichtig, dass man seinem Job nachgeht. Nur Home-Office ist nicht notwendig, wäre auch nicht sinnvoll, weil ich nicht den ganzen Tag am PC sitze.

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Sie sagten es bereits: Es gab eine Reihe unangenehmer Entscheidungen. Bei der Magnet sind ja im Grunde alle Bereiche ziemlich direkt von der Corona-Krise betroffen, oder? 

Ja, das kann man so sagen. 

Auch alle gleichermaßen?

Es trifft alle Bereiche, nur der Wochenmarkt war bis Mittwoch noch ausgenommen. Da herrschte diese Woche zunächst Unklarheit, deshalb war er in Abstimmung mit der Stadt Riesa noch offen - auch, um den Bürgern ein Angebot zu machen, als Alternative zu den Discountern, im Freien einzukaufen und bei regionalen Produzenten. 

Was die Gastronomie betrifft, sind wir auch an den Erlass des Freistaats gebunden. Seit 22. März darf ja kein gastronomischer Betrieb mehr erfolgen, sodass die Restaurants komplett geschlossen sind. Die Mitarbeiter führen noch die Inventur und einige Restarbeiten durch, dann gehen sie zu hundert Prozent in die Kurzarbeit. Was natürlich gerade in dem Bereich problematisch ist. Allgemein sind ja die Mitarbeiter in der Dienstleistungsbranche sicherlich nicht die bestbezahltesten. Das sind existenzielle Einschnitte. Deshalb verbinde ich das auch persönlich mit keinem angenehmen Gefühl, die Mitarbeiter in die Kurzarbeit zu schicken. Aber die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit steht außer Frage. Ich selbst habe für mich als Geschäftsführer in dem Bereich auch Kurzarbeit beantragt.

Es gibt einige Restaurants, die nun versuchen, über Abhol- und Lieferdienste Alternativen aufzubauen. Ist das für Riesenhügel und Panama Joe's auch ein Thema?

Wir hatten darüber nachgedacht, als die ersten Einschränkungen kamen. Aber wir bieten Speisen an, die nicht unbedingt transportgeeignet sind. Die Qualität der Speisen wäre nach einer halben Stunde Transport nicht mehr die, wie wir sie auf dem Teller am Tisch im Restaurant reichen können. Soweit ich es vernommen habe, werden die Angebote auch gerade in den kleineren Städten sehr verhalten angenommen. Dafür den Betrieb aufrechtzuerhalten, ergibt keinen Sinn.

Vermutlich müsste man dafür das gesamte Küchenpersonal vorhalten?

Mehr oder weniger ja. Zumal man das schwer einschätzen kann, wie viele Bestellungen reinkommen. Auf Verdacht das gesamte Personal vorzuhalten, ist betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll.

Gibt es denn noch Gäste im Mercure?

Der touristische Reisebetrieb ist eingestellt, sodass wir nur noch einige wenige Geschäftsreisende hatten. Wir sprechen derzeit mit Reisenden, die hier eine Reservierung haben, um eine Auslagerung und Stornierung vorzunehmen. Den Hotelbetrieb werden wir ab dem 29. März zunächst bis 19. April stilllegen.

Das heißt, auch dort sind die Mitarbeiter...

... zu fast 100 Prozent in Kurzarbeit. Wir werden die Rezeption noch besetzen, um Emails zu beantworten oder Reservierungen für die Zeit nach Corona entgegen zu nehmen. Es muss zumindest tagsüber jemand erreichbar sein.

Die Magnet betreibt auch Schwimmhalle und Freibad. Was passiert dort?

Die Halle ist auch geschlossen, das wird auch bis zum planmäßigen Baubeginn im Mai so bleiben. Wir führen gerade Rücksprache mit den Baufirmen, ob sich verschiedene Maßnahmen vorziehen lassen. Gerade sind unsere Mitarbeiter dort mit der Baufeld-Freimachung beschäftigt. Danach wird auch beim Bäderbetrieb das Thema Kurzarbeit relevant.

Die Corona-Krise trifft die Magnet also mit voller Wucht. Wie wirkt sich das wirtschaftlich auf die Gesellschaft aus?

Es verbleiben Kosten im Unternehmen, trotz der Kurzarbeit. Für die Gastronomie allgemein – ich spreche da nicht nur für uns – fällt das Ostergeschäft aus. Das trifft uns also mit der entsprechenden Härte. Die Situation beeinflusst sicher das Unternehmensergebnis zum Jahresende.

Hat sich das schon länger abgezeichnet?

Nein. Bis 10., 11. März war das Leben noch in Ordnung. Die Entwicklung, auch im Hotel, sah sehr gut aus. Deshalb ist es sehr ärgerlich, aber andererseits natürlich auch verständlich, dass wir schließen müssen.

Können Sie als Geschäftsführer irgendwas tun, das abzumildern?

Wenn die Beschränkungen gelockert werden, nehmen wir den Betrieb umgehend wieder auf, sobald dies auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Allein schon, damit wir wieder Einnahmen erzielen und die Mitarbeiter wieder beschäftigen können.

Denken Sie über Entlassungen nach?

Das habe ich gar nicht im Fokus. Wir wollen natürlich alle Mitarbeiter im Unternehmen halten, da der Fachkräftemängel in Gastronomie und Hotellerie schon eine große Dimension erreicht hat. Solange wir die Kurzarbeiterregelung nutzen können, denken wir über sowas überhaupt nicht nach.

Gibt es etwas, das Politik und Gesellschaft tun könnten, um die Folgen abzufedern?

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