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Dresden

Mal wieder: Vonovia-Aufzug steht still

In einem Zehngeschosser in der Johannstadt geht es derzeit nur zu Fuß nach oben. Für die Senioren eine Belastung. 

Seit einer Woche funktioniert der Fahrstuhl in einem Wohnhaus an der Hans-Grundig-Straße nicht. Das Ersatzteil muss geliefert werden – und das dauert.
Seit einer Woche funktioniert der Fahrstuhl in einem Wohnhaus an der Hans-Grundig-Straße nicht. Das Ersatzteil muss geliefert werden – und das dauert. © René Meinig

Zehn bis fünfzehn Minuten braucht Elfriede Kitz für den „Aufstieg“. Die Seniorin wohnt in einem Zehngeschosser in der Hans-Grundig-Straße – ganz oben. Der Ausblick auf die Dresdner Altstadt ist grandios, genießen kann die 90-Jährige ihn zurzeit nicht. Zu groß ist die Belastung, körperlich und psychisch. Seit einer Woche steht der Aufzug in ihrem Wohnhaus, das dem Großvermieter Vonovia gehört, still. „Die Probleme begannen vor drei Wochen, mal fuhr der Fahrstuhl, mal nicht.“

Wenn die Technik streikt, erscheint ein roter Schriftzug über der Tür: „Stillgelegt“ ist dort zu lesen. Dann kann sich Elfriede Kitz schon beim Verlassen ihrer Wohnung darauf einstellen, dass der Weg nach unten länger dauert. „Termine, die nicht wirklich notwendig sind, habe ich abgesagt“, erzählt sie. In dieser Woche müsse sie das Haus nicht mehr verlassen. Wann der Aufzug wieder fahren soll, weiß niemand im Haus. „Am kommenden Montag muss ich zur Fußpflege, das kann ich nicht verschieben.“ Die Seniorin rechnet nicht damit, dass der Fahrstuhl sie dann nach unten und oben bringt. Dabei habe sie es ja noch gut. „Ich kann noch ordentlich laufen. Viele im Haus sind auf den Rollator angewiesen.“ Das liegt daran, dass viele Bewohner mit und in diesem Zehngeschosser alt geworden sind. „Ich kenne etliche Nachbarn, die 1971 als erste Mieter hier eingezogen sind.“

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Sie selbst lebt seit 1986 in der Johannstadt, damals habe sie sich sofort in diese Wohnung und den tollen Ausblick verliebt. Schon damals gab es hin und wieder Ärger mit dem Aufzug. „Doch da war ich noch jung, da hat es mich nicht gestört, die zehn Etagen zu laufen.“ Nach der Wende sei der Aufzug komplett erneuert worden, Technikpannen blieben dennoch nicht aus. Einmal sei sie mit ihrer Tochter zwischen der ersten und zweiten Etage stecken geblieben. „Das war ein Schreck. Aber es kam sofort Hilfe.“ Das sei auch in den vergangenen Jahren immer so gewesen, kurze Zeit später fuhr der Aufzug meistens wieder.

Nun – nach gut einer Woche ohne Fahrstuhl – fühlt sie sich in ihrer Wohnung eingesperrt und schlecht informiert. Zwar habe es einen Aushang unten im Eingangsbereich gegeben, auch an ihrer Tür klemmte ein Zettel mit der Info, dass der Fahrstuhl repariert werden muss. Wann er wieder fährt oder was genau defekt ist, war bislang unklar. Eine Vonovia-Sprecherin teilt der SZ mit, dass das Bauteil, das die Impulse des Motors weiterleitet, ausgetauscht wird. Zudem habe es auch aufgrund der Hitze Probleme mit der Technik gegeben. An diesem Freitag treffe das Ersatzteil beim Händler ein, dann wird es per Expresslieferung an die Aufzugsfirma Schindler geschickt. Am Montag werde es eingebaut, dann soll der Fahrstuhl wieder funktionieren.

Elfriede Kitz ist dennoch enttäuscht – zu allem Übel bekam sie nun eine Mieterhöhung. „Unglaublich.“ Dabei darf sie bei so einem Mangel die Miete mindern. 2007 urteilte das Amtsgericht Berlin-Mitte, dass ein Mieter in der zehnten Etage nach zwei Wochen ohne Fahrstuhl die Miete um etwa 20 Prozent kürzen darf. Vonovia bietet die Mietminderung nun von sich aus an. Wie hoch sie sein wird, ist offen. Die Sprecherin bezeichnet sie als „angemessen“.

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Bei Vonovia ist dieses Fahrstuhlproblem längst kein Einzelfall. Immer wieder melden sich Leser bei der SZ, oft sind es ältere Bewohner, für die das Treppensteigen eine Tortur ist. Zwei drastische Fälle gab es 2016 und 2017 in Gruna und Prohlis. Betroffen waren damals Bewohner von Sechzehngeschossern. In einem funktionierten gleich zwei Aufzüge nicht. In Gruna fuhr zwar einer, aber die Mieter mussten bis zu 30 Minuten warten, ehe dieser kam.

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