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Mandaubahn könnte bald wieder fahren

Die Deutsche Regionaleisenbahn will die Lausitz-Strecken beleben. In Seifhennersdorf geht's nun vorwärts. Im Norden und im Kreis Bautzen wird das Unternehmen noch ausgebremst.

Bürgermeisterin Karin Berndt am ehemaligen Haltepunkt in Seifhennersdorf. Der hat nun ausgedient.
Bürgermeisterin Karin Berndt am ehemaligen Haltepunkt in Seifhennersdorf. Der hat nun ausgedient. © Archivfoto: tompic

Manchmal gibt es doch noch glückliche Zufälle: Kaum ist der provisorische Bahnsteig in Seifhennersdorf abgebaut worden, da bekommt die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) als Betreiber der Strecke Seifhennersdorf - Eibau einen Bescheid, dass sie die stillgelegte Strecke doch wieder betreiben darf. Warum das ein glücklicher Umstand für die Seifhennerdorfer ist?  "Nun sind wir gezwungen, den Bahnhof wieder in Betrieb zu nehmen", so Gerhard Curth. Der Geschäftsführer der DRE stellte am Freitag in einer Pressekonferenz den Stand der Dinge und die Pläne mit den Strecken in der Oberlausitz vor. Die DRE betreibt als Infrastrukturunternehmen kleine Nebenstrecken. Sie ist dafür zuständig, dass Schienen, Bahnsteige, Schrankenanlagen und andere Infrastruktur betriebsbereit und in Ordnung sind. Verkehrsunternehmen befahren dann die Strecken mit Zügen. 

SZ fasst zusammen, was die DRE mit den Strecken in der Oberlausitz plant: 

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Mandaubahn: Bauarbeiten beginnen

Die Strecke Seifhennersdorf - Eibau, auch bekannt als Mandaubahn, ist vor fünf Jahren stillgelegt worden. Der Grund: Weil die Strecke im Grenzgebiet liegt, hätte die DRE als Betreiber eine spezielle internationale Sicherheitsgenehmigung einholen müssen, erklärt DRE-Geschäftsführer Gerhard Curth. Die zu bekommen, sei aber nicht gelungen.  Deshalb habe man den Zugverkehr einstellen müssen. Im Juli dieses Jahres kam nun eine Gesetzesneuerung. Demnach müssen untergeordnete Regionalstrecken keine solche Sicherheitsgenehmigung mehr haben. "Damit wurde unser Problem zufällig gelöst", so Curth. Da nun die Gesetzmäßigkeiten geklärt sind, will die DRE die Strecke wieder aktivieren. "Nächste Woche beginnen wir mit den nötigen Arbeiten." Das heißt, die Strecke muss erst einmal vom Wildwuchs befreit werden. Dann erst könne man sehen, was alles gerichtet werden muss. 

Ein Knackpunkt ist dabei auch der Bahnhof in Seifhennersdorf. Bis zuletzt wurde ein provisorischer Bahn-Halt genutzt, etwa 300 Meter vom Bahnhofsgebäude entfernt. Er wurde eingerichtet, damit die Züge nicht über den Bahnübergang über die Nordstraße fahren müssen. Nun ist der Haltepunkt abgebaut. Die Gerüstplattform, die dafür genutzt wurde, hat schon eine neue Verwendung gefunden. Sie wird in Bayern in der Nähe von Passau als Behelfsbahnsteig genutzt. Damit Zugpassagiere sicher aussteigen können, muss die DRE nun den Bahnsteig am Bahnhof wieder herrichten. "Auf jeden Fall muss das Bahnsteig-Dach erneuert werden", schätzt Gerhard Curth ein. Am Bahnhof selbst wird nichts gemacht, er ist in Privatbesitz. Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS) freut sich dennoch, dass bald wieder Züge am Bahnhof ihrer Stadt halten können. Das hätten sie und viele Seifhennersdorfer sich gewünscht. 

Wenn der Bahnhof wieder angefahren wird, bedeutet das aber auch, dass die Züge den Bahnübergang an der Nordstraße queren müssen. Doch die Schranken sind hier längst abgebaut. Auch dafür hat DRE-Chef Curth eine Lösung: wenn hier wieder Züge fahren, könnte zunächst eine Übergangslösung, wie zum Beispiel eine Behelfs-Schranke installiert werden. Die ist allerdings nicht mit einem Signal auf der Schiene gekoppelt. Das heißt, sie muss per Hand ausgelöst werden, zum Beispiel vom Lokführer. Bis eine richtige Schrankenanlage, die automatisch gesteuert wird, wieder installiert ist, kann es anderthalb bis zwei Jahre dauern, so Curth. So lange will die DRE aber nicht warten. Sie will schon zum Fahrplanwechsel - also im Dezember - dem Verkehrsverbund Zvon anbieten, hier wieder Züge fahren zu lassen. Nun liegt es am Zvon, ob er schon zu diesem Zeitpunkt Züge auf die Strecke schickt. 

Das bedeutet aber nicht, dass auch der still gelegte Abschnitt bis nach Varnsdorf wieder in Betrieb geht. Hierfür sind DRE und Zvon noch mit den tschechischen Nachbarn in Gesprächen. 

Horka-Priebus-Bahn: Chancen stehen gut

Die Strecke zwischen Horka und Lodenau im Norden des Landkreises Görlitz ist für den Güterverkehr vorgesehen. Die DRE hatte sie aktiviert, weil vor rund zehn Jahren dort im Gewerbegebiet ein Pelletwerk entstand. Das wollte die Güterstrecke nutzen, meldete aber bald Insolvenz an. Deshalb hatte die Bahnstrecke keinen Nutzer mehr. An diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert. Nun sieht DRE-Chef Gerhardt Curth aber gute Chancen, dass die Strecke wieder belebt werden könnte - sogar mit Personenverkehr. Als Lichtblick sieht er hierbei die Entwicklungen auf dem ehemaligen Flugplatzgelände. Und auch der Ausbau der Schulstandorte in Rothenburg stimmt ihn positiv, was die Zukunft der Bahnstrecke anbelangt. Die Polizeihochschule und eine Oberschule werden erweitert, hier sieht Curth potenzielle Bahn-Nutzer. Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht. 

In Kürze will der DRE-Chef in einem Gespräch mit der Rothenburger Bürgermeisterin und weiteren Beteiligten weitere Schritte abklären. Außerdem müsse man sehen, so Curth, welche Fördermöglichkeiten es gibt. Für den weiteren Abschnitt bis nach Steinbach an der Neiße sieht er allerdings derzeit keine Nutzung mit Zügen. Da dieser Abschnitt schon sehr lange brach liegt, gebe es hier viel zu tun, um die Strecke in Schuss zu bringen. Die Schienen, die noch aus DDR-Zeiten stammen, seien noch in Ordnung. Größere Probleme bereite aber das Gleisbett. Wildwuchs und Wurzeln haben es beschädigt. Die Wurzeln großer Sträucher seien nicht so ohne weiteres aus dem Gleisbett herauszubekommen. 

Zurückbauen will die DRE auch diesen Abschnitt aber nicht. Möglicherweise sei eine andere touristische Nutzung denkbar, so Curth. Er verweist auf ein Beispiel in Thüringen, wo Zuggäste auf eine Draisine umsteigen können. Dafür müssten sich aber Initiatoren vor Ort engagieren. Auch der Betrieb weiter bis nach Priebus, so wie die Strecke einst historisch verlief, lohne sich vorerst nicht, so Curth. 

Diese Strecken hat die DRE in der Oberlausitz. 
Diese Strecken hat die DRE in der Oberlausitz.  ©  SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Lausitz-Semmering-Bahn: Warten auf Gerichtsentscheid

Der Abschnitt zwischen Neukirch und Neustadt ist ein wichtiger Lückenschluss, der die Oberlausitz und die Sächsische Schweiz verbindet. Nur kann er nicht mehr durchgängig befahren werden. 2005 wurde eine Ortsumfahrung gebaut, die S 156n. Sie kreuzt die Bahnstrecke, sodass die Bahnverbindung nicht mehr durchgängig ist. Eine Brücke für die Bahn müsste her. Wer die baut und bezahlt, darüber befindet sich die DRE noch immer in einem Rechtsstreit mit dem Freistaat. Inzwischen ist der Fall vor dem Bundesverwaltungsgericht anhängig. Das Verwaltungsgericht und das Oberverwaltungsgericht haben der DRE bereits Recht gegeben, dass die Straßenbehörde - also der Freistaat - die Brücke bauen muss. Daher ist Curth guter Dinge, dass auch das Bundesverwaltungsgericht dieser Ansicht folgt. "Wir müssen hier die Entscheidung abwarten", sagt Gerhard Curth . Vorher könne er keine Aussagen darüber treffen, wie es mit der Bahnstrecke weitergeht. Wann mit einer Entscheidung gerechnet werden kann, weiß er nicht. Und auch, wenn die Brücke gebaut werden muss, kann es noch Jahre dauern, bis sie fertig ist. 

Herrnhuter Bahn: DRE hält an Stilllegung fest

Über den stillgelegten Streckenabschnitt zwischen Niedercunnersdorf und Oderwitz ist in den letzten Monaten viel diskutiert worden. Der Landkreis will die Trasse erwerben und einen Radweg darauf errichten. Der neu gegründete Verein Pro Herrnhuter Bahn will das verhindern, die Bahnstrecke erhalten und den Zugbetrieb wieder aufnehmen. Die DRE hat der Deutschen Bahn zugesagt, die Strecke an sie zurückzugeben. "Das war leider zu einer Zeit, als wir den Verein noch nicht kannten", sagt DRE-Geschäftsführer Gerhard Curth.  Durch die Bemühungen von Pro Bahn sehe die Situation schon wieder ganz anders aus. "Wir werden aber zu unserem Wort gegenüber der Deutschen Bahn stehen. Das können wir nicht mehr rückgängig machen. Wir verhalten uns da neutral." Man wolle aber den Verein wenn nötig mit Ratschlägen unterstützen. 

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Die beiden Strecken zwischen Löbau und Niedercunnersdorf sowie Höllengrund und Ebersbach werden aktuell für den Güterverkehr genutzt. Betriebe im Gewerbegebiet Niedercunnersdorf und der Steinbruch Ebersbach nutzen die Strecken. Gelegentlich fahren auch Sonderzüge, zum Beispiel der Nikolauszug der Löbauer Eisenbahnfreunde. Auf den 15 Kilometern stehen nun Bauarbeiten an. Der sogenannte Oberbau muss erneuert werden, hier sind insbesondere Holzschwellen auszutauschen. Dabei ist die DRE auf Finanzhilfen angewiesen. Allein aus dem Erlös des Trassenbetriebs lasse sich das nicht finanzieren. 

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