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Mehr Gewalt an Dresdner Schulen?

Eine Familie berichtet von brutalen Übergriffen, zunehmend auch durch ausländische Jugendliche.

Von Nora Domschke & Julia Vollmer
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Gewalt auf dem Schulhof – das sei mittlerweile auch ein massives Problem an Dresdner Schulen, sagt ein Vater.
Gewalt auf dem Schulhof – das sei mittlerweile auch ein massives Problem an Dresdner Schulen, sagt ein Vater. © imago/Thomas Koehler

Jugendgruppen, die aufeinander losgehen und sich prügeln, ein Lehrer, der vergangene Woche von einem jungen Mann im Schulhaus geschlagen wird – haben einige Dresdner Schulen ein Problem mit Gewalt? Es gibt Familien, die behaupten, ja. Darüber zu berichten, ist allerdings gar nicht so einfach, denn viele Eltern befürchten, dass ihr Kind von seinen Mitschülern oder Lehrern schlecht behandelt werden könnte, wenn sie öffentlich über Probleme wie Bedrohungen, Schlägereien oder Drogenkonsum erzählen. So geht es auch einer Familie, deren zwei Söhne eine Oberschule und ein Gymnasium im Osten von Dresden besuchen. Um ihre Jungs zu schützen, wollen sie anonym bleiben. Die Vorwürfe wiegen schwer. Es geht in erster Linie um Übergriffe, an denen zunehmend ausländische Jugendliche beteiligt sein sollen. „Wir machen uns große Sorgen, wir haben Angst um unsere Kinder. Bei diesen Auseinandersetzungen sind sehr oft Waffen wie Messer im Spiel“, sagt Vater Jens Fuchs*.

Tatsächlich gibt es Meldungen der Polizei über derartige Vorfälle. So gab es im Dezember einen Einsatz am Gymnasium Tolkewitz, weil mehrere Jugendliche in Streit geraten waren, zwei Schüler wurden geschlagen und getreten. Sie waren so stark verletzt, dass sie medizinisch versorgt werden mussten. An der Schlägerei waren ein Syrer und ein Iraker beteiligt, weitere Angreifer waren Jugendliche, die gar nicht am Gymnasium lernten. Einen ähnlichen Vorfall gab es auch an der 101. Oberschule in der Johannstadt, bei dem drei afghanische Schüler von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen und verletzt wurden. Unter den Angreifern war ein Tschetschene.

Was die Polizei nicht mitteilte: Bereits im Juni 2018 konnten die Schulleitung und Polizeibeamte eine größere Schlägerei auf dem Schulhof der 101. Oberschule zwischen „Jugendgruppen mit Migrationshintergrund“ verhindern, die offenbar vorher angekündigt worden war. An der Schule lernen 204 Jugendliche ohne und 249 Schüler mit Migrationshintergrund. Das geht aus einer Anfrage hervor, die der AfD-Landtagsabgeordneten André Wendt Ende 2018 an das Kultusministerium stellte. Von seinen Söhnen erfahre Jens Fuchs, dass es auch an ihren Schulen regelmäßig Übergriffe von Ausländern gibt, von denen aber nicht öffentlich berichtet werde. Das ärgert ihn und macht ihn stutzig, sagt er. Denn so bekomme er das Gefühl, dass solche Auseinandersetzungen absichtlich verheimlicht werden, um das aus seiner Sicht drastische Sicherheitsproblem klein zu halten. „An der Oberschule meines Sohnes gibt es fast wöchentlich einen Polizeieinsatz.“

Erst vor wenigen Tagen habe es seinen Sohn selbst erwischt, er sei vor der Schule aus einer Gruppe heraus beschimpft worden, dann gab es von einem ausländischen Jugendlichen einen Kopfstoß auf seine Nase, berichtet der Vater weiter. „Das gab es auch zu meiner Zeit, als ich selbst an der Schule war. Allerdings mit drastischen Strafen“, sagt Fuchs. Weil das heute nicht mehr so sei, fühlen sich seine Kinder an ihren Schulen nicht sicher. Aus Gesprächen mit anderen Eltern weiß Fuchs, dass es viele Familien so empfinden. „Uns reicht’s total!“

Genaue Zahlen an welchen Schulen es zu Gewaltdelikten gekommen ist, kann die Dresdner Polizei auf SZ-Anfrage nicht liefern. Einsatzschwerpunkte an bestimmten Schulen gebe es keine. Auch die 107. Oberschule in Gruna, wo am Donnerstag vergangener Woche ein Lehrer zusammengeschlagen und verletzt wurde, weil er einem unbekannten Jugendlichen den Zutritt verwehrte, gehöre nicht dazu. „Aus Sicht der Polizei liegt an dieser Schule keine besondere Auffälligkeit vor“, so Sprecher Marko Laske. Dabei gab es von 2013 bis 2018 insgesamt 33 Polizeieinsätze an dieser Schule. Auch das geht aus einer AfD-Anfrage hervor. Schulleiter Klaus-Peter Müller bestätigt zwar den Lehrerangriff, will sich aber nicht weiter äußern. Die Frage, ob es an der 107. Oberschule bereits ähnliche Vorfälle gab, beantwortet er nicht, verweist stattdessen an das Landesamt für Schule und Bildung. Sprecherin Petra Nikolov teilt nur mit: „Es gibt nach derzeitigem Erkenntnisstand an anderen Schulen keine solchen Vorfälle.“

Die SZ fragte an sieben Dresdner Schulen nach, wie die Leiter die Entwicklung von Gewaltdelikten einschätzen. Eine Antwort gibt nur Jens Reichel vom Gymnasium Bürgerwiese. „Aktuell haben wir es weder mit Gewalt- noch mit Drogendelikten zu tun.“ Auch dem Elternratsvorsitzenden Martin Raschke seien andere Fälle von Gewalt an Schulen nicht bekannt. Aber es gebe mehr Einlasskontrollen. „Securitys an der Tür sollen nicht das Ziel sein, aber an immer mehr Einrichtungen stehen Lehrer als Aufsichtsperson an der Tür und fragen Erwachsene und schulfremde Kinder, warum sie hineinwollen.“

* Name von der Redaktion geändert.