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Ministerpräsident kommt mit 1,4 Millionen Euro

Die Herrnhuter Zinzendorfschulen bekommen Zusagen für Schulhof und Sportplatz. Doch, um sofort weiterbauen zu können, fehlt noch etwas anderes.

Von Anja Beutler
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Gute Aussichten für Verwaltungsleiterin Katrin Fischke (Mitte) un die Schüler: Ministerpräsident Michael Kretschmer (rechts) brachte zwei Förderzusagen von Bund und Freistaat mit.
Gute Aussichten für Verwaltungsleiterin Katrin Fischke (Mitte) un die Schüler: Ministerpräsident Michael Kretschmer (rechts) brachte zwei Förderzusagen von Bund und Freistaat mit. © Matthias Weber/photoweber.de

Da fängt das Jahr gut an: 1,4 Millionen Euro aus Fördertöpfen von Bund und Land bringt Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) an diesem sonnigen Donnerstag persönlich nach Herrnhut. Im neuen Gebäude der Zinzendorfschulen lernen zwar seit einem Jahr die Schüler. Fertig ist das Gesamtprojekt aber noch lange nicht. Geht es nun also endlich mit dem Bau weiter?

"Noch nicht ganz", sagt Katrin Filschke, Verwaltungsleiterin der Zinzendorfschulen. Denn es fehle noch eine weitere Zusage, um tatsächlich wieder mit Bagger und Bauarbeiter loslegen zu können. Wofür sind dann aber die 1,4 Millionen Euro? Das Geld stammt aus zwei verschiedenen Förderbescheiden, erklärt Katrin Filschke. Einer beinhaltet Gelder für die Gestaltung des Schulhofes und der Außenanlagen sowie Mittel für den Abbruch des alten Schulgebäudes. Für den Abbruch - der ist doch längst Geschichte? "Die Summe, etwa 350.000 Euro, hatten wir gemeinsam mit Unterstützung der Sparkasse vorfinanziert", erklärt Frau Filschke. Nun wird das Geld endlich ausgezahlt. Der zweite Förderbescheid, der Teil der 1,4 Millionen ist, ist die Zusage von rund 530.000 Euro für die Sanierung des Sportplatzes, die noch ansteht.

Doch sowohl die Außenanlagen als auch der Sportplatz können erst in Angriff genommen werden, wenn die Aula, der Speiseraum, das Heizhaus und die Turnhalle gebaut sind. Dafür sind weitere Gelder bei der EU beantragt worden, nur fehlt hier noch das grüne Licht. "Wir sind aber im Gespräch, waren diese Woche erst in Chemnitz, um noch einige Dinge zu klären", sagt die Verwaltungsleiterin. Sie ist optimistisch, dass auch dieses finanziell so wichtige Puzzleteil bald bewilligt sein wird und der Bau vielleicht schon im Frühjahr weitergehen kann.

Vorziehen könne man nämlich die anderen Arbeiten nicht, auch wenn das Geld schon da ist: Mit dem Erdaushub der Turnhalle soll nämlich der Sportplatz begradigt werden. Zudem könne man ja auch noch keine Außenanlagen bauen, wenn der Anbau ans Schulhaus noch fehlt, skizziert Frau Filschke die Hintergründe. Symbolisch überreichte deshalb auch Ministerpräsident Michael Kretschmer in der für den Anbau bereits ausgehobenen Baulücke die mitgebrachten Schecks - mit Blick auf die "Anschlussstelle" für Aula & Co.

Ein Bild in der Baugrube: Ministerpräsident Michael Kretschmer mit dem Förderbescheid. Im Hintergrund die Stelle des neuen Schulhauses, an die Aula und Mensa gebaut werden sollen.
Ein Bild in der Baugrube: Ministerpräsident Michael Kretschmer mit dem Förderbescheid. Im Hintergrund die Stelle des neuen Schulhauses, an die Aula und Mensa gebaut werden sollen. © Matthias Weber/photoweber.de
Schülerin Joelle Garus löcherte in der Diskussionsrunde den Ministerpräsidenten zum Busverkehr und auch zum Thema Kohle und Windenergie.
Schülerin Joelle Garus löcherte in der Diskussionsrunde den Ministerpräsidenten zum Busverkehr und auch zum Thema Kohle und Windenergie. © Matthias Weber/photoweber.de
Schüler verschiedener Klassen haben gemeinsam mit Vertretern der Schulstiftung mit Ministerpräsident Kretschmer diskutiert.
Schüler verschiedener Klassen haben gemeinsam mit Vertretern der Schulstiftung mit Ministerpräsident Kretschmer diskutiert. © Matthias Weber/photoweber.de
Die Stimmung war dabei zwar ernst, aber durchaus locker - auch bei den beiden Schulleiterinnen Katrin Filschke (links) und Undine Bensch (rechts).
Die Stimmung war dabei zwar ernst, aber durchaus locker - auch bei den beiden Schulleiterinnen Katrin Filschke (links) und Undine Bensch (rechts). © Matthias Weber/photoweber.de
Fragen gab es viele - auch zur Zukunft der Schullandschaft in Sachsen und das Problem des Lehrermangels.
Fragen gab es viele - auch zur Zukunft der Schullandschaft in Sachsen und das Problem des Lehrermangels. © Matthias Weber/photoweber.de
Schülersprecherin Hannah Novakova (links) überreicht Kretschmer einen von Schülern gestalteten Herrnhuter Stern. Michael Kretschmer scherzte gleich: "Damit mir ein Licht aufgehe!"
Schülersprecherin Hannah Novakova (links) überreicht Kretschmer einen von Schülern gestalteten Herrnhuter Stern. Michael Kretschmer scherzte gleich: "Damit mir ein Licht aufgehe!" © Matthias Weber/photoweber.de

Schüler löchern Ministerpräsidenten

Wie wichtig dem Christdemokraten Kretschmer dieser große und innovative Schulbau der Schulstiftung der Evangelischen Brüder-Unität ist, zeigte er, indem er rund eine halbe Stunde mit Schülern diskutierte. Und dass, obwohl er wegen der Verhandlungen zum Braunkohleausstieg in der Nacht zuvor nur "zweieinhalb Stunden Schlaf abbekommen" hatte, wie er augenzwinkernd bei einer Frage genau zu diesem Thema bemerkte.

Was die Schüler bei dem Gespräch aber vor allem interessierte, waren ganz alltägliche Dinge: Verbesserungen für den Busverkehr und den Schülerverkehr im ländlichen Raum und die Sorge vor Lehrermangel. Denn jetzt, wo der Freistaat Lehrern, die an staatliche Schulen aufs Land gehen, finanzielle Anreize bietet, fürchten die Schüler, dass es für freie Schulen wie die Zinzendorfschulen erheblich schwerer wird, selbst gute Lehrer zu bekommen. Auch Katrin Filschke forderte Kretschmer eindringlich auf, die Gleichbehandlung zwischen staatlichen und freien Schulen endlich konsequent umzusetzen. Das dazu verpflichtende Verfassungsgerichtsurteil stammt von 2013. Und noch immer werden bei den staatlichen Geldern für freie Schulen die Personalkosten deutlich niedriger angesetzt, obwohl die Pädagogen mindestens genauso viel leisten wie an staatlichen Schulen. Kretschmer versicherte zu handeln: "In den Grenzen des Möglichen werden wir dies ausweiten", sagte er.

Dass die Schüler mitunter die Geduld verlieren, weil es mit den Fördergeldern für den Bau der Aula oder schlicht der Bau von Sitzgelegenheiten im Schulhaus so lange dauert, brachte Schülersprecherin Hannah Novakova auf den Punkt. "Machen Sie doch einmal einen Vorschlag, wie das aussehen könnte und schreiben Sie mir das auf", forderte sie der Ministerpräsident auf: "Dann schaue ich mal, wer da vielleicht helfen kann."

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