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Mit Spargel aus der Corona-Krise

Lukas Grolp vom Hotel „Stadt Leipzig“ freut sich auf die Wiedereröffnung am 15. Mai. Doch skeptisch ist er, ob die Hygiene-Auflagen zu erfüllen sind.

Lukas Grolp, Inhaber des Hotels „Stadt Leipzig“ in Roßwein präsentiert einen Korb mit selbst gestochenem Spargel, den er seinen Gästen nicht nur zum Mitnehmen oder ab kommenden Freitag im Restaurant serviert, sondern der er auch verkauft.
Lukas Grolp, Inhaber des Hotels „Stadt Leipzig“ in Roßwein präsentiert einen Korb mit selbst gestochenem Spargel, den er seinen Gästen nicht nur zum Mitnehmen oder ab kommenden Freitag im Restaurant serviert, sondern der er auch verkauft. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Es ist ruhig im Hotel und Restaurant „Stadt Leipzig“ in Roßwein. Vereinzelt holen Stammkunden Speisen ab, die Chef Lukas Grolp in der Küche selbst zubereitet, während er seine Angestellten in Kurzarbeit schicken musste. Ein normaler Gaststätten- und Hotelbetrieb ist seit Mitte März aufgrund der Corona bedingten Einschränkungen nicht möglich. 

Seit Mittwoch zeichnet sich mit den angekündigten Lockerungen ab 15. Mai auch im Gastronomiebereich ein Silberstreif am Horizont ab. Allerdings sind der 49-jährige Wirt und seine Ehefrau Madeleine skeptisch. „Man weiß noch gar nicht, was für Auflagen auf uns zukommen und wie diese in der Praxis umzusetzen sind“, sagte er. 

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Lobend äußert sich Grolp dagegen über die Zahlung der Soforthilfe des Freistaates, die anstandslos geklappt hätte. „Ohne die wäre schon Schicht.“

Überhaupt sind die Grolps in den vergangenen Jahren Kummer gewohnt gewesen. Als Durchgangshotel hätten sie die Auswirkungen des Straßenbaus seit 2015 über mehrere Jahre zu spüren bekommen. „Finanziell knaupelt man dem noch hinterher, ehe man da wieder im Plus ist. Und nun kam Corona“, sagt Lukas Grolp und seine Frau fügt an: „Das was wir finanziell jetzt einbüßen, können wir nie wieder aufholen.

 Natürlich bekommt man da Existenzangst.“ Dennoch glaubt Lukas Grolp, dass es Anderen noch viel schlechter geht, da er und seine Frau das Unternehmen als Familienbetrieb mit einer Hotelangestellten führen würden. Er denkt da nur an die Brauerei, von der er sein Bier bezieht. „Ich jammere deshalb auch nicht“, so der Wirt und fügt an: „Wir fahren ja immer schon eine schmale Schiene.“

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Grolps Eltern hatten das „Stadt Leipzig“ 1979 übernommen und nach der Wende gekauft und saniert. „An dem Kredit knaupel ich heute noch“, sagt Lukas Grolp, der das Geschäft 2012 von seiner Mutter übernahm.

 „In der Gastronomie wird keiner mehr reich, da passt der Staat schon auf. Manchmal denkt man: Schön. Und dann kommt vom Steuerberater die Abrechnung“, sagt Grolp, der mit seiner Gaststätte, wie auch dem Hotel, mittlerweile ein ständiges Auf und Ab gewohnt ist. 

Auch vor der Corona-Krise. So wäre das Geschäft im Januar stabil gelaufen, während sich im Februar schon die ersten Auswirkungen bemerkbar gemacht hätten. „Die Leute sind da schon vorsichtiger geworden.

 Später sind zunächst die Hotelbuchungen abgesagt worden, und natürlich auch die Feiern, die nicht mehr stattfinden durften“, sagt Grolp und fügt an: „Wir hätten einen 100. Geburtstag gehabt, für den wurden am Ende fünf Rouladen für das Fest zu Hause im Topf geholt.“ Das träfe auch auf andere Tage zu.

Besonders hart trifft das „Stadt Leipzig“ allerdings die Absage des Schul- und Heimatfestes. Der seit Ostern eingerichtete Abholservice kann diese Ausfälle an Einnahmen natürlich nicht kompensieren, auch wenn Stammgäste ihre Speisen nach wie vor ordern.

 „Wir haben auch gesagt, dass wir auf Assietten nicht einsteigen. Alle schimpfen auf die Umweltverschmutzung und plötzlich sollen wir Plastikverpackungen nehmen“, sagt Madeleine Grolp. 

„Unsere treuen Kunden bringen ihre Töpfe oder ihre Tupperware mit und da packen wir die Speisen dort hinein“, ergänzt Lukas Grolp. „Ich muss da mal die Frau Sachse loben, die fast in Etzdorf wohnt und mit über 90 Jahren jeden Sonntag hier ihr Essen abholt“, sagt Madeleine Grolp.

Spargelcremesuppe

Zutaten: 500 g Spargel; 1,5 l Gemüsebrühe; 60 g Butter; 40 g Mehl; Salz, Zucker und weißer Pfeffer; saure Sahne; gewürfelter Schinken.

Zubereitung: Den Spargel waschen, vom Kopf her schälen, holzige Enden abschneiden und die Stangen in 3 Zentimeter lange Stücke schneiden. Den Spargel in 2 Litern Wasser mit Salz, Zucker und Zitronensaft kochen lassen, bis er weich ist. Den Sud aufheben. Derweil 100 g Butter erhitzen und mit dem Mehl eine helle Einbrenne herstellen. Dann etwas Spargelsud mit Gemüsebrühe (ca. 1,5 l) unter Rühren zur Einbrenne gießen und kochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, Sahne verquirlen und die Suppe damit binden. Die Spargelstücke dazugeben.

Tipp: Man kann nach Belieben auch gewürfelten Schinken, Kresse (oder andere Kräuter) in die Suppe geben. Nach jeder Zugabe unbedingt nochmals aufkochen lassen!

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Aber nicht nur Speisen bietet das Wirtspaar in Corona-Zeiten an, sondern die Roßweiner müssen auch nicht auf frischen Spargel aus Sachsen verzichten. Da ihr Nauwalder Spargelhof in diesem Jahr wegen fehlender Saisonkräfte nicht liefert, fahren die Grolps nach Nauwalde hinter Riesa und stechen selbst.

 „Wir haben uns das angeschaut und waren schon das vierte Mal dort. Mittlerweile mit eigenem Werkzeug, da braucht man nicht solange warten, bis man aufs Feld kann“, sagt Grolp und fügt an: „Unsere Stammgäste finden das richtig toll. Wir haben da schon einiges verkauft.“

Auch das Ostergeschäft sei überraschend gut gelaufen. Es waren Abholzeiten ausgemacht worden, und alles hätte super geklappt. „Ich hab dann immer noch ein Ostergeschenk dazugetan, aber wir haben von unserem Stammkunden auch Ostergeschenke bekommen“, sagt Madeleine Grolp, die sich über diese Resonanz freut.

 „Natürlich war es nicht wie in anderen Jahren, denn Ostern ist nach Weihnachten ja unser zweitgrößtes Geschäft“, ergänzt ihr Ehemann. Wie es nach den Ankündigungen der Landesregierung, die Gastronomie ab 15. Mai wieder schrittweise hochzufahren, weitergeht, das wissen die Roßweiner Wirtsleute noch nicht. 

„Die halbe Gästezahl, Abstandsregeln, Hygienevorschriften? Das hatten wir auch schon vor dem 12. März. Da war das Ordnungsamt hier und hat gemessen“, erklärt Grolp.

Dennoch überwiegt die Freude. Den Kunden und auch den Betreibern würde mittlerweile auch die Kommunikation fehlen. „Vielleicht sagen die Leute deshalb ja, dass sie in die Gaststätten gehen“, hofft Lukas Grolp. Allerdings glaubt er eher, dass das Geld erst einmal zusammengehalten wird.

So oder so, wenn es losgeht, steht das kleine Team des Hotels „Stadt Leipzig“ bereit, seine Kundschaft zu bewirten. Und so fiebern die Grolps dem kommenden Freitag entgegen, um ihre Gäste ab dann wieder mit echter Hausmannskost zu verwöhnen.

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