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Staatsschutz ermittelt nach Angriff auf Elfjährige

Zwei Jugendliche hatten am Nikolaustag in Sebnitz ein irakisches Mädchen attackiert und rassistisch beschimpft. Die Polizei sieht jetzt eine politische Intention.

Lidl-Markt an der Gartenstraße in Sebnitz: Hier soll sich der Übergriff abgespielt haben.
Lidl-Markt an der Gartenstraße in Sebnitz: Hier soll sich der Übergriff abgespielt haben. © Daniel Förster

Nach dem Angriff auf ein elfjähriges irakisches Mädchen in Sebnitz hat das Dezernat für Staatsschutz der Polizeidirektion Dresden die Ermittlungen übernommen. Der Grund sei die offensichtlich politische Intention der mutmaßlichen Täter, erklärt Polizeisprecher Marko Laske. "Es gilt einen wirklich schwerwiegenden Vorwurf aufzuklären", sagt er. Der politische Hintergrund ergebe sich aus den gefallenen Äußerungen. "Was wollt ihr hier bei uns, macht euch zurück in euer Land!", sollen die jugendlichen Angreifer gesagt haben, als sie das Mädchen am Freitagnachmittag vor dem Lidl-Markt auf der Gartenstraße in Sebnitz attackierten. 

Laut Polizeiangaben rissen die beiden Jugendlichen der Elfjährigen zunächst ein Tuch vom Kopf. Die 17-jährige weibliche Angreiferin zerrte an den Haaren des Mädchen und brachte es so zu Fall. Am Boden liegend wurde sie dann zweimal von einem 16-jährigen männlichen Angreifer getreten, während ihr von der 17-Jährigen der Mund zugehalten wurde. Das Mädchen wurde dabei leicht verletzt. 

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Kurz nach dem Angriff ist die Elfjährige in Begleitung ihrer Mutter zum Polizeirevier Sebnitz gegangen. Beamte seien direkt zum Tatort gefahren, von dort waren die Täter schon verschwunden, konnten aber aufgrund der Personenbeschreibung ausfindig gemacht werden, erklärt Polizeisprecher Laske. Es handelt sich um zwei Deutsche aus der Region. 

Nicht der erste derartige Angriff

Gegen die 17-Jährige und den 16-Jährigen wird jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung mit politischem Hintergrund ermittelt. Der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung - im Gegensatz zur einfachen - ergebe sich daraus, dass die Tatverdächtigen zu zweit gegen das Mädchen vorgegangen sind, erläutert der Polizeisprecher.

Die Stadt Sebnitz äußerte sich am Montag zu dem am Sonntag bekannt gewordenen Fall. Sollte sich der Vorfall wie geschildert darstellen, sei dies traurig und nicht hinnehmbar. "Gewalt ist nicht tolerierbar", sagte Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU). Die Stadtverwaltung sei in Kontakt mit den Beteiligten und erhoffe sich eine lückenlose Aufklärung seitens der Ermittlungsbehörden.

Es ist nicht der erste fremdenfeindliche Angriff auf Kinder in Sebnitz. Im Oktober 2016 wurden drei aus Syrien stammende Brüder im Alter von fünf, acht und elf Jahren von einer fünfköpfigen Gruppe Jugendlicher attackiert. Ein damals 14-Jähriger soll die Brüder mit einem Messer bedroht und geschlagen haben. Zeugen zufolge wurde die verfassungswidrige Parole "Sieg Heil!" gerufen.

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Der Sebnitzer Stadtrat wird in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch über eine Neufassung der "Sebnitzer Erklärung" beraten, die sich gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit richtet. Das hatte die CDU-Fraktion schon vor mehreren Wochen beantragt.      

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