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Löbau

Herrnhut verliert engagierte Stimme

Peter Tasche ist überraschend verstorben. Der Diakonie-Mitarbeiter hat einst seine Berufung über Umwege gefunden. Mit 15 Jahren Stadtrats-Erfahrung wollte er erneut mitmischen.

Peter Tasche wohnte im Uttendörferweg. Als Stadtrat hatte er ein offenes Ohr für die Sorgen der Herrnhuter.
Peter Tasche wohnte im Uttendörferweg. Als Stadtrat hatte er ein offenes Ohr für die Sorgen der Herrnhuter. © Archivfoto: Matthias Weber

Wenn sich Peter Tasche im Herrnhuter Stadtrat zu Wort meldete, dann nicht unbedingt, weil er ein Haar in der Suppe gefunden hatte. Es war vielmehr der Wunsch, Lob und Dank nicht zu vergessen, der ihn antrieb, noch einmal um das Wort zu bitten. Und so bedankte er sich jüngst nach einem Abstimmungsmarathon über Bauvergaben bei  Herrnhuts Bauamtsleiterin Ute Hähnel "ausdrücklich für ihre gute Arbeit". Seine Stadtratskollegen stimmten immer wieder gern in Tasches Lob mit ein, sie schätzten diesen Wesenszug an ihm, auch auf das Miteinander immer genügend Acht zu geben.

Genau diese ausgeglichene Art ist es, die nun, nach seinem völlig überraschenden Tod am letzten Donnerstag im April, auch seinen Kollegen und Schützlingen fehlt. "Er war ein sehr rücksichtsvoller und positiver Mensch", beschreibt die Sprecherin der Herrnhuter Diakonie, Kristin Schiffner, ihren Kollegen. Peter Tasche hatte seit Oktober 2008 den Bereich Wohnen für Erwachsene mit Behinderung bei der Herrnhuter Diakonie geleitet. Und auch über seine tägliche Arbeit hinaus waren ihm die Teilhabe dieser Menschen in der Gesellschaft und die Achtung und der Respekt ihnen gegenüber immer sehr wichtig. So erfand er noch zu DDR-Zeiten die Disko für Menschen mit Behinderung, die viele Jahre lang Hunderte ins heutige City-Center nach Löbau zog.

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Zu Beruf und Berufung kam der Mann, der erst im vergangenen Dezember seinen 60. Geburtstag feierte, über einen schicksalhaften Umweg: Tasche war eigentlich gelernter Maschinist für Tagebaugroßgeräte. Kurzzeitig hat er auch in der Grube Hagenwerder gearbeitet, dann wurde er zum Wehrdienst eingezogen. In seiner Armeezeit stellte man bei ihm eine Diabetes-Erkrankung fest, sodass er danach nicht wieder in seinen eigentlichen Beruf zurückkehren konnte. Daraufhin schulte er in einem vierjährigen Fernstudium in Potsdam auf Sozialwesen um und arbeitet dann lange Jahre bei der Arbeiterwohlfahrt in Löbau, wo er sich ebenfalls sehr wohl gefühlt hat.

Auch wenn Peter Tasche kein gebürtiger Herrnhuter war - geboren wurde er im thüringischen Greiz, einen Teil der Kindheit verlebte er in Görlitz - so vertrat er seit 2004 drei Wahlperioden lang die Belange vieler Herrnhuter Bürger im Stadtrat. Die Zinzendorfstadt, in die er als Jugendlicher kam, weil sein Vater hier die Leitung der Comenius-Buchhandlung übernahm, wurden dem Familienvater im Laufe der Jahre ebenso zur Heimat wie die Brüdergemeine. Er setzte sich ein, wenn Sorgen und Kritik an ihn herangetragen wurden, rührte auch die Trommel für den Erhalt des Dürninger-Lebensmittelladens in Herrnhut. Privat werkelte Peter Tasche zur Entspannung auch gern im Garten am Haus oder war bei Spielen des FC Oberlausitz in Neugersdorf dabei.

Für den neuen Stadtrat steht Peter Tasche auf der Liste der Wählergruppierung Herrnhuter Liste, wo er sich engagiert hat. "Dort bleibt er nun auch stehen", sagt Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke, der ebenfalls der Herrnhuter Liste angehört. Zum einen lassen es die Regularien gar nicht zu, ihn nun noch zu streichen. Zum anderen kommen die Stimmen, die sich unter seinem Namen eventuell versammeln, dann seinen Mitstreitern zugute. Auch Bürgermeister Riecke ist vom überraschenden Tod des Stadtrates sehr betroffen. "Mit ihm konnte man diskutieren, wenn er etwas eingebracht hat, dann sachlich und lösungsorientiert", sagt Riecke.

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