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Bautzen

Neue Inhaber im Gewerbepark

An der Wilthener Straße in Bautzen hat jetzt eine Fondsgesellschaft aus Hamburg das Sagen. Welche neuen Pläne verfolgt sie?

Der Gewerbepark Wilthener Straße in Bautzen ist Heimstatt für etwa 40 Unternehmen und Dienstleister. Auf der Informationstafel an der Einfahrt gibt es immer mal wieder Veränderungen, wenn Mieter kommen oder gehen.
Der Gewerbepark Wilthener Straße in Bautzen ist Heimstatt für etwa 40 Unternehmen und Dienstleister. Auf der Informationstafel an der Einfahrt gibt es immer mal wieder Veränderungen, wenn Mieter kommen oder gehen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, wechselte ein Filetstück der Bautzener Wirtschaft den Besitzer. Der Gewerbepark an der Wilthener Straße 32 gehört jetzt nicht mehr einem privaten Investor aus Frankfurt/Main, sondern einer Fondsgesellschaft mit Sitz in Hamburg. Der Ansprechpartner vor Ort aber ist geblieben: Ralf Eisenrigler. Er leitet jetzt von Bautzen aus die Niederlassung Ost der Palmira Industrial Management GmbH – so der vollständige Name der neuen Verwaltungsgesellschaft.

„Der bisherige Investor wollte sich auf das Rhein-Main-Gebiet konzentrieren und hat die Immobilien außerhalb dieser Region verkauft“, erklärt Eisenrigler. Der Fondsinitiator Palmira Capital Partners aus Frankfurt/Main vermietet und betreibt Immobilien außer in Deutschland unter anderem in Österreich, Polen, Spanien und den Niederlanden. Er tut dies im Auftrag von Banken, Versicherungen und Investoren, die so Geld anlegen und natürlich mehren wollen. „Der in Bautzen investierte Fonds ist ein langfristig orientierter Anleger“, erklärt Ralf Eisenrigler, der von Bautzen aus alle Immobilien der von Palmira gemanagten Fonds bis in den Raum Berlin betreut.

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Mieter kommen und gehen

Für die Mieter im Gewerbepark hat sich bis auf den Namen im Mietvertrag nichts geändert. „Es gab ein paar Veränderungen organisatorischer Art, aber nicht in der Struktur“, stellt der 48-Jährige klar. Auch die Mieten selbst seien gleich geblieben.

Veränderungen gibt es aber immer wieder mal bei den Mietern. So habe im vergangenen Jahr mit dem Internet-Dienstleister Itelligence ein großes Unternehmen den Gewerbepark verlassen, weil es inzwischen mehrere eigene Standorte in der Spreestadt betreibt. Das Gebäude von Itelligence an der Wilthener Straße fiel dadurch auf, dass es kaum Fenster hatte – die meisten waren auf Wunsch des Unternehmens zugemauert. Jetzt sind hier Handwerker zugange, um das Hochsicherheitsgebäude für Internet-Server wieder in ein ganz normales Bürohaus zu verwandeln. Der erste Mieter für das umfunktionierte Gebäude steht schon fest, und es gibt Nachfragen weiterer Interessenten.

Neu im Gewerbepark ist seit Herbst 2018 die gemeinsame Einsatzleitung von Bundes- und Landespolizei. Zudem hat sich das Hotel „Residence“ vergrößert. Ende 2019 verliert der Gewerbepark mit den Werkstätten des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen einen großen Mieter. Die Werkstätten ziehen um in ein Gebäude des Landkreises. Einem Unternehmen, das sich mit Internethandel beschäftigt, werden seine Büros an der Wilthener Straße zu klein, es bezieht eine neue Niederlassung.

Kleinere Flächen sind immer frei

Ralf Eisenrigler ist aber guter Dinge, schnell Interessenten für die dann frei werdenden Räume zu finden. Es kommt vor, dass der Gewerbepark Bewerbern absagen muss, weil zu dem Zeitpunkt einfach keine geeigneten Produktionsflächen oder Büros frei sind. So geschah es unter anderem 2018 – da suchte ein Interessent mehr als 800 Quadratmeter Büroflächen, doch Ralf Eisenrigler konnte diese da nicht bieten. „Es herrscht eine normale Fluktuation. Kleinere Flächen sind aber immer frei“, sagt der Palmira-Niederlassungsleiter. Zurzeit seien 93 Prozent der 35 000 Quadratmeter Flächen im Gewerbepark vermietet, „ein sehr guter Wert“.

Insgesamt haben sich in dem Gewerbepark an der Wilthener Straße derzeit etwa 40 Mieter mit mehr als 1 200 Arbeitsplätzen niedergelassen. Damit bietet das Areal heute mehr Jobs als zu DDR-Zeiten, als das Gelände ein Zweigbetrieb des Zittauer Robur-Fahrzeugwerkes war. In den Hallen, Werkstätten und Büros arbeiteten damals 450 Menschen. Auf dem Gelände wurden Einzelteile für die Robur-Werke hergestellt.

Zeitenwende vor 25 Jahren

Anfang der 90er Jahre stand die Frage nach der Zukunft des Geländes an der Wilthener Straße. Der damalige Bautzener Oberbürgermeister Christian Schramm (CDU) hatte die Vision, hier ein Zuhause für kleine und mittelgroße Firmen zu schaffen. Dank sprudelnder Fördergelder wurde das ehemalige Robur-Werk umgestaltet. Nicht mehr benötigte Gebäude wurden abgerissen, Asbeststaub abgesaugt. Allein für die Grundwassersanierung mussten auf dem Gelände zehn Brunnen gebohrt werden. Dann wurden die verbliebenen Gebäude saniert und bekamen alle ein einheitliches Erscheinungsbild. Dazwischen entstanden Grünflächen. Das Jahr, in dem das große Aufräumen vorbei war und das Neugestalten die Oberhand gewann, war 1994 – vor genau einem Vierteljahrhundert.

Von Anfang an dabei war der Unternehmer Utz Eisenrigler aus Nordrhein-Westfalen. Er hatte zusammen mit einem Geschäftspartner ein Unternehmen in Köln zentralisiert und ein dadurch freigewordenes Werk in Wuppertal in einen Gewerbehof umgewandelt. Diese Erfahrung wollte Bautzen nachnutzen. Utz Eisenrigler blieb danach noch einige Jahre als Geschäftsführer des Gewerbeparks in Bautzen und übergab seinen Schreibtisch 2006 an Sohn Ralf.