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Neues Gebäude für die Semperoper am Zwingerteich

Das Proben- und Garderoben-Hintergebäude soll überfällig saniert werden. Dafür müssen aber zuvor Bäume am Teich fallen.

Wo der rote Kreis ist, soll künftig ein neues Proben- und Künstler-Gebäude für die Staatsoper entstehen.
Wo der rote Kreis ist, soll künftig ein neues Proben- und Künstler-Gebäude für die Staatsoper entstehen. © mkl-news/marco klinger

Zum Glück ist der Sommer mit seinen Saunatemperaturen vorbei! Und hoffentlich verstopfen nicht wieder die Toiletten! Die beiden Stoßgebete sind nur einige von vielen ähnlich unschönen, die die Mitarbeiter der Semperoper beschäftigen. Sie beziehen sich nicht auf Probleme im Opernvorderhaus, sondern auf das sogenannte Funktionsgebäude dahinter. In dem befinden sich die Künstlergarderoben, die Probensäle, die Masken-Räume und die Büros der künstlerischen und kaufmännischen Arbeitsbereiche. Doch während die 1985 wiedereröffnete Oper immer wieder mal auf Vordermann gebracht wird, das ehemalige Opernrestaurant zu einer Kammerspielstätte und Kantine mit Millionenaufwand umgebaut wurde, ist im stark frequentierten Proben- und Garderoben-Trakt faktisch seit 35 Jahren nichts Grundlegendes passiert. Von einer Teilsanierung im Erdgeschoss nach der Flut 2002 abgesehen.

In dem dreistöckigen, 56 mal 56 Meter großen Komplex gibt es überhitzte Garderoben zur Südseite und viel zu beengte Arbeitsräume. Klimatisiert sind nur wenige Probenräume im Innenbereich. Die einstigen Thermofenster verdienen den Begriff nicht mehr. Die meisten Einbauten wie Schränke und Schminktische im VEB-Design sind stark ramponiert. Ist dieser Zustand schon für die Mitarbeiter eine Zumutung, wird es bei Gastspielen – ob Stars in Opernproduktionen wie Anna Netrebko und Placido Domingo oder auftretende Künstler etwa während der Musikfestspiele – nur noch peinlich.

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Der Freistaat als Träger des Hauses wollte längst sanieren. Wolfgang Hänsch, Architekt des Wiederaufbaus, plante bereits. Doch dann fehlte das Geld. Nun aber soll es losgehen. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement hat die Leitung. Eine erste Ausschreibung wurde 2018 veröffentlicht. „Grundsätzlich wurde entschieden, dass eine Sanierung des Funktionsgebäudes nach Errichtung eines Interims erfolgen soll“, so der Staatsbetrieb auf SZ-Anfrage noch im August: „Derzeit wird eine Haushaltsunterlage dafür erarbeitet. Daher können noch keine belastbaren Informationen genannt werden.“ 

Einen Monat später gibt Niederlassungsleiter Ulf Nickol auf eine Leser-Anfrage mehr preis: Eine Sanierung des Funktionsgebäudes dürfte zwei Jahre dauern, eine Nutzung sei aber wegen Lärm und Staub nicht möglich. „Um die Semperoper nicht schließen zu müssen, muss für die Künstler eine Ausweichunterbringung geschaffen werden, damit diese eingekleidet und geschminkt, warmgetanzt und eingesungen trockenen Fußes per überdachter Brücke zum Auftritt in das Vorderhaus gelangen können.“ Die Ausweichunterbringung muss also in der Nähe vom Opernhaus sein.

Interimsbau wird zur Dauerlösung

Zudem werde ein relativ hoher Standard – Schallschutz bei Sängern und Musikern, hohe Säle für (springende) Tänzer, separate Zimmer für VIP-Künstler, Tonstudio .... – zu bieten sein. „Eine Unterbringung in Baucontainern ist nicht möglich.“ Gut 4.000 Quadratmeter Nutzfläche werden gebraucht. Das Ganze wird etwa 20 Millionen Euro kosten. Steht der Bau, wird das verschlissene Gebäude saniert. Auch das wird nicht unter 20 Millionen zu machen sein. Warum aber baut man bei den Kosten nur ein Interim? Letzteres haben die Experten nun auch geklärt. Im alten Gebäude fehlten seit jeher Künstler-Zimmer, und die für die Garderobiere waren einst ganz vergessen worden.

Zugleich ist die Anzahl der Probensäle stets zu klein, sodass die Oper zusätzliche, über die Stadt verteilte anmieten muss. Um diese Mankos endlich zu beheben, soll der als Interimsbau gedachte Komplex eine Dauerlösung sein. Ist alles fertig, sind die Musiker, Sänger und Künstlerischen Leitungen in das sanierte Gebäude zurückgezogen, wird der Neubau zum Proben- und Ballettzentrum umgestaltet. Die Truppe, maßgeblicher Träger des Spielplans, kann dann in zwei bühnengroßen Sälen ihr großes Repertoire pflegen und erweitern. Die Ballettsäle im alten Gebäude werden für Musiktheater-Proben genutzt.

Nur, wo baut man so ein neues 42 mal 42 Meter großes Gebäude hin? Wer das Areal um die Semperoper kennt, weiß: Platz ist eigentlich nur im Zwingerpark. Dort, wo bereits das ehemalige Opernrestaurant, die heutige Kammerspielstätte „Semper 2“, steht. Auf der Wiese daneben bis zur Straße „Am Zwingerteich“ soll das Gebäude hin. Es wird über eine Brücke mit „Semper 2“ verbunden sein. Alte Dresdner wissen: An der Stelle befanden sich einst die Baracken der Wiederaufbau-Leitung.

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