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Nicht nur närrisch, sondern auch musikalisch

Der Kultur- und Heimatverein der Zille-Stadt zeigt mit einer Sonderausstellung die Rolle der Musik in Radeburg. Früher und heute.

Christina Koch vom Kultur- und Heimatverein Radeburg hat die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum gestaltet. Diese widmet sich den musikalischen Aktivitäten in der Zille-Stadt - früher und heute.
Christina Koch vom Kultur- und Heimatverein Radeburg hat die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum gestaltet. Diese widmet sich den musikalischen Aktivitäten in der Zille-Stadt - früher und heute. © SZ/Sven Görner

Radeburg. Durch die Corona-Pandemie blieb in diesem Jahr auch einiges auf der Strecke, was sich in Radeburg zu einer guten Tradition entwickelt hatte. Etwa das gemeinsame Frühlingsliedersingen der Chöre der Kirchgemeinde und des Kultur- und Heimatvereins. Oder die Heinrich-Zille-Kneipennacht, einer der Termine, bei denen einheimische Bands für gute Stimmung sorgen. Denn die Zille-Städter sind nicht nur ein närrisches, sondern auch ein musikalisches Völkchen.

Dass die Wurzeln dafür weit zurückreichen, zeigt der Kultur- und Heimatverein jetzt in einer Sonderschau im Radeburger Museum. Eigentlich hätte diese, weil es inzwischen ebenfalls eine Tradition ist und diesmal außerdem noch gut gepasst hätte, bereits zur Kneipennacht Ende April eröffnet werden sollen. Nun ist sie also mit etwas Verspätung zu sehen, was sie nicht weniger interessant macht.

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Grundlage für die Schau ist das Ende vergangenen Jahres erschienene jüngste Heft aus der Schriftenreihe des Vereins zur Stadtgeschichte. Entstanden ist es, wie auch die Ausstellung, unter Federführung von Christina Koch, die den Vorsitz der AG Stadtgeschichte von Irene Andrä übernommen hat.

Der Blick in die musikalische Historie der Stadt beginnt in der Ausstellung mit dem 1863 gegründeten Männergesangsverein, der aber wohl bereits einen 20 Jahre älteren Vorgänger hatte. Bereits drei Jahre später, 1886, war Radeburg dann Gastgeber des Sächsischen Elbgau-Sängerfestes. 

Auf die stolze Zahl von 146 Mitgliedern brachte es der örtliche Sängerverein dann im Jahr 1925. Wobei ein Beleg aus dem Jahr 1920 zeigt, dass zu dem Männerchor inzwischen eine Damenabteilung gehörte. Eine Vereinsfahne des Chores hat das Heimatmuseum aus seinem Bestand zur Ausstellung beigesteuert.

Ein Höhepunkt in der langen Geschichte der Radeburger Sänger war vermutlich die Teilnahme am 10. Deutschen Sängerbundfest 1928 in Wien. Im Jahr 1962 endete dann vorerst diese Chortradition in der Zille-Stadt. Gesungen wurde freilich weiter.

Im Juni 2006 probte schließlich erstmals der Chor des Kultur- und Heimatvereins. Aktuell haben die 45 Mitglieder rund 140 Lieder in ihrem Repertoire, nicht nur in deutscher Sprache. Im Kirchenchor singen zudem gut 20 Frauen und Männer mit.

Während Chöre in der Vergangenheit in vielen Orten zum Vereinsleben gehörten, kann Radeburg noch mit einer Besonderheit aufwarten: Die Militärmusikervorschule Wachsmuth, die um 1900 über die Stadtgrenzen hinaus bekannt war. Fast 50 Schüler sind auf einem der historischen Fotos in der Ausstellung zu sehen.

Musikalische Kenntnisse vermittelte aber auch der 1883 geborene Alfred Stähnisch, der in seinem Wohnzimmer Notenkunde und Akkordeon unterrichtete.

Bereits 1950 wurde in Dresden die Volksmusikschule gegründet, die dann sechs Jahre später als eigenständige Einrichtung für den Landkreis Dresden agierte, mit Hauptsitz in Radebeul und der Zille-Schule als Außenstelle. Die Angebote der Kreismusikschule Radebeul werden auch heute von zahlreichen Mädchen und Jungen der Zille-Stadt rege genutzt. Die Stadt unterstützt das finanziell und mit dem Bereitstellen von Räumen.

Nach der Wende kam dann eine weitere Facette der musikalischen Ausbildung hinzu. Die Musikschule Fröhlich. Ehemalige Schüler haben die  Band  Live Cocktail gegründet und musizieren weiter zusammen.

Doch auch Autodidakten wie die seinerzeit bekannten Edwin und Buddel bereicherten mit ihrer Unterhaltungsmusik das Leben in Radeburg. Als das Vereins-Heft Ende vergangenen Jahres im Kulturbahnhof präsentiert wurde, gaben sich auch Mitglieder alter und noch aktiver Freizeitbands ein Stelldichein. Zu den Gefeierten gehörte dabei Rolf Danies, ein Urgestein der Tanzmusik in Radeburg, der 62 Jahre in verschiedenen Gruppen spielte.

Ihren gebührenden Platz nimmt in der Ausstellung in Sachsen, dem Mutterland der evangelischen Kirchenmusik, natürlich auch dieser Teil der musikalischen Tradition und Gegenwart in Radeburg ein. Gewürdigt wird so Kantor Wilfried Börner, der in Radeburg von 1961 bis 1999 wirkte.

 Aber auch an Martina Müller, die 40 Jahre den Flötenchor leitete und in dieser Zeit über 100 Kindern und Erwachsenen das musizieren auf diesem Instrument vermittelte. Ein Foto zeigt viele dieser Schüler bei einem Konzert zu ihrem 60. Geburtstag in der Radeburger Kirche vereint.

Zu sehen ist die Sonderausstellung noch bis zum 27. August im Heimatmuseum, wobei die aktuellen Corona-Reglungen zu beachten sind. Geöffnet ist Di. 10 bis 12 und 13 bis 18 Uhr sowie Do. 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr. Außerdem an jedem 1. und 3. Sonnabend im Monat. Das Schriftenheft des Vereins ist im Museum erhältlich.

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