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Dippoldiswalde

Nomos verschiebt Neubaupläne

Der Glashütter Uhrenhersteller bittet den Stadtrat um eine Fristverlängerung. Die ist nicht unumstritten. Dann gibt es aber eine klare Entscheidung.

Im Zentrum der Glashütter Uhrenmeile klafft seit Jahren eine Lücke. Es wird einige Zeit dauern, bis diese geschlossen wird.
Im Zentrum der Glashütter Uhrenmeile klafft seit Jahren eine Lücke. Es wird einige Zeit dauern, bis diese geschlossen wird. © Archivfoto: Egbert Kamprath

An der Glashütter Uhrenmeile wurde in den letzten Jahren viel gebaut. Nur an einer Stelle tat sich nichts: Gegenüber dem Lange-Stammhaus klafft nach wie vor eine Lücke. Eigentlich sollte diese schon bebaut sein. Davon ging der Besitzer der Fläche, Uwe Ahrendt, Chef der Uhrenmanufaktur Nomos Glashütte, im Mai 2012 aus. Allerdings war er schon damals vorsichtig und fügte hinzu: "Wenn alles weiter positiv läuft."

Letztlich lief es für Nomos recht gut. Zwischen 2010 und 2017 konnte das Unternehmen um bis zu 30 Prozent im Jahr wachsen. Das spiegelt sich auch in den Mitarbeiterzahlen wieder. 2012 hatte das Unternehmen 110 Beschäftigte. "Derzeit arbeiten knapp 300 Kollegen für Nomos", sagt Unternehmenssprecher Florian M. Langenbucher.

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Nomos hat in den letzten Jahren nicht nur Uhren gebaut, sondern auch in Gebäude investiert. Die Chronometrie wurde saniert und erweitert, in Schlottwitz wurde ein neues Betriebsgebäude geschaffen und im früheren Bahnhotel mehrere Räume vorgerichtet, um dort ebenfalls zu produzieren. Der Neubau an der Ecke zwischen dem früheren Kulturhaus und der Gastwirtschaft Drogerie wurde immer wieder verschoben.

Das wurde nun erneut Thema im Stadtrat. Denn zwei Teilstücke der Fläche, die Nomos bebauen möchte, hat das Unternehmen 2008 von der Stadt gekauft. Durch den Kaufvertrag wurde das Unternehmen verpflichtet, relativ zügig mit dem Bau zu beginnen. Ende 2014 sollte der Neubau fertig gestellt sein. Weil das nicht geschehen war, wurde die Klausel auf Antrag von Nomos bereits 2013 und 2016 jeweils für drei Jahre verlängert. Nun musste der Stadtrat erneut über eine Fristverlängerung beraten.

Diesen Plan stellte Nomos-Geschäftsführer Uwe Ahrendt bereits 2012 vor. Demnach sollte die Fassade  mehrere Ecken bekommen, damit der ganze Baukörper nicht zu gewaltig wirkt.
Diesen Plan stellte Nomos-Geschäftsführer Uwe Ahrendt bereits 2012 vor. Demnach sollte die Fassade  mehrere Ecken bekommen, damit der ganze Baukörper nicht zu gewaltig wirkt. © Brandhorst Hutton

Uwe Ahrendt, der selbst auch Stadtrat ist, warb zunächst um Zustimmung. Die erneute Bitte um Aufschub begründete er mit der wirtschaftlichen Lage in der Uhrenbranche. Diese kämpfe seit geraumer Zeit mit Verlusten. Weil sich die Märkte in Asien, Europa und in den USA negativ entwickelten, haben deutsche Hersteller seit 2016 deutlich weniger Armbanduhren in diese Regionen verkauft. An dieser Situation habe sich nicht viel geändert. Es gebe ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit. Das liegt vor allem am ausbleibenden Wachstum in den USA und der kritischen Situation "im ansonsten boomenden Markt Hongkong." Auch sein Unternehmen blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. "Gleichwohl sind wir fest von einer Erholung der Branche und einem weiteren Wachstum unseres Unternehmens überzeugt", so Ahrendt. Deshalb halte seine Firma an den Neubauplänen fest. Der Neubau soll in den nächsten fünf Jahren in Angriff genommen werden. Uwe Ahrendt wollte sich nicht festlegen, wann der Bau beginnen könnte. Auch über die Investitionssumme ließe sich nur spekulieren. Vor ein paar Jahren hat er einen ersten Entwurf vorgestellt. Damals ging er von einer Investitionssumme von zehn Millionen Euro aus. Dies sei heute nicht mehr zu halten, so der Firmenchef.

Klares Votum im Stadtrat

Die Verwaltung empfahl den Stadträten, dem Antrag zustimmen. Auch Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) erklärte, dass die Gründe für den Aufschub nachvollziehbar seien. Die CDU-Fraktion signalisierte Zustimmung. Es gab aber auch nachdenklichere Töne. Stadtrat Maik Lehmann (Wählervereinigung Zeitlos) und zugleich Ortsvorsteher in der Kernstadt sagte, dass über das Grundstück und dessen Bebauung viel in der Öffentlichkeit diskutiert werde. Vielleicht sollte man auch diesmal wieder nur um drei Jahre verlängern, regte er an. Dann gebe es eine andere Situation. Andere Räte sprachen sich für die beantragte Frist von fünf Jahren aus. So auch Frank Göbel (CDU). Er erinnerte die Räte, dass man nur über zwei Teilstücke der gesamten Fläche entscheide. Diese dürften für andere Investoren nicht sehr lukrativ sein, sollte sie Nomos irgendwann an die Stadt zurückgeben müssen.

Dieses Foto aus dem Jahr 2006 zeigt noch ein Haus, das auf der Fläche steht, die heute komplett als Parkplatz genutzt wird und auf der in den nächsten fünf Jahr ein Neubau errichtet werden soll.
Dieses Foto aus dem Jahr 2006 zeigt noch ein Haus, das auf der Fläche steht, die heute komplett als Parkplatz genutzt wird und auf der in den nächsten fünf Jahr ein Neubau errichtet werden soll. © Archivfoto Egbert Kamprath

Die eine Fläche ist schmal, 72 Quadratmeter groß und erstreckt sich parallel zum Fußweg, die andere umfasst den nördlichen Teil des heutigen Parkplatzes, ist knapp 500 Quadratmeter groß und grenzt nicht an die Dresdener Straße. Zum kleineren Flurstück gibt es von dieser Teilfläche aber eine sehr schmale Verbindung.

Frank Zimmerhäckel, der wie Ahrendt für die Grünen im Stadtrat sitzt, erinnerte daran, dass Nomos in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze geschaffen hat. Damit sei auch weiter zu rechnen. Deshalb sollte man die Entwicklung nicht blockieren.

Am Ende stimmte der Stadtrat für die Verlängerung der Frist um fünf Jahre - einstimmig. 

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