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"Obwohl es hier bedrohlich ist, gilt für uns Dresden first"

Schauspieler und Musiker Christian Friedel bleibt der Stadt treu. Er legt sein Festival am Weißen Hirsch neu auf und macht bald wieder Theater.

Christian Friedel (Mitte) und seine Band Woods of Birnam sind jetzt bereits zum zweiten Mal Gastgeber ihres eigenen Festivals „Come to the Woods“, das am Sonnabend auf dem Dresdner Konzertplatz Weißer Hirsch stattfinden wird.
Christian Friedel (Mitte) und seine Band Woods of Birnam sind jetzt bereits zum zweiten Mal Gastgeber ihres eigenen Festivals „Come to the Woods“, das am Sonnabend auf dem Dresdner Konzertplatz Weißer Hirsch stattfinden wird. © PR

Von Katja Solbrig

Es ist schon vertrackt mit diesem Dresden: Kaum macht man etwas zum zweiten Mal, hat es gleich eine Tradition! „Das lernt man natürlich zu schätzen, aber man muss auch vorsichtig sein. Die Traditionsfreude ist Fluch und Segen zugleich“, sagt Christian Friedel. Der Schauspieler, der mit seiner Band Woods of Birnam in den vergangenen acht Jahren in „Hamlet“ das Dresdner Schauspielhaus regelmäßig zum Kochen gebracht hat.

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Im vergangenen Juni erfüllte sich die Band mit „Come to the Woods“ einen lange gehegten Wunsch, einen Festivalabend mit befreundeten Musikern. Der Abend auf dem Dresdner Konzertplatz war ein so großer Erfolg, dass Woods of Birnam weiterträumen und sich irgendwann mal ein mehrere Tage andauerndes Festival vorstellen können.

Denn auch das Line-up für die „Come to the Woods“-Ausgabe Nummer zwei hat bei den Fans wieder große Freude ausgelöst, der Kartenverkauf jedenfalls läuft sehr gut. „Natürlich diskutieren wir in der Band gemeinsam, wen wir dazu einladen“, erzählt Christian Friedel. „Aber mein erster Vorschlag kam gleich gut an, alle sagten: Ja, sofort einladen!“ Er habe Ätna vorgeschlagen, das ebenfalls in Dresden beheimatete Duo von Sängerin Inez und Schlagzeuger Demian Kappenstein. „Ich bin bekennender Fan, ich finde ihre Musik großartig, war schon auf mehreren ihrer Konzerte!“ Auch die musikalische Zusammenarbeit ist schon erprobt: Christian Friedel war Gast in Kappensteins Jazz-Reihe Feature Ring, Inez unterstützte Woods of Birnam bei deren ersten Konzerten.

„Mit Hundreds hatten die Bandkollegen schon Kontakte zu ihren Polarkreis 18-Zeiten. Und mit Tobias Siebert haben wir unser erstes Album produziert, da lag es auf der Hand, ihn mit And the Golden Choir jetzt auch einzuladen.“

Christian Friedel kann und will seine Freude daran, ein eigenes Festival zu organisieren, nicht verbergen. „Vielleicht gibt es eines Tages ,Come to the Woods’, bei dem Woods of Birnam nicht der Headliner ist, sondern das Festival nur von einer Musik liebhabenden Band, also von uns, kuratiert ist, mit einem sehr persönlichen Touch“, sagt er. Und ergänzt: „So eine richtige Popband sind Woods of Birnam ja nicht, dafür waren die Pausen zwischen unseren Alben zu groß.“ Aber auch als Theatermusiker, als die sie viele wahrnehmen, bereiten sie den Boden für ihren Band-Erfolg. Der „Hamlet“ mit Friedel in der Titelrolle und Woods of Birnam als wichtigem Inszenierungsbestandteil ist von Dresden nach Düsseldorf gezogen. Dort läuft das Stück in anderer Besetzung, aber wieder mit Friedel und seiner Band, ähnlich erfolgreich wie in Dresden.

Auch bei „1984“ standen Woods of Birnam zunächst auf der Stuttgarter, dann auf der Düsseldorfer Bühne, Friedel spielt darin den „Großen Bruder“ und hat die musikalische Leitung des Abends. „Ohne ‚Hamlet‘ und ‚1984‘ wäre unser Release-Konzert zum aktuellen Album ‚Grace‘ nicht so erfolgreich gewesen“, sagt Friedel. Bei Konzerten in Dresden und Düsseldorf beobachtet er ein eher untypisches, theateraffines Publikum.

Obwohl es in Düsseldorf und im Schauspielhaus musikalisch so gut läuft für ihn und Woods of Birnam, freut er sich sehr darauf, im kommenden März in Dresden wieder Theater machen zu können. „Dass es jetzt tatsächlich Shakespeare und sein Macbeth geworden ist, war so zunächst nicht geplant.“ Friedel wird Regie führen. „Obwohl die politische Situation in Sachsen gerade sehr bedrohlich blau geworden ist, gilt für uns: Dresden first“, sagt er und lacht. „Die Dresdner sind treu und dann auch traurig, wenn man geht, wo sie doch so viel Treue und Liebe investiert haben.“

Er hat er aus seinem Freundeskreis erfahren, das einige dieses Jahr bei „Come to the Woods“ nicht dabei sein können. Deshalb: Gleich fürs nächste Jahr merken und die Reisepläne darauf abstimmen: Zum dritten Mal werden Woods of Birnam am 20. Juni 2020 in den Wald laden.

Das Ein-Tages-Festival: Am 22. Juni spielen ab 17 Uhr auf dem Dresdner Konzertplatz Weißer Hirsch die Bands Ätna, Hundreds, And The Golden Choir und Woods of Birnam. Tickets gibt es in den SZ-Treffpunkten sowie im Internet unter www.sz-ticketservice.de.

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