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Ökologischer Weinbau mitten in Meißen

Der historische und ökologische Weinberg am Burgberg ist bald wieder geöffnet. Besucher dürfen ihn sonst nicht betreten.

Die Sächsische Landesstiftung für Natur und Umwelt betreibt seit 2012 einen ökologischen Weinberg unterhalb der Albrechtsburg. Sprecherin Andrea Gößl erklärt, was die Stiftung in Meißen macht.
Die Sächsische Landesstiftung für Natur und Umwelt betreibt seit 2012 einen ökologischen Weinberg unterhalb der Albrechtsburg. Sprecherin Andrea Gößl erklärt, was die Stiftung in Meißen macht. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Sonne knallt auf den Weinberg unterhalb der Albrechtsburg. Bestes Wetter also für die Weinreben, nur die Menschen auf den Amtsstufen kommen ins Straucheln. Sonst ist der Weinberg geschlossen, der von den Stufen abgeht, doch am 18. August öffnet er wieder seine Pforte. Dann können ihn unter anderem Meißner besichtigen.

Die Sächsische Landesstiftung für Natur und Umwelt (Lanu) ist Eigentümer der Fläche und lädt Gäste zur Führung ein: um den ökologischen Weinanbau zu bewundern. Dabei gehe es der Lanu aber nicht um den Wein, sondern vielmehr um das, was dazwischen wächst, erklärt Sprecherin Andrea Gößl.

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Denn die etwa 1.000 Quadratmeter Fläche diene vor allem dem Landschafts-, Biotop- und Artenschutz. Am Burgberg wächst alles wild zwischen den Reben, die alten Trockenmauern beherbergen zusätzlich viele Arten.

Führungen wie zum Sommer der offenen Weingüter drehen sich deshalb um ökologische Themen. Besucher können verschiedene Biotope im Weinberg erleben. Mehr als 140 Pflanzenarten sind dort vertreten. Zudem geht man davon aus, dass es etwa 200 Wildbienenarten gibt, dazu fehlen allerdings noch aussagekräftige Untersuchungen.

Ein Schülerwein aus Meißen

Dabei sind für den Weinberg vor allem drei Biotope entscheidend: die wildwachsende Rebgasse, die Mauerkrone und die Trockenmauern selbst. Da es sich hier um einen ökologischen Weinbau handelt, dürfen nur wenige chemische Mittel gespritzt werden, anders als im konventionellen Weinbau. 

„Wir nutzen dafür dann zum Beispiel Fenchelöl oder Kupfer. Als Pflanzenschutz setzen wir zudem vermehrt sogenannte Gegenspieler ein“, so Andrea Gößl. Zum Beispiel Florfliegen gegen Läuse. Das führe auch dazu, dass es eine hohe Insektenvielfalt gebe, vor allem viele Schmetterlinge.

2006 hat die Lanu den Weinberg erworben. Das Projekt soll als positives Beispiel dienen: Naturschutz und Landnutzung in einer historischen Kulturlandschaft können Hand in Hand gehen. Noch werde der Weinberg nicht wissenschaftlich begleitet, bis auf das regelmäßige Monitoring der vorkommenden Arten, so Andrea Gößl.

Mit Förderungen des Freistaates und der Europäischen Union, etwa eine Million Euro, wurde der Berg ertüchtigt. Seit 2012 gibt es dort Weinstöcke: Es werden die pilzresistenten Sorten Johanniter und Regent angebaut. Daraus entsteht seit 2015 jedes Jahr ein Schieler-Wein, also ein Gemisch aus roten und weißen Trauben.

Neben dem Naturschutz ist die Umweltbildung für die Lanu wichtig. Deshalb bewirtschaften Schüler des St.-Afra-Gymnasiums die Rebfläche: mit etwa 400 Weinstöcken auf einer Fläche von 700 Quadratmetern. 

Geografie- und Geschichtslehrer Sascha Kotztin leitet sie an. So sollen die Schüler lernen, was alles zum ökologischer Weinbau gehört. Zudem können sie Verantwortungsbewusstsein entwickeln, so die Lanu-Sprecherin. 

Denn sie tragen maßgeblich dazu bei, den Wein zu produzieren. Die Hoflößnitz keltert dann den Wein und verkauft ihn für die Lanu. Das Radebeuler Weingut ist dabei der erste sächsische Weinanbaubertrieb, der zertifiziert ökologisch arbeitet.

Ein Schaubeet für Kräuterpflanzen

Andrea Gößl betont, dass die Lanu hier jedoch kein Geschäft betreibt. „Das ist ein Schauweinberg.“ Als die sächsische Stiftung den Steilhang erworben hatte, gab es gar nichts. Nicht mal die Mauern. 

Dabei waren auf dem Burgberg immer Terrassen. Der Mythos besagt außerdem, dass hier Bischof Benno von Meißen den ersten Wein hergestellt hat. Das könne aber nicht nachgewiesen werden, sagt die Pressesprecherin.

Die Nutzung als Kräutergarten der Burg dafür schon. Denn als die Stiftung den Burghang umgraben ließ, kamen verschiedene Samen von mittelalterlichen Pflanzen zum Vorschein, die dann aus dem Boden schossen.

Um Gästen einen Eindruck von einem mittelalterlichen Garten zu vermitteln, gibt es neben dem Schauweinberg ein Schaubeet. Mit besonderen Pflanzenarten, die bereits auf dem Burgberg angepflanzt wurden. 

So wie das Echte Seifenkraut, das zum Waschen verwendet wurde. „Denn neben der Natur wollen wir aktiv die Kulturlandschaft erhalten“, so Andrea Gößl. Dazu zähle neben dem Weinbau, den es seit mehr als 850 Jahren in Sachsen gibt, auch der Wirtschaftsgarten der Burg mit seinen unterschiedlichen Kräutern.

Um den Weinberg zu bewirtschaften, ist die Stiftung auf Spenden angewiesen. Auf der Internetseite der Lanu kann man zum Beispiel eine dreijährige Patenschaft für einen Weinstock übernehmen. Dafür wirbt zum Beispiel Gunther Emmerlich auf einem Plakat neben dem Eingang des Weinbergs. Das Geld verwendet die Stiftung unter anderem für die Sicherung der Wege am Steilhang sowie die Pflege der Reben insgesamt. 

Kostenlose Führungen durch den Weinberg mit Weinprobe:

18. August, 17 Uhr: Treffpunkt – Tourist-Information, Markt 3, 01662 Meißen
29. August, 14 Uhr: Sommer der offenen Weingüter, Weinberg
17. September, 16 Uhr: Treffpunkt – Tourist-Information, Markt 3, 01662 Meißen

Weitere Führungen können bei Andrea Gößl gebucht werden: per E-Mail an [email protected] oder Telefon 0351 81416757. Für Schulen sind diese kostenlos.

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