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Eine Bank trägt seinen Namen

Ein beschaulicher Platz auf dem Löbauer Berg erinnert an den verdienstvollen Gebirgs- und Wanderfreund Oskar Rolle.

Immer zu einem Scherz aufgelegt: Oskar Rolle (links) in den 1950er Jahren im Gespräch mit Werner Heinze in der Heinze-Drogerie an der Löbauer Bahnhofstraße.
Immer zu einem Scherz aufgelegt: Oskar Rolle (links) in den 1950er Jahren im Gespräch mit Werner Heinze in der Heinze-Drogerie an der Löbauer Bahnhofstraße. © Sammlung Hartmut Klinger

Anfangs fühlt man sich ein wenig wie im Dschungel, wenn man von der Turmstraße des Löbauer Berges rechts in Richtung Schafberg abbiegt. Doch dann tritt immer deutlicher Blockgestein hervor und nach einer Steigung gibt der Laubwald plötzlich den Blick nach Südosten frei. Eine Ruhebank lädt zum Verweilen ein, um den Blick Richtung Lausche, Oderwitzer Spitzberg und Kottmar zu genießen.

Hier dürfte der Mann öfter vorbeigekommen sein, dessen Namen der Ruheplatz und der an ihm vorbeiführende Weg tragen: Oskar Rolle. Ihm zu Ehren wurde die Bank vor 60 Jahren am 27. August aufgestellt. An einem Gesteinsblock davor ist eine Tafel angebracht: „Zum ehrenden Gedenken an unseren Oskar Rolle 1880 - 1958, Gebirgsgruppe Löbau, DKB“. DKB war die Abkürzung für Deutscher Kulturbund der DDR. Unter dessen Dach wirkte die Löbauer Gebirgsgruppe, die 1920 als Ortsgruppe des Riesengebirgsvereins gegründet worden war, in der DDR weiter.

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Die Oskar-Rolle-Bank am Südost-Hang des Schafberges heute.
Die Oskar-Rolle-Bank am Südost-Hang des Schafberges heute. © Bernd Dreßler

Bank und Tafel sind eine Referenz an den langjährigen Vorsitzenden, hatte Oskar Rolle doch dieses Ehrenamt seit 1921 inne. „Wer seine Heimat kennenlernen will, muss sie sich erwandern“, war einer der Leitsprüche des 1880 in Reichenau geborenen Webers, dessen Lebensmittelpunkt seit 1908 Löbau war. Dem Vereinsnamen entsprechend dominierten in den ersten Jahrzehnten vor allem Erkundungen des Riesengebirges. Doch die landschaftlichen Schönheiten unmittelbar vor der Haustür wurden nicht ausgespart. Löbauer Berg und Georgewitzer Skala boten zudem ein lohnendes Betätigungsfeld bei Instandhaltungen und Markierungen des Wegenetzes.

Oskar Rolles Engagement erlahmte auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht. Der selbstständige Textilkaufmann stand in der Kreisleitung des Kulturbundes Löbau der Kreiskommission der Natur- und Heimatfreunde vor und trug mit dazu bei, dass sich neue Ortsgruppen bildeten. So würde es vielleicht die Kottmarsdorfer Gruppe, den heutigen Mühlenverein, gar nicht geben, wenn nicht Oskar Rolle, damals schon Mitte 70, immer wieder auf ihre Gründung gedrängt hätte. Oskar Rolle war zudem einer, der sich ohne Mundart nicht wohlfühlte. Er hatte zahlreiche Schnaken auf Lager und wusste sie auch darzubieten. Bereits 1935 war unter dem Titel „Dies und doas, fer jedn woas“ ein Büchlein mit „ergötzlichen Mundart-Reimereien“ erschienen. Auch Alltagsbeobachtungen schrieb er in Mundart nieder, wobei er auch mit Kritik nicht sparte. Zum Beispiel nahm er die große Entfernung des Bahnhofs Ebersbach zum Amtsgericht der Stadt aufs Korn: „Will mer goar nuff zon Aberschbacher Oamtsgerichte, leeft mer, wenn ock ee Tag Zeit ös, sich doch Bloosn as Gesichte.“

Oskar Rolle verstarb am 26. August 1958, zwei Tage vor seinem 78. Geburtstag, in Löbau. Zwei Jahre später, fast auf den Tag genau, wurde ihm zu Ehren besagte Bank am Schafberg aufgestellt und als Gedenkstätte eingeweiht. Wie ein kleines Schild an der Lehne verrät, wurde die Bank 1994 erneuert. Und bis heute ist sie nicht in Vergessenheit geraten. Der Platz ist gut begehbar, sauber und ordentlich. Und man kann die herrliche Aussicht genießen. Ein paar im Laufe der Jahrzehnte in die Höhe gewachsene Bäume schränken das Blickfeld kaum ein. Oskar Rolle würde es freuen.

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