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Opernfreund dirigiert Görlitzer Neiße-Park

Das Einkaufszentrum hat einen neuen Manager. Sevket Demir will den Namen Neiße-Park bekannter machen.

Von Susanne Sodan
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Sevket Demir auf dem Parkdeck vor dem Neiße-Park. Am Anfang hat er sich häufiger auf den Parkplätzen vom Neißepark umgesehen – um zu erfahren, aus welchem Umkreis die Kunden so kommen.
Sevket Demir auf dem Parkdeck vor dem Neiße-Park. Am Anfang hat er sich häufiger auf den Parkplätzen vom Neißepark umgesehen – um zu erfahren, aus welchem Umkreis die Kunden so kommen. © Nikolai Schmidt

Sevket Demir liebt die Oper. „Das kam mit unserem Sohn“, erzählt er. Der sang lange in Chören und Ensembles. Heute studiert Sevket Demirs Sohn zwar Politik statt Musik, aber die Liebe zur Oper ist geblieben. Deshalb freuen sich Sevket Demir und seine Frau auch sehr darüber, dass Görlitz ein Musiktheater hat. „Wir waren zum Beispiel zur Premiere vom ‚Barbier von Sevilla‘“, erzählt Demir. Beruflich macht er aber etwas ganz anderes. Er ist der neue Manager des Neiße-Parks in Königshufen. Sein Vorgänger Claus-Dieter Koziel ist in Ruhestand gegangen, Sevket Demir hat zuletzt in Berlin den Aufbau zweier Einkaufszentren begleitet. Nun ist er mit seiner Frau nach Görlitz gezogen, möchte hier den Namen Neiße-Park bekannter machen und mehr mit den Innenstadt-Händlern zusammenarbeiten.

Angefangen hat sein Berufsleben nicht mit Oper, sondern mit Rockstars. Sevket Demir stammt aus Hannover. Dort hat er nach der Schule seine Ausbildung zum Bürokaufmann bei der Veranstaltungsagentur Show Tops gemacht. Als Azubi sei er zwar nie ganz nahe rangekommen an die großen Stars, aber immerhin sah und erlebte er Guns n’ Roses, Phil Collins, Depeche Mode oder auch Herbert Grönemeyer. Eine für Demir unvergessliche Episode: Innerhalb weniger Stunden sollte er eine bestimmte Lincoln-Limousine in Hannover auftreiben. Mit der wollte Rod Stewart unbedingt vom Flughafen abgeholt werden, erzählt Demir.

Nach der Ausbildung studierte er Wirtschaftswissenschaften, 1997 ging es nach Berlin. „In meinem ersten Job nach dem Studium habe ich mehrere kleinere Dienstleistungs- und Einkaufszentren in Berlin betreut“, erzählt er. Danach arbeitete er als Assistent des Managements bei den Gropius-Passagen, leitete die Bahnhofspassagen Potsdam, bevor er als Leiter zu den Gropius-Passagen zurückkehrte. Der Manager eines Einkaufszentrums sei im Grunde das Bindeglied zwischen dem Vermieter und den Mietern der Ladengeschäfte. Man sei ein bisschen wie der Bürgermeister einer Kleinstadt, habe ein Kollege mal gesagt. 2007 zogen Demirs aus familiären Gründen zurück nach Hannover, wo er bei ECE, dem größten Betreiber von Einkaufszentren in Deutschland, unter anderem das Rhein-Ruhr-Zentrum leitete.

Wiederum zehn Jahre später, 2017, waren die Kinder aus dem Haus, und es zog das Ehepaar Demir noch einmal nach Berlin. „Aber es war nicht mehr das Berlin, das wir kannten“, sagt Sevket Demir. In den zehn Jahren habe sich das Lebensgefühl in der Stadt sehr verändert, es sei unruhiger, hektischer geworden. Demirs wohnten in Spandau, es sei vorgekommen, dass er bis zu seiner Arbeit in Berlin Mitte bis zu zwei Stunden brauchte, selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Es gab mehrere Möglichkeiten für eine Veränderung, erzählt der 50-Jährige. Eine war die Managerstelle im Neiße-Park. Wenn, dann wollte er gern wieder bei einem Großunternehmen arbeiten, und der Neiße-Park gehört zum Edeka-Verbund. Berlin-Format brauchte die neue Stadt dagegen nicht zu haben. Görlitz kannte Demir früher nicht. „Weißwasser sagte mir aber was“. Denn in seiner Jugend konnte er in Hannover die Sender DDR 1 und 2 empfangen und damit auch die Übertragungen der Eishockeyspiele von Weißwasser. Per Zug reiste Demir im Frühjahr 2018 zum ersten Mal nach Görlitz, sah sich den Neiße-Park an und ein bisschen von der Stadt.

Urlaubsgefühl auf dem Untermarkt

Nach einem ersten guten Eindruck machte sich bei späteren Besuchen auch seine Frau ein Bild „Wir haben uns dann recht schnell für Görlitz entschieden.“ Die Stadt habe viel zu bieten, „auch das Umland. Und man ist ganz schnell in Polen, das hat Charme.“ Eine Wohnung fand das Paar in der Nähe vom Stadtpark, Demirs Frau ist Prophylaxe-Assistentin und arbeitet jetzt bei einem Görlitzer Zahnarzt.

Meistens sei es so, dass eine Stadt mit vergleichbarer Einwohnerzahl nicht so viel Kulturelles und Städtebauliches zu bieten habe, einfach wegen der Größe. In Görlitz dagegen haben Demirs bereits jede Menge unternommen. Viele Cafés haben sie schon besucht, „wenn man auf dem Untermarkt sitzt, hat das was von Urlaub.“ Im Kühlhaus waren sie, auf der Lausche im Zittauer Gebirge, auch beim Gesprächsforum im Theater zur Oberbürgermeisterwahl vorige Woche. Da hat Demir besonders die Ohren gespitzt, wenn es um wirtschaftliche Fragen ging. Er hat auch einen Überblick über wirtschaftliche Zahlen in Görlitz, wie Kaufkraft. Einerseits sind das nicht die besten Zahlen, Demir kennt aber auch das andere Extrem: Städte, in denen die Kaufkraft zwar hoch ist, aber inzwischen ein solches Überangebot herrscht, dass neue Einkaufszentren mit Leerständen öffnen.

Leerstand hat der Neiße-Park nicht. Mit der Infrastruktur ist Demir insgesamt sehr zufrieden. „Der Neiße-Park ist ja auch ganz neu, da sehe ich noch keinen Änderungsbedarf.“ Besonders positiv sieht er den großen Food-Court, also den Bereich mit Restaurant, Fleischer, Bäcker. Essen und Unterhaltung, diese beiden Dinge würden immer wichtiger für die Branche. Eines seiner Ziele ist es, der Marke Neiße-Park stärkere Außenwirkung zu verleihen. So wie das Einkaufszentrum selbst ist auch der Name noch jung. „Der muss etabliert werden.“ Zum Beispiel dadurch, dass man ihn öfter hört oder im Straßenbild häufiger liest – etwa groß an der Straßenbahn.

Wichtig ist Sevket Demir außerdem die Zusammenarbeit mit dem Handel in der Innenstadt. „Wir können nur mit der Innenstadt wachsen“, sagt er. Das sei eine Erfahrungssache. „Nehmen wir die verkaufsoffenen Sonntage. Einfach nur mit sonntags geöffneten Geschäften holt man heute nicht viele hinterm Ofen vor.“ Wichtig sei es, zu solchen Gelegenheiten auch Aktionen zu bieten. Je mehr daran mitwirken, desto größer sei zum einen die Außenwirkung. Und zweitens seien Marketing, Organisation und Finanzierung gemeinsam leichter zu stemmen. Das Lichterglanz-Fest in der Innenstadt voriges Jahr hat er sich angesehen, „hat mir sehr gut gefallen.“ Zu zukünftiger Zusammenarbeit hat es erste Gespräche mit dem Aktionsring der Görlitzer Innenstadthändler gegeben.

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