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Palmen aus dem Kaugummi-Automaten

Zwei Heidenauerinnen haben Spaß am Gärtnern. Jetzt teilen sie ihn als Erste in Sachsen über einen ungewöhnlichen Weg mit anderen.

Einmal drehen: Bianca Paßon zeigt, wie einfach es ist, den Automat zu bedienen, den sie mit Katrin Mugele auf der Sedlitzer Straße in Heidenau aufgehängt hat.
Einmal drehen: Bianca Paßon zeigt, wie einfach es ist, den Automat zu bedienen, den sie mit Katrin Mugele auf der Sedlitzer Straße in Heidenau aufgehängt hat. © Karl-Ludwig Oberthür

Es sieht aus wie ein Kaugummi-Automat, ist auch ein Kaugummi-Automat, nur kommen keine Kaugummis raus, sondern Dünger und Samen für Blumen oder Palmen. Florian Faust in einem kleinen Ortsteil des niedersächsischen Oldenburg hatte die Idee zu den Automaten. In seiner Nähe gibt es jemanden, der sie noch mit Kaugummis befüllt.  

Wenn so ein Automat für Kaugummis nicht mehr zu gebrauchen ist, bekommt Faust ihn. Er streicht ihn dann und bringt ihn wieder in Gang. Bisher hängen in Deutschland 51 solche Automaten, jeweils einer in Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Der in Heidenau ist der erste in Sachsen und steht dank der Postleitzahl 01809 an erster Stelle der Liste aller Faust-Apparate.

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Geld rein, drehen, gärtnern

Die Automaten-Paten sind Bianca Paßon und Katrin Mugele. Sie hatten im Internet bei "Flos Palmenoase" Samen bestellt. Dann sollte eine Bananenpflanze dazu kommen. Sie fragten, was da zu beachten ist, und kamen so ins Gespräch. Bei den beiden Frauen gedeiht alles, was sie bisher bestellten. Auch ein inzwischen zwei Meter hoher Eukalyptus. Für die 43-jährige Hausfrau Katrin Mugele und die 37-jährige Krankenpflegerin Bianca Paßon ist das Gärtnern Hobby und Ausgleich. Die Leidenschaft für etwas besondere Pflanzen teilen sie nun mit anderen. 

Der Automat wurde im April aufgehängt. Eigentlich etwas spät für die Wiesenblumen. Doch durch Corona konnten die Frauen zunächst nicht im Baumarkt die entsprechenden Befestigungen kaufen. Seit der Automat am Zaun auf der Sedlitzer Straße in Heidenau hängt, bleiben Spaziergänger oft stehen. 

"Das Interesse ist auf jeden Fall da", sagt Katrin Mugele. Ein Laden gewissermaßen, der kein Ladenschlussgesetz kennt und sieben Tage die Woche 24 Stunden geöffnet ist. Ein Euro- oder ein 20- Cent-Stück reinstecken, drehen, und der Versuch kann beginnen. 

Wie im Schulgarten

Aktuell sind neben dem Dünger, den es ganzjährig gibt, Samen für Bananenstauden und drei verschiedene Palmen in den an Überraschungseier erinnernden kleinen Plastebehältnissen. Überraschung ist auch, welche der drei Sorten unten rausfällt. Ein kleiner Zettel verrät dann, was man in der Hand hält.  Zum Beispiel zwei Samen für eine Washingtonia filifera. Das ist eine nordamerikanische Palme, die im Freien schon mal bis 18 Meter hoch werden kann, was in unseren  Breiten aber eher nicht zu erwarten ist.

Und sollte mal etwas doch nicht aufgehen, dann ist das bei einem Preis von einem Euro für den Samen und 20 Cent für den Dünger zu verkraften. "Einfach ordentlich vorkeimen, wie im Schulgarten, dann kann nichts schiefgehen", sagt Katrin Mugele. Neben dem Automaten gibt es noch einen kleinen Ständer mit Informationen zum Nachlesen. 

Diese kleinen Behältnisse kommen aus dem Automaten: Links eines mit Dünger, rechts zwei Samen für eine Palme.
Diese kleinen Behältnisse kommen aus dem Automaten: Links eines mit Dünger, rechts zwei Samen für eine Palme. © Karl-Ludwig Oberthür

Wenn der Inhalt des Automaten, jeweils 100 Kapseln in jedem der drei Fächer, zur Neige geht, rufen die Frauen bei Florian Faust an. Dann wird nachgeliefert. Über den Winter wird der Automat dann wieder mit Wiesenblumensamen bestückt. Die Paten betreuen die Automaten aus Spaß an der Freude, sagt Florian Faust. "Als Dankeschön gibt es ab und zu eine Pflanze." Er kennt sich mit Palmen-, Oliven und auch Zitruspflanzen aus und gibt auch auf Facebook Ratschläge und Hinweise.

Zur  Vorsicht steht noch am Automat: Kugelinhalt nicht zum Verzehr.  Das konnte den Sohn einer Freundin von Katrin Mugele nicht davon abhalten, eine handvoll Kapseln in falscher Annahme mit  nach Hause zu nehmen. Dass es keine Kaugummis sind, war letztlich klar. Das Rätsel wurde dann gemeinsam gelöst.

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