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Papa, wo bist Du?

Seit Dienstag vermisst Familie T. aus Heidenau Mann und Vater. Viel war an dem Tag wie immer. Bis auf ein paar unerklärliche Dinge.

Von Heike Sabel
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© dpa

Er trank morgens seinen Kaffee, aß sein Stück Bäbe und nahm seine Blutdrucktablette. So wie seit zig Jahren. Dann ging er in den Keller und zog seine Arbeitssachen an. Eine schwarze Hose, einen langen braunen Pullover, eine schwarze Weste mit vielen Taschen. Dann ging Harry T. am Dienstag auf Arbeit nach Dresden, wo er aber nie ankam.

Seine Familie merkte das erst am Abend, als er nicht wieder zu Hause erschien. Seine Frau hatte sich gewundert. Ihr Mann hatte Portemonnaie und Handy zu Hause gelassen. Auch Kaffee und Schnitten hatte er nicht wie sonst mitgenommen. Und die Schlüssel von beiden Autos, dem privaten und dem Dienstwagen, lagen noch da. „Er ging am Morgen aus der Haustür, aber wohin? Wir haben null Ahnung“, sagt seine 38-jährige Tochter Susan.

Zunächst dachten Frau, Tochter und Sohn, er wäre bei einem der anderen. Als das nicht zutraf, gingen sie zur Polizei. Die durchsuchte die Wohnung und die Autos, auch nach möglichen Abschiedsbriefen. Da hat die Familie geschluckt. Das ist für sie überhaupt nicht vorstellbar. Sie hatte vorher schon selbst im Handy geschaut, ob es komische Nachrichten oder unbekannte Anrufe gab. Nichts.

Eigentlich hätte Vater Harry am Dienstag gar nicht zu seiner Baufirma gemusst. Er habe aber seine Frau gefragt, ob es in Ordnung sein, dass er trotzdem mal hinfährt. Klar, kein Problem. „Bei uns ist alles in Ordnung, perfekt“, sagt Susan T. Es gibt keinen Ärger, keinen Stress, weder privat noch auf Arbeit, alle sind gesund. Weihnachten feierten alle zusammen. Tochter Susanne hat ihren Vater am zweiten Feiertag das letzte Mal gesehen, aber fast täglich mit ihm telefoniert. Nun treibt sie, ihre Mutter und ihren Bruder eine Frage um: „Papa, wo bist du verdammt noch mal?“

Polizei sucht bis zur Klarheit

Die Familie erhält viel moralische Unterstützung, doch wirklich helfen könne eben niemand, sagt Susan T. Sie hofft einfach, dass jemand ihren Vater gesehen hat und so vielleicht den entscheidenden Hinweis geben kann. Ein ehemaliger Chef von Harry T. beschreibt ihn als sehr fleißig, freundlich, ausgeglichen und ist ebenso sprachlos wie die Familie, Nachbarn, Bekannte, Gartenfreunde. Die Polizei hat bisher ebenfalls keine neuen Erkenntnisse. Sie sucht so lange, bis der Vermisste wieder da ist bzw. sein Aufenthaltsort bekannt ist. Im vergangenen Jahr war ein Eibauer zwei Monate lang gesucht und dann wohlbehalten in Krippen gefunden worden. Für den Start einer Vermisstensuche gibt es keine Zeit oder Frist, die abgewartet werden muss, sagt die Polizei. Die oft genannte 24-Stunden-Regel existiere bei Erwachsenen nicht. Bei Kindern wird die Suche bereits gestartet, wenn nicht klar ist, wo sie sich aufhalten.

Die Familie von Harry T. verlässt sich nicht nur auf die Polizei. Sie hat alles Mögliche in Bewegung gesetzt, nutzt die sozialen Medien. Doch mit jedem Tag, der vergeht, wird die Ungewissheit größer und wächst die Angst, es könnte etwas Schlimmes passiert sein. „Papa, egal was ist, komm’ wieder nach Hause“, sagt Susan T.

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