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Pegida-Bachmann provoziert mit Anleihen bei den Nazis

Für ein Foto hat sich der Anführer der „Patrioten“ wie Sänger Gabalier verrenkt. Das beschäftigte das Ordnungsamt.

Sänger Andreas Gabalier mit seiner umstrittenen Pose.
Sänger Andreas Gabalier mit seiner umstrittenen Pose. © PR

Ein Hakenkreuz passe nicht zu Pegida und Naziparolen wollten die selbsternannten Patrioten nicht hören bei ihren Umzügen. Das haben die zwei Anführer der Bewegung Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz immer wieder auf der Bühne gesagt. Und am 13. Februar sollten die Anhänger der islamfeindlichen Bewegung nicht nur der Dresdner Opfer gedenken, sondern auch derer in Coventry, setzte Bachmann am Montagabend hinzu.

Doch Begriffe, Symbole und Gesten, die an die Sprache und die Zeichen der Nationalsozialisten erinnern, benutzt Bachmann gern, um zu provozieren. Seine Anhänger ließ er am 14. Januar auf dem Neumarkt die Hand zu einer Abstimmung heben. „Die linke Hand“ betonte er und fand das lustig. Volksempfänger nannte er am Montag Geräte, mit denen die Liveübertragung der Kundgebung vor dem Hauptbahnhof verfolgt werden kann. Bachmann benutzte bewusst die Bezeichnung des Radiogeräts, das in der Nazizeit im Auftrag von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels entwickelt worden ist.

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Im Internet zeigte sich der Pegida-Frontmann, der 2016 wegen Volksverhetzung verurteilt worden ist, in einer Pose des österreichischen Sängers Andreas Gabalier und forderte seine Anhänger auf, es ihm nachzutun. Bei dieser „Gabalier-Kreuz-Challenge“, wie er das bezeichnete, verrenken sich die Abgebildeten wie der Österreicher auf seinem CD-Cover – Kritiker machen in dieser Pose ein Hakenkreuz aus. Auch auf der Pegida-Bühne ließen sich mehrere Pegidisten in dieser provozierenden Verrenkung aufnehmen. Sie stellten die Fotos ebenfalls ins Internet.

Die Bilder wurden daraufhin Thema für das Ordnungsamt der Stadt, die sicherlich unmittelbar vor dem Jahrestag der Bombardierung besonders sensibel auf mutmaßliche NS-Vergleiche reagiert. So hatten erst in den vergangenen beiden Jahren etwa bekannte Holocaust-Leugner zu Demos aufgerufen. Natürlich kritisierte Bachmann am Montagabend auch das Ordnungsamt, die Dresdner Versammlungsbehörde. Wenn es nach dieser ginge, so Bachmann, müsste man nun bei Pegida wohl besonders steif durch die Stadt spazieren.

Gegenüber der SZ teilte das Ordnungsamt nun mit: Bachmanns Pegida Förderverein sei lediglich aufgefordert worden, zu den Fotos Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahme sei versammlungsrechtlich bewertet worden. „Im Ergebnis ergeben sich derzeit keine unmittelbaren Folgen für die Folgeveranstaltungen.“ Das heißt, Pegida kann damit rechnen, trotz Hakenkreuzposen auf dem Neumarkt auch in der kommenden Woche wieder vor der Frauenkirche demonstrieren zu dürfen. Die Fotos, die auch auf Bachmanns Facebook-Seite zu sehen waren, sind inzwischen gelöscht.

Bachmann provoziert immer wieder mit Facebook-Kommentaren Ermittlungen. In Berlin läuft seit etwa einem Jahr ein Verfahren gegen ihn unter anderem wegen falscher Verdächtigung. Bachmann soll einen Jugendlichen mit Migrationshintergrund fälschlicherweise als Mörder der 14-jährigen Keira genannt haben.