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Pferde und Seen - passt das zusammen?

Das Reizthema ist schon seit Jahren ungelöst. Und kocht jetzt durch den Inselsee-Ärger wieder hoch. Anderswo gibt es Lösungsansätze.

So macht Reiten für Mensch und Tier am meisten Spaß. Doch die Seen im Kreis sind für Pferde tabu.
So macht Reiten für Mensch und Tier am meisten Spaß. Doch die Seen im Kreis sind für Pferde tabu. © Lisa Bergmann

Angelika Ludwig sitzt seit vielen Jahren hoch zu Ross, schon vor der Wende. "Zu DDR-Zeiten gehörte ein Badeausflug mit den Pferden zum Ferienprogramm des Reitvereins", berichtet die Horkaerin. "Ich selbst bin mit meinen Pferden im Sommer öfter baden gewesen." 2006 habe sie mit dem neuen Besitzer des Inselsees Kontakt aufgenommen und vorgeschlagen, aus dem Gewässer einen Tierbadesee zu machen. Denn: "Bademöglichkeiten für Menschen gibt es in unserer Gegend hinreichend, aber nirgends darf man offiziell seine Vierbeiner mitnehmen." Wie bekannt, wurde die Anregung nicht aufgegriffen. Deshalb zieht Angelika Ludwig folgendes Fazit: "Man sollte überdenken, ob nicht einer der drei Seen offizielle Badestelle für Reiter und Pferd werden könnte."

Das Verhältnis von Reitern und ihren Pferden auf der einen sowie den Besitzern, Pächtern oder Verantwortlichen für die Nutzung der Seen auf der anderen Seite ist schwierig. Nicht erst, seitdem der Ärger zwischen drei Reiterinnen und dem Pächter des zwischen Biehain und Kaltwasser gelegenen Inselsees wieder hochgekocht ist (SZ berichtete)

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Als Ausweg Reiturlaub in Polen

Ludwigs Vorschlag würde wohl auch Matthias Barth begrüßen. Der Chef des Reit- und Fahrvereins "Wehrkirch" ist zugleich Tierarzt und hält die Sehnsucht von Reitern und Pferden nach einer Badestelle für durchaus begründet. "Früher haben wir die Pferde nach einer Belastung in die 'Schwemme' gestellt - in einen Teich oder Bach, zehn bis 15 Minuten. Das Horn am Huf nimmt so Feuchtigkeit auf und ist nicht mehr so trocken." Zudem würden die Pferde an den Umgang mit Wasser gewöhnt. Heute habe man jedoch kaum noch die Möglichkeit dazu. Im Umkreis von einer Stunde Reitzeit gebe es nichts, bedauert Barth. Deshalb würden inzwischen viele Pferdefreunde Reiturlaub in Polen machen. "Dort stört das niemanden, wenn du an einem wenig frequentierten See mit den Tieren ins Wasser gehst."

Auch Kristin Kuhn vom Pferdesportverein Am Geyersberg in Kodersdorf würde gern mit den stattlichen Vierbeinern baden gehen. "Wir haben leider kein geeignetes Gewässer. Bei den tropischen Sommern der letzten Jahre würde das den Tieren aber guttun", ist sie sicher. Zudem würde ein Ritt durch die Fluten oder gar das Schwimmen andere Muskelgruppen beanspruchen. "Das wäre zusätzliches Training und auch für die Reiter-Pferd-Bindung wichtig."

Zusammen ins Wasser gehen ist legal nirgendwo in der Region möglich. Es sei denn, private Teichbesitzer drücken mal ein Auge zu.
Zusammen ins Wasser gehen ist legal nirgendwo in der Region möglich. Es sei denn, private Teichbesitzer drücken mal ein Auge zu. © Lisa Bergmann

Allerdings scheint es aktuell nirgendwo im Norden des Landkreises möglich zu sein, mit Pferden legal ins Wasser zu gehen. Auch an den Tagebaurestlöchern wie Bärwalder oder Berzdorfer See nicht. LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber erklärt: "Wir sind für die Übergabe dieser Gewässer an die späteren Nutzer zuständig, nicht für die Ausgestaltung möglicher Folgeverträge." Dies sei Sache der Anliegergemeinden. Entsprechende Vereinbarungen zu treffen, dürfte laut Steinhuber allerdings nicht ganz einfach sein. Denn Pferde bedeuteten eine erheblich höhere Last, die Ufer müssten entsprechend trittsicher sein. Zwar mache es sicherlich Sinn, entsprechende Stellen auszuweisen, doch Voraussetzung sei ein Antrag bei der Landesdirektion. "Natürlich müsste sich dabei jemand den Hut aufsetzen und als Antragsteller auftreten."

Anliegergemeinden müssten Antrag stellen

Die Gemeinde Boxberg hat das im Falle des Bärwalder Sees noch nicht getan. "Laut unseren Satzungen zur Strandnutzung sind Pferde hier nicht erlaubt", sagt Roman Krautz von der Stabsstelle Bärwalder See. So können Reiter und Pferde ihre Blicke momentan nur sehnsuchtsvoll über die Fluten schweifen lassen. Denn immerhin ist das Reiten auf allen öffentlichen Straßen und Wegen erlaubt. "Und zusätzlich auf solchen, die als Reitwege gekennzeichnet sind", ergänzt Matthias Barth.

Dass es Ideen für ein Miteinander von Mensch und Tier geben kann, beweist ein Blick an den Partwitzer See an der Grenze zu Brandenburg. Dort betreibt Karin Mietke ihren "Partwitzer Hof" mit vielen Angeboten rund ums Reiten. Aktuell gibt es auch dort keine Stelle, wo Pferde ins Wasser können. Nur ein paar Sandstrände ohne Badebetrieb und eine Löschwasserentnahmestelle, an der sich Reiter nicht um das Betretungsverbot scheren. Allerdings ist man trotzdem schon einen Schritt weiter als an den Tagebauseen im Landkreis Görlitz. "Zusammen mit der Gemeinde Elsterheide haben wir besprochen, dass ein Tierbadestrand entstehen soll", erklärt die Reitstallbesitzerin. Der sei zwar noch in der Planungsphase, aber Bestandteil im künftigen Dorfentwicklungsplan.

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