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Graupas Kirche bekommt was aufs Dach

Die alten Biberschwanzziegel müssen runter. Es gibt allerdings noch eine zweite Baustelle an dem Gotteshaus.

Pfarrer Burkhard Nitzsche steht auf einer Wiese mit der Graupaer Kirche im Hintergrund. In der Hand hat er eine Zeichnung des neuen Glockenstuhls.
Pfarrer Burkhard Nitzsche steht auf einer Wiese mit der Graupaer Kirche im Hintergrund. In der Hand hat er eine Zeichnung des neuen Glockenstuhls. © Daniel Schäfer

Man sieht es der ehrwürdigen Dame nicht an, aber die Kirche in Graupa hat zwei Probleme, die es in sich haben. Zum einen muss das Dach komplett erneuert werden. "Und ebenso der Glockenstuhl", sagt Burkhard Nitzsche. Er ist Pfarrer der Kirchgemeinde Graupa-Liebethal.

Fledermaus verschiebt den Bau auf den Herbst

Die Kirche Graupa wurde vor gut 100 Jahren errichtet und damals mit Biberschwanzziegeln gedeckt. Das bedeutet, die Ziegel sind jetzt über 100 Jahre alt und haben ihre Lebensdauer überschritten. "Es ist ein Wunder, dass das Dach überhaupt so lange gehalten hat", erklärt Nitzsche. Vielleicht ja auch nur deshalb, weil zwischendurch immer wieder einzelne Notreparaturen  ausgeführt worden sind.

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Doch damit ist jetzt Schluss. Die Kirchgemeinde hat sich gegen weitere Flickmaßnahmen, sondern für eine Komplett-Sanierung des Daches entschieden. Das jetzige Dach wird abgenommen und durch ein neues ersetzt. Bei der Deckung greifen die Fachleute wieder auf das bekannte Material, nämlich auf Biberschwanzziegel zurück. "Wir hatten keine Wahl. Das schreibt uns die Denkmalbehörde vor", so Nitzsche. Allerdings sei die Qualität der heute gefertigten Ziegel wesentlich hochwertiger als noch vor 100 Jahren. Erneuert werden auch u.a. die Traufsteinverkleidungen  und die Vogelwelt darf sich freuen, denn vorgesehen sind ebenfalls Nistquartiere für Sperlinge.

Das Gerüst soll ab August montiert werden. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert wird die Baumaßnahme im Dezember/Januar abgeschlossen. Eine Dacherneuerung im Winter? Nitzsche ist sich durchaus bewusst, dass der Zeitpunkt nicht unbedingt optimal ist. Schuld an dem relativ späten Beginn der Baumaßnahme ist die Fledermaus. Konkret handelt es sich um die Arten Graues Langohr sowie Großes Mausohr, die unter dem Graupaer Kirchendach ihr Sommerquartier haben, weshalb sie in dieser Zeit nicht gestört werden dürfen. "Deshalb mussten wir auch ein Fledermausfachkonzept erstellen lassen und haben eine ökologische Baubegleitung", berichtet der Theologe. Auch für die fliegenden Säugetiere werden im Zuge der Dacherneuerung zusätzliche Nisthilfen angebracht. Der Gottesdienst ist von den Arbeiten nicht betroffen. Die Feiern finden auch während der Bauphase wie üblich statt.

Aus der Portokasse ist das Unternehmen natürlich nicht zu finanzieren. Insgesamt werden 454.000 Euro investiert. Fördergelder in Höhe von 125.000 Euro kommen über das Leader-Programm rein. Die Restsumme wird aus Mitteln der Landeskirche sowie aus Eigenmitteln der Kirchgemeinde gestemmt.

Neuer Glockenstuhl aus Holz

Bei der genaueren Untersuchung des Kirchendaches stießen die Fachleute allerdings auf ein zweites Problem. Der Glockenstuhl aus Stahl ist im unteren Bereich stark angerostet. "Wenn wir hier nicht handeln, müsste unser Geläut verstummen", beschreibt Burkhard Nitzsche die brisante Lage. Auch bei dieser Baustelle ist eine komplette Erneuerung angedacht. Der alte Stuhl wird demontiert und ein neuer aus Holz eingebaut. "Holz eignet sich besser vom Schwingverhalten als Stahl", erläutert der Pfarrer die Material-Wahl. Die Arbeiten am Glockenstuhl dauern voraussichtlich von Oktober 2020 bis Sommer 2021. In dieser Zeit muss die Kirchgemeinde auf das Geläut verzichten.

Die jetzigen drei Glocken stammen aus dem Jahr 1957. Sie bleiben erhalten, bekommen aber jeweils einen neuen Klöppel. "Die Glocken lassen wir aus Respekt vor unseren Vätern und Müttern, die in den 50er-Jahren  das Geld dafür gesammelt haben, obwohl es eine wirtschaftlich schwierige Lage war", berichtet Nitzsche.

Und auch diesmal wird wieder gesammelt. Insgesamt kostet der neue Glockenstuhl 46.000 Euro. 20.000 Euro wurden bei der Landeskirche beantragt, 15.000 Euro wird aus den Rücklagen der Gemeinde genommen. Folglich fehlen noch 10.000 Euro Spenden. Deshalb wurde ein Flyer gedruckt und verteilt.  Außerdem informiert die Kirchgemeinde regelmäßig auf ihrer Internetseite über den aktuellen Spendenstand und das gesamte Vorhaben.

Liebevoll schaut Pfarrer Nitzsche auf die Graupaer Kirche. Die geplanten Instandsetzungsmaßnahmen machen viel Mühe. Glücklicherweise muss er nicht alles alleine stemmen. Es wurde eine fünfköpfige Arbeitsgemeinschaft Kirchendach gegründet. "Somit verteilen wir die Arbeit, wie es in einer guten Gemeinde eben auch funktionieren soll", sagt Nitzsche.

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