merken
PLUS Pirna

Kleinkunstbühne kämpft ums Überleben

Das Q 24 Pirna e.V. meldet sich wieder zurück. Sächsische.de sprach mit Geschäftsführerin Petra Schneider über eine ungewisse Zukunft.

Petra Schneider ist die Geschäftsführerin des Vereins Kleinkunstbühne Q 24 in Pirna.
Petra Schneider ist die Geschäftsführerin des Vereins Kleinkunstbühne Q 24 in Pirna. © Norbert Millauer

Frau Schneider, am 7. März musste die Kleinkunstbühne coronabedingt schließen? Was hat das für Folgen für das Q 24?

Es geht ums Überleben des Vereins. Die finanziellen Einbußen sind enorm. Wir haben keine Einnahmen bei laufenden Ausgaben, wie zum Beispiel die Miete.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Droht dem Q 24 das Aus?

Schwer zu sagen. Jetzt müssen wir erstmal in die Zukunft schauen. Die Hälfte der Plätze bedeutet weniger Einnahmen. Wir haben mit den Künstlern gesprochen, sie gehen mit ihren Honoraren runter. Für die hochwertigen Veranstaltungen brauchen wir jetzt vermehrt Sponsoren. Mehrere Firmen haben wir bereits um Hilfe gebeten, von einigen liegt schon eine positive Rückmeldung vor. Fazit: Mit den Künstlern zusammen wollen wir für das Publikum da sein. Das Q 24 ist eine gefragte Einrichtung. Wir wollen ein Zeichen setzen, dass es mit der Kultur weitergeht.

Wie gehen die Künstler selber mit der Krise um?

Ihre Arbeit und die der gesamten Branche wurde von 100 auf Null runtergefahren. Klar, viele stehen vor dem Punkt, dass sie um ihre Existenz fürchten müssen. Wir haben viele Gespräche geführt.

Hat in einigen Fällen auch das Internet geholfen? Der Freitaler Liedermacher Whysker hat zum Beispiel über das Netz Kinder in den Schlaf gesungen.

Ja, viele hatten tolle, kreative Ideen sich trotz der Krise online zu präsentieren. Man merkt deutlich den Willen, dass es weitergehen soll. Aber das Internet ersetzt natürlich nicht eine Live-Veranstaltung, bei der der Künstler ganz anders auf das Publikum reagieren kann und umgekehrt.

Wann kann das Publikum im Q24 wieder auf die Künstler treffen?

Wir beginnen am 3. September mit der Veranstaltung Pinks Choice. Das ist ein neues Pink-Floyd-Projekt mit Künstlern aus der Region. Die Begeisterung für die experimentell-innovative Kunst der 1965 gegründeten britischen Kultband führte sie zusammen, auf den Pfaden des Originals zu wandeln. Feinfühlig und an den Vorlagen orientiert präsentieren sie ihre Lieblingstitel und streifen dabei mehrere Schaffensperioden. Die Veranstaltung ist ausverkauft. 

Die Künstler Dirk Pursche und Stefan Klucke treten am 5. September mit ihrem Musik-Kabarett Schwarze Grütze im Q 24 in Pirna auf.
Die Künstler Dirk Pursche und Stefan Klucke treten am 5. September mit ihrem Musik-Kabarett Schwarze Grütze im Q 24 in Pirna auf. © Stefan Hoyer

Ein weiterer Höhepunkt ist dann am 4. September. Gisela Steineckert und Dirk Michaelis treten mit dem Programm „Wo wär denn Heimat“ auf. Heimat für die beiden ist auch das Q 24, da jeder Auftritt für sie wie ein Heimspiel ist. Neue Lieder und Texte haben sie im Gepäck, denn der erzwungene Stillstand im Land gibt ihnen auch die Möglichkeit, sich aktuellen, kreativen Projekten zu widmen. Einen Tag später, am 5. September, heißen wir wieder das Musik-Kabarettduo Schwarze Grütze aus Potsdam willkommen. Dirk Pursche und Stefan Klucke legen den Finger in die offene Festplatte der Gesellschaft. Da trifft künstliche auf künstlerische Intelligenz und Download auf Herzblut. Die beiden bösen Barden bleiben ihrem Ruf treu: Pechschwarzer Humor paart sich mit genialen Wortspielen. Für beide Veranstaltungen gibt es noch Karten.

Sämtliche Veranstaltungen finden unter Hygienemaßnahmen statt.

Ja. Im Moment dürfen wir die Stühle auf einen Abstand von einem Meter stellen. So haben wir rund 70 Plätze zur Verfügung; das ist die Hälfte von der vollen Platzkapazität in unserem Saal. Beim Rein- und Rauskommen sowie an der Bar und in den Toilettenräumen müssen Masken getragen werden. Die Gäste werden auf ihre Plätze gewiesen. Von Stehveranstaltungen sehen wir derzeit komplett ab.  

Welche Maßnahmen muss der Staat ihrer Meinung nach ergreifen, um die Künstler zu unterstützen?

Die Politik darf die Kultur nicht vergessen. Es muss klar sein, wie wichtig Kultur und Kleinkunst für die gesamte Gesellschaft sind. Da fällt mir der Spruch von Johannes Rau ein. Er sagte: Kultur ist nicht die Sahne auf dem Kuchen, sondern die Hefe im Teig. Das trifft meiner Meinung nach genau den Punkt. 

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen. 

Mehr zum Thema Pirna