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Aus Kante wird Rampe

Sonja Pick hat einen behinderten Sohn. Jetzt regte die Pirnaerin an, einen Zugang zum Obi-Markt stufenlos umzubauen. Sie wurde erhört.

Sonja Pick (v. li.) mit ihrem Sohn Stefan und Claudia Kappis, Leiterin des Obi-Baumarktes Pirna, stehen vor der neuen Rampe zum Markt.
Sonja Pick (v. li.) mit ihrem Sohn Stefan und Claudia Kappis, Leiterin des Obi-Baumarktes Pirna, stehen vor der neuen Rampe zum Markt. © Daniel Schäfer

Stefan Pick liegt auf dem Sofa im Wohnzimmer. Da es sehr warm ist, hat seine Mutter Sonja nur eine leichte Decke über ihn gelegt. Im Radio spielt leise Musik. Manchmal  bewegt Stefan seine Arme.  

Liebevoll schaut Sonja Pick auf ihren "Jungen". Der "Junge" ist 49 Jahre alt und von Geburt an schwer behindert. Aufgrund einer Krankheit in der Schwangerschaft, berichtet Sonja Pick. So wurde Stefan Pick  blind geboren, kann nicht sprechen, ist geistig zurückgeblieben und auf einen Rollstuhl angewiesen. "Er ist wie ein Baby, mein großes Baby", sagt  die Mutter und lächelt leise. 

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Betreuung allein übernommen

Da ihr Mann bereits verstorben ist, hat Sonja Pick die Pflege und Betreuung ihres Sohnes allein übernommen. Das bedeutet Füttern, Anziehen, Hilfe bei der Hygiene, ins Bett bringen, einfach alles. "Das Komplizierteste ist, dass Stefan die Nachtruhe nicht einhält", berichtet die 72-Jährige. Nachts wacht er oft auf, sodass sie dann ebenfalls aufstehen muss. Natürlich hätte sie Stefan auch in ein Pflegeheim geben können. Aber das bringt sie nicht übers Herz. "Noch nicht", sagt sie mit Blick auf ihr eigenes Alter. Im Heim wäre es für ihn eine fremde Umgebung mit fremden Menschen. "Aber mir selber würde Stefan auch sehr fehlen", betont die Pirnaerin. 

Spontane Küsse

Denn sie bekommt viel von Stefan zurück. "Seine Liebe und manchmal ganz spontan einen Kuss. Das sind dann immer ganz besondere Momente für mich", sagt Sonja Pick. Jedes Mal, wenn Stefan lacht, freut sie sich mit. "Er kann ganz herzlich lachen, oftmals spontan, ohne Anlass. Ich weiß ja auch nicht immer genau, was in ihm vorgeht." 

Beide verstehen sich auch ohne Worte. "Stefan zeigt mir oftmals, was er möchte", berichtet Sonja Pick. Zum Beispiel weiß sie, dass ihr Sohn gerne draußen ist.  Trotz seiner Seh- und Hörbehinderung spürt er die Natur und erfreut sich daran. Davon ist Sonja Pick überzeugt, und das kann sie auch an seinen Reaktionen ablesen. Oft sitzt sie mit ihm in dem grünen  Hinterhof, der zu ihrer Mietwohnung gehört. 

Dankbar ist Sonja Pick auch für die Hilfe und Unterstützung von den Nachbarn und ihrer Tochter. "Wenn ich mal weg muss und Stefan  nicht mitnehmen kann, dann kommen sie und sind bei Stefan. Sonst hätte ich kein gutes Gefühl", erklärt die Rentnerin. 

Obi-Markt handelt sofort

Nicht nur die Nachbarn und Freunde sind an Stefans und ihrer Seite. Verständnis zeigte  jetzt auch der Obi-Baumarkt in Pirna an der Dresdner Straße. Da Stefan Pick gerne mit dem Elektro-Rollstuhl in Begleitung seiner Mutter unterwegs ist, besuchen die zwei oft den großen Baumarkt, der eine Bäckereifiliale hat.  

Da sie aus Richtung Einsteinstraße kommen,  verläuft der schnellste Weg zwischen dem Obi-Markt und dem dem TTM-Markt. Dieser Fußweg zum Obi-Parkplatz hatte aber bis vor Kurzem eine höhere Bordsteinkante, die für den schweren Elektro-Rollstuhl unpassierbar war. Deshalb musste Familie Pick einen Umweg gehen. 

Jetzt wandte sich Sonja  Pick an die Marktleitung, mit der Bitte, die Kante durch eine schiefe Ebene zu ersetzen. Marktleiterin Claudia Kappis kam dem sofort nach und ließ eine Rampe an diese knifflige Stelle bauen. Umgehend bedankte sich Sonja Pick bei der Obi-Leitung und fügt hinzu: "Die Rampe kommt ja auch anderen Menschen zugute, zum Beispiel Personen, die auf einen Rollator angewiesen sind, oder Müttern mit Kinderwagen", sagt Sonja Pick. 

Dem kann Claudia Kappis nur zustimmen. Den Obi-Markt in Pirna hat sie erst im März übernommen. "Als ich von dem Problem durch Frau pick erfuhr, war ich dankbar für den Hinweis der Kundin. Natürlich haben wir sofort gehandelt, denn ich persönlich finde es sehr wichtig, dass Menschen mit einer Behinderung am normalen Leben teilhaben können", sagt Kappis in diesem Zusammenhang.  

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