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Plädoyer für die Dorfschulen

Manuela Helleken ist die neue Leiterin der Krögiser Grundschule. Sie schwärmt von der Schule auf dem Land.

Lehrerin war schon immer ihr Traumberuf, sagt Manuela Helleken, die aus Löthain stammt und in Meißen geboren wurde. Sie ist jetzt auch ganz offiziell die neue Schulleiterin in Krögis.
Lehrerin war schon immer ihr Traumberuf, sagt Manuela Helleken, die aus Löthain stammt und in Meißen geboren wurde. Sie ist jetzt auch ganz offiziell die neue Schulleiterin in Krögis. © Claudia Hübschmann

Es klingelt gerade zur großen Pause. Da ist es in Krögis nicht anders als in anderen Schulen und vor allem eines: laut. Manuela Helleken steht zwischen den Schülern und lächelt. Sie hat ein dickes Fell und starke Nerven. Muss sie auch haben. Denn sie ist Lehrerin. Und nicht nur das. Seit kurzem ist sie auch ganz offiziell die neue Leiterin der Grundschule Käbschütztal in Krögis.

Das ist völlig neu für die 55-Jährige, war nicht in ihrem Lebensplan. Die Beförderung war auch einem traurigen Schicksal geschuldet. Vor zweieinhalb Jahren erkrankte die damalige Leiterin Ute Diebler schwer. Manuela Helleken, die erst in der damaligen Schule Niederjahna unterrichtete, nach deren Schließung nach Krögis wechselte, wurde als kommissarische Schulleiterin eingesetzt. 

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Als die Schulleiterinnenstelle ausgeschrieben wird, bewirbt sie sich. „Die Stelle war vakant, ich bin schon viele Jahre hier, habe zahlreiche Schulprojekte mit vorbereitet, kenne die Kolleginnen sehr gut“, sagt die gebürtige Meißnerin, die lange in Löthain wohnte, seit Anfang der 1990 Jahre aber in Dresden. Ihr Mann arbeitet dort ebenfalls als Lehrer.

Seitdem hat Manuela Helleken einen langen Schulweg von Dresden nach Krögis. „Ich nehme das aber gern in Kauf. Wir haben einen festen Kollegenstamm, die Schule hat einen guten Ruf, die Gemeinde unterstützt uns“, sagt sie und schwärmt über Dorfschulen. „Eine Schule auf dem Land ist etwas ganz anderes als in der Stadt. Jeder kennt jeden, es gibt ein sehr gutes Verhältnis zu den Eltern. Probleme wie Respektlosigkeit vor den Lehrern oder Prügeleien unter den Schülern gibt es bei uns nicht“, sagt sie. 

Alles sei familiär, soweit man das bei 100 Schülerinnen und Schülern, die von sechs Lehrerinnen und abgeordneten Pädagogen unterrichtet werden, sagen kann. Wenn sie so schwärmt, scheint es fast so, als lebe man in Krögis auf einer Insel der Glücksseeligen.

Sicher profitiert sie dabei auch noch etwas vom Führungsstil ihrer Vorgängerin, den manche als autoritär, mindestens aber als streng, bezeichnen. „Wir sehen schon zu, dass Regeln und Normen eingehalten werden. In einer Schule ist es schließlich wichtig, dass Disziplin herrscht“, sagt die 55-Jährige. 

Andere grüßen, die Tür aufhalten, dies sei in der Krögiser Schule selbstverständlich. „Es herrscht eine angenehme Atmosphäre, ein gutes Verhältnis zu den Eltern. Wir als Erwachsene leben das vor, nicht nur die Lehrer, auch die Eltern. So etwas prägt die Kinder“, so die Schulleiterin, die übrigens nicht verbeamtet ist. Die Altersgrenze dafür hat sie überschritten.

Lehrerin wollte sie schon immer werden, es gab nie einen anderen Berufswunsch, sagt Manuela Helleken. Folgerichtig studiert sie am Institut für Lehrerbildung in Nossen, wo damals Grundschullehrerinnen ausgebildet werden. Nach der Wende ändert sich einiges. Der Beruf sei vielfältiger geworden, die Aufgaben umfangreicher. Es werde jetzt viel mehr Wert auf individuelles Lernen gelegt. Und dennoch oder gerade deswegen sagt sie: „Ich habe meine Berufswahl nie bereut.“

Alle 100 Mädchen und Jungen besuchen in Krögis übrigens den Hort. Sehr gut genutzt werden auch die Ganztagsangebote. Dennoch wehrt sich die Chefin gegen den Begriff „Ganztagsschule“. „Es gibt in Sachsen keine Ganztagsschulen. Wir sind eine Grundschule mit Ganztagsangeboten“, sagt sie. Die Schule ist gut ausgelastet. Ausgelegt für Einzügigkeit, also jeweils eine Klasse pro Klassenstufe, gab es zeitweise auch schon mal insgesamt sechs Klassen. Bis zu 120 Mädchen und Jungen könnten in Krögis unterrichtet werden, es ist also durchaus noch Luft.

Als es vor Jahren darum ging, dass die Gemeinde Käbschütztal mit der Stadt Meißen fusioniert, wurde die Schule als Argument vorgeschoben. Ohne die Fusion könne sie nicht überleben, weil es künftig zu wenige Schüler aus dem Gemeindegebiet gebe. Mit Meißen hingegen würde der Grundschulbezirk erweitert. Die Fusion scheiterte, doch die Schule gibt es immer noch. Die Argumente waren von den Meißen-Befürwortern an den Haaren herbeigezogen.

Manuela Helleken unterrichtet derzeit Mathe, auch für Deutsch ist sie ausgebildet. Und sie arbeitete auch schon als Inklusionslehrerin. Dass es in der Schule derzeit sieben Inklusionskinder gibt, darauf ist sie besonders stolz. In Krögis gibt es für sie sehr gute Voraussetzungen, beispielsweise einen Fahrstuhl für Körperbehinderte.

Auch in Krögis hält der Trend an, dass sich die Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule - oder besser deren Eltern - für das Gymnasium entscheiden. Zeitweise hatte die Hälfte eine solche Bildungsempfehlung. „Dennoch haben sich manche trotz Empfehlung für das Gymnasium für die Oberschule entschieden. Das liegt wohl auch an der guten Zusammenarbeit und Kooperation mit der Oberschule in Lommatzsch“, sagt sie.

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So gern sie ihren Beruf ausübt, so gern ist sie aber auch in ihrem Zuhause. Dort erholt sie sich beim Lesen, fotografiert gern, hört Musik und verreist oft mit ihrem Mann. Und es stört sie nicht, dass ihr Sohn nicht dem Beruf der Eltern folgt. Er studiert zwar, doch mit Pädagogik hat er nichts am Hut. „Er hat ja die ganzen Jahre über hautnah miterlebt, was alles mit dem Lehrerberuf verbunden ist“, sagt sie. Und weiß nur zu gut: Vor allem braucht man starke Nerven.

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