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Wenn die Firma plötzlich den Chef verliert

Anfang des Jahres starb der Geschäftsführer eines Familienbetriebs in Großharthau. Für Frau und Sohn eine schwere Zeit.

Bärbel und Marcus Teich mussten in den letzten Monaten einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Doch sie schauen nach vorn und führen die Firma Kmoch & Teich in Großharthau weiter - das Lebenswerk des Ehemanns und Vaters.
Bärbel und Marcus Teich mussten in den letzten Monaten einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Doch sie schauen nach vorn und führen die Firma Kmoch & Teich in Großharthau weiter - das Lebenswerk des Ehemanns und Vaters. © SZ/Uwe Soeder

Großharthau. Leicht waren die letzten Monate nicht. Bärbel Teich sitzt im Büro der Firma Kmoch & Teich in Großharthau. Auf ihrem Schreibtisch liegt eine Menge Arbeit. Genauso wie auf dem Schreibtisch gegenüber. Nur dass dort seit Ende letzten Jahres nicht mehr ihr Mann sitzt und den Laden schmeißt. Sohn Marcus hat seinen Platz eingenommen, arbeitet sich gerade in die kaufmännische Materie ein. Seine Mutter - eine zierliche 53-jährige Frau - hat immer wieder mal Tränen in den Augen, wenn sie darüber spricht. Der schwere Schicksalsschlag ist noch allgegenwärtig.

Manchmal ist es so im Leben, dass man Dinge vorher nicht planen kann. Knall auf Fall stand der Familienbetrieb im November vorigen Jahres ohne Chef da - und das Leben von Bärbel und Marcus Teich vollkommen auf dem Kopf. Bei einer Jagd erlitt Andreas Teich, 54 Jahre alt, alleiniger Geschäftsführer des Großharthauer Familienbetriebes, aus heiterem Himmel einen epileptischen Anfall. Im Krankenhaus stellten die Ärzte schließlich fest, dass zwei hochgradig aggressive und schnell wachsende Tumore der Grund dafür waren. Gespürt habe ihr Mann bis zu diesem Tag nichts davon. „Er hatte keinerlei Symptome“, erzählt seine Witwe. Keine Kopfschmerzen, keine Ausfallerscheinungen. 

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Die Mediziner machten dem Unternehmer wenig Hoffnung, rieten aber zur Operation. Denn damit könne er noch etwas Zeit gewinnen. Ein Jahr vielleicht. Oder anderthalb. Doch es sollte anders kommen. Nach der ersten OP war Bärbel Teich noch zuversichtlich. Nach der zweiten verschlechterte sich der Zustand ihres Mannes rapide. Kurz darauf, im Februar, starb er.

Nachfolge war noch kein Thema

Bis zu seiner schweren Krankheit hatte Andreas Teich die Zügel in seiner kleinen Firma, die Fenster, Türen, Tore, Sonnen- und Insektenschutz liefert, montiert, repariert und wartet, fest in der Hand, war ein fairer und beliebter Geschäftspartner. Ehefrau Bärbel unterstützte ihn im Büro, Sohn Marcus – ein gelernter Tischler – baute in der firmeneigenen Werkstatt Rollladen und Mückenschutz für Fenster wie Türen und fuhr für Reparaturen zu Kunden. Dass er die Firma später einmal übernehmen sollte, war zwar einerseits klar, aber andererseits noch gar kein Thema. „Mit 54 denkt man doch nicht über die Übergabe des Betriebes nach“, sagt Marcus Teich. 

Der Firmenchef hinterließ eine große Lücke. Nicht nur in der Familie, für die er immer da war. Auch in der Firma, die er im Januar 1991 gegründet hatte, fehlten er und seine Erfahrung an allen Ecken und Enden. Gestartet war der Großharthauer kurz nach der Wende gemeinsam mit Volker Kmoch, erzählt Bärbel Teich. Damals suchte eine Demitz-Thumitzer Bauelemente-Firma Subunternehmer.

Nach der Wende die Selbstständigkeit gewagt

Im ehemaligen VEB Fortschritt sah der gelernte Schweißer, der zu der Zeit in Kurzarbeit war, keine Zukunft. Also wagte er gemeinsam mit seinem Kompagnon den Schritt in die Selbstständigkeit. Vor 20 Jahren verließ Volker Kmoch dann die gemeinsame Firma, um die elterliche Gaststätte in Demitz-Thumitz weiterzuführen. Andreas Teich blieb. So wie der Name Kmoch & Teich, erzählt die Geschäftsfrau. Schließlich hatte sich ihr Betrieb im Laufe der Jahre einen guten Ruf erarbeitet. 

Kein Wunder also, dass das Auftragsbuch prall gefüllt war, als der immer energiegeladene Chef des Hauses von einem Tag auf den anderen ausfiel. Eine Stresssituation sondergleichen. Ehefrau und Sohn hielten das Geschäft am Laufen. Wirbelten jeden Tag bis halb fünf in der Firma und fuhren danach in die Uniklinik. Meist waren sie erst halb oder um neun wieder zu Hause. „In der Zeit hat man eigentlich nur funktioniert“, erinnert sich der 34-jährige Junior. 

Ohne die Unterstützung, die sie von allen Seiten bekamen und noch bekommen, wäre das nicht machbar gewesen, betont die neue Geschäftsführerin. Die Lieferanten, mit denen Andreas Teich seit Jahrzehnten zusammengearbeitet hatte, machen Marcus für seinen neuen Aufgabenbereich fit, fahren bei Bedarf auch mal mit auf eine Baustelle. Die zwei firmeneigenen Monteure verraten ihm diverse Kniffe. Die Kunden bringen Verständnis dafür auf, dass er noch nicht ad hoc auf jede Frage eine Antwort geben kann. "Dafür ist unsere Produktpalette einfach viel zu groß, als dass er das in der kurzen Zeit alles schon wissen könnte", kommentiert Bärbel Teich. So ins kalte Wasser geworfen zu werden, sei schon hart. 

Werkstatt bietet Ausgleich zur Büroarbeit

Wenn ihm der Bürokram mal wieder über den Kopf wächst, dann verschwindet Marcus für eine Weile in seine geliebte Werkstatt. Dort erinnert er sich oft daran, dass ihm sein Vater so manches Mal gesagt hat, dass er ihn um seine Werkelei beneidet. „Damals hat Marcus darüber gelächelt. Jetzt weiß er, was mein Mann meinte“, sagt Bärbel Teich, die froh darüber ist, dass ihr auch das Steuerbüro in dieser schweren Zeit vieles abgenommen habe. Schließlich gab es zahllose Fragen zu klären. 

Die Nachricht vom Tod ihres Mannes habe viele Menschen bewegt. Das habe sie an den unzähligen Anteil nehmenden und Mut machenden Kondolenzbriefen und den vielen Trauergästen bei seiner Beerdigung gesehen. „Der Friedhof war schwarz vor Menschen“, so die 53-Jährige. Aber sein Tod habe auch Gerüchte hervorgebracht. Zum Beispiel, dass es die Firma nicht mehr gibt. Doch Bärbel Teich macht weiter. So lange, bis ihr Sohn so weit ist, um die Verantwortung für das Geschäft zu übernehmen.   

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