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So fasste die Polizei die Dresdner Tankstellenräuberin

Ein Kunde in einem Lebensmittelladen gab den entscheidenden Hinweis. Doch noch fehlt ein Beweisstück.

Blick auf die überfallene Star-Tankstelle in Dresden.
Blick auf die überfallene Star-Tankstelle in Dresden. © Roland Halkasch

Der wichtigste Zeugenhinweis kam aus dem Rewe-Markt am Wiener Platz. Dort hat ein Mann bereits am Donnerstagnachmittag eine verdächtige Frau entdeckt. Die Täterbeschreibung passte: schlank, etwa 1,75 Meter groß, Deutsch, schwarze Kleidung, weiße Turnschuhe. Sie war mit einem jungen Mann unterwegs, der eine auffällige Jacke mit großen Buchstaben auf beiden Ärmeln trug. Der Zeuge alarmierte die Polizei, die Beamten werteten die Videoaufnahmen aus dem Geschäft aus und entdeckten die Verdächtigen, die Frau und ihren Begleiter. 

Mit diesem Fahndungsfoto suchte die Polizei öffentlich nach der Frau.
Mit diesem Fahndungsfoto suchte die Polizei öffentlich nach der Frau. © Polizei

Die Videoaufnahmen aus den überfallenen Tankstellen zeigten immer nur die junge Frau, doch auf Aufnahmen einer Straßenbahn der Linie 13 vom Abend des 29. Januar entdeckten die Polizisten auch den jungen Mann mit der Jacke. Die Räuberin hatte gerade die Star-Station an der Dohnaer Straße überfallen, danach ist das Duo auf der Reicker Straße in eine Bahn der Linie 13 eingestiegen. Kriminalhauptkommissar Olaf Dalicho, der Leiter des Raubkommissariats bei der Dresdner Polizei, hatte jetzt zum ersten Mal ein Foto der Täter. „Dieses Foto haben wir dann an alle Magnetbretter bei uns gehängt, damit es die Kollegen sehen“, sagte Dalicho am Sonntag. So sorgten die Kriminalisten dafür, dass plötzlich etwa 1.500 Polizisten die Augen offen hielten, um die Tankstellenräuberin zu finden.

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Am Freitagabend klappte es dann. Eine Mitarbeiterin der Polizeidirektion, ausgerechnet eine 48-Jährige, die an den Ermittlungen zu den Überfällen beteiligt war, wollte nach ihrem Dienst mit der Straßenbahn nach Hause fahren. Sie stand an der Haltestelle am Pirnaischen Platz und beobachtete die ein- und ausfahrenden Züge. Eigentlich wollte sie gar nicht mit der Linie 3 fahren, doch in dieser Straßenbahn entdeckte sie die Verdächtigen. Die Bahn fuhr Richtung Neustadt. Die 48-Jährige stieg ein, um das Pärchen im Auge zu behalten und alarmierte zugleich ihre Kollegen. Die standen ohnehin bereit, denn die Polizei hatte eine sogenannte besondere Aufbauorganisation (BAO) eingerichtet. Vor allem in den Abendstunden sollten diese Beamten besonders schnell einsatzbereit sein, wenn wieder eine Tankstelle überfallen wurde. Dieses Mal mussten sie aber nicht zu einer Tankstelle fahren, sondern zu einem Haus an der Hauptstraße. Dort nahmen die Beamten die Verdächtigen fest. „Sie leisteten keinen Widerstand“, sagte Dalicho.

In dem Haus wohnte der 18-jährige Komplize der Tankstellenräuberin. In seiner Wohnung entdeckten die Beamten mehrere Cannabispflanzen und Patronen für eine Schreckschusspistole. Die Waffe selbst haben sie noch nicht gefunden, aber ihre Annahme sahen die Ermittler bestätigt: Das Pärchen brauchte Geld für Drogen. Reichlich 1.000 Euro haben die Kriminellen bei ihren vier Tankstellenüberfällen erbeutet, von dem Geld hat die Polizei nichts mehr gefunden.

Die zwei Verdächtigen sind 18 Jahre alt. Sie lebten gemeinsam in der Wohnung an der Hauptstraße. Die junge Frau, die die Überfälle begangen hat, ist Dresdnerin, kommt aus einer desolaten Familie und hat keine feste Wohnung. Beide haben einen Schulabschluss, der Komplize der jungen Frau hatte bereits eine Lehre begonnen und abgebrochen. Die Räuberin selbst wollte laut Dalicho eine Ausbildung anfangen, hat das aber noch hinausgezögert. Zu den Tatvorwürfen haben die Verdächtigen sich nicht geäußert. Seit Sonnabend sitzen sie im Gefängnis.

In der Polizeidirektion zeigten die Beamten am Sonntag einen Teil der Gegenstände, die sie Pärchen abgenommen haben. 

Am Sonntag präsentierte die Polizei diese Gegenstände. Foto: Christian Juppe
Am Sonntag präsentierte die Polizei diese Gegenstände. Foto: Christian Juppe
Foto: Christian Juppe
Foto: Christian Juppe
Foto: Christian Juppe
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Foto: Christian Juppe
Foto: Christian Juppe
Foto: Christian Juppe
Foto: Christian Juppe

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Darunter sind Schuhe, eine Jeanshose der Frau, ihre Jacke mit einem auffälligen weißen Quadratmuster auf dem Rücken und ihre Gesichtsmaske. Dabei handelt es sich um ein Tuch mit einem festen Mundschutz, auf dem rote Zähne aufgedruckt sind. Die Maske hat sie nach den Überfällen wahrscheinlich als Halstuch getragen, die Jacke hat ihr Komplize immer in einen Rucksack gepackt, vermutet die Polizei. „Der Suchtdruck war ihr Motiv“, ist Olaf Richter überzeugt. der Leiter des Raubdezernats, „da haben wir von Anfang an richtig gelegen.“ Nach der Waffe des Duos wird weiter gesucht.