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Corona-Streife im Großenhainer Stadtpark

Polizei und Ordnungsamt sind auch an den Feiertagen gemeinsam unterwegs.

Großenhains Revierleiterin Sandra Geithner und Geschäftsbereichsleiter Matthias Schmieder koordinieren Streifengänge wegen des Coronavirus'. Bürgerpolizistin Anja Zimmer und Karin Reichel vom Ordnungsamt kontrollieren (v.l).
Großenhains Revierleiterin Sandra Geithner und Geschäftsbereichsleiter Matthias Schmieder koordinieren Streifengänge wegen des Coronavirus'. Bürgerpolizistin Anja Zimmer und Karin Reichel vom Ordnungsamt kontrollieren (v.l). © Anne Hübschmann

Großenhain. Es ist ein sonniger, zunehmend warmer Karfreitag. Großenhains Stadtpark zeigt sich von seiner idyllischsten Seite. Einzelne Spaziergänger trifft man. Manche Familie hat die Drahtesel herausgeholt und geht auf Ostertour. Den wachsamen Augen zweier uniformierter Frauen entgeht keiner. Anja Zimmer, Bürgerpolizistin im Großenhainer Polizeirevier, und Karin Reichel vom Vollzugsdienst des Ordnungsamtes gehen nur scheinbar spazieren. Ihr verantwortungsvoller Job: Sie achten gewissenhaft darauf, dass die Allgemeinverfügung im Rahmen der Corona-Krise eingehalten wird. Eingreifen müssen sie an diesem Vormittag kaum. "Die Leute sind sehr einsichtig", sagt Anja Zimmer. Und sie gesteht: "Das hätte ich vorher so nicht erwartet."

Eine Vierergruppe auf zwei Bänken im Rosarium nahe der Mückenschänke erregt die Aufmerksamkeit der Ordnungshüterinnen. Die Nachfrage ergibt: Es sind zwei verwandte Pärchen, eine Person hat Geburtstag. Und man wollte sich wenigstens kurz treffen, möglichst vor einem Blumenbeet. Geschichten, die das Leben in Zeiten der Corona-Krise schreibt ... Matthias Schmieder, Geschäftsbereichsleiter Ordnung und Sicherheit im Großenhainer Rathaus, findet die Szene "vorbildlich" und einfach schön.

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"Spielplatz, betreten verboten": Die Ordungshüter haben einen wachsamen Blick auf die betroffenen Areale.
"Spielplatz, betreten verboten": Die Ordungshüter haben einen wachsamen Blick auf die betroffenen Areale. © Anne Hübschmann

Seit Verhängung der Regularien zur Kontaktbeschränkung arbeiten Rathaus und Polizeirevier Hand in Hand. Revierleiterin Sandra Geithner zieht eine erste Bilanz. Es gebe in Großenhain eine "bislang einstellige Zahl an Straftaten", vorwiegend Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Dazu etwa dreimal so viele Ordnungswidrigkeiten - hier vor allem unangemessene Personenansammlungen wie gemeinsames Fußballspielen oder das Betreten von Spielplätzen. Eine einzige "größere" Sache habe es gegeben, als sich ein Mann im Supermarkt zu Handgreiflichkeiten hinreißen ließ. Ob er kein Klopapier bekommen hat, ist nicht zu erfahren ...

Sandra Geithner sieht sich und ihr Revier in der Strategie bestätigt. "Wir setzen auf Kommunikation", sagt sie. Die regelmäßigen Streifen zeigten Wirkung. Oftmals gehen Revierbedienstete und Mitarbeiter des Ordnungsamtes gemeinsam. Auch in den Abendstunden. Da sei die Zusammensetzung oft sehr nützlich - wegen der Ortskenntnis. Innerhalb des Polizeireviers werde darauf Wert gelegt, dass die Zusammensetzung der Streifen nach Möglichkeit konstant bleibt. Corona-Schutz steht über allem. "Für Besprechungen nutzen wir unseren Innenhof. Das derzeitige Wetter kommt uns da sehr entgegen", sagt Sandra Geithner und lächelt. Ihr generelles Fazit: "Die Großenhainer sind vom Grundsatz her sehr vernünftig."

"Diego" hat sich trotz Corona im Stadtpark "verewigt". Ärger, den man gerade jetzt und eigentlich überhaupt nicht braucht.
"Diego" hat sich trotz Corona im Stadtpark "verewigt". Ärger, den man gerade jetzt und eigentlich überhaupt nicht braucht. © Anne Hübschmann

Matthias Schmieder freut sich, dass insbesondere auch in der Innenstadt die Regeln weitgehend eingehalten werden. "Wirtschaftsförderer und City-Manager haben da hervorragend bei der Information der Geschäftsleute geholfen", sagt er. Natürlich sei die Situation für niemanden einfach - dennoch gehe es derzeit nicht anders. "Je besser sich alle an die Regeln halten, umso früher kann vielleicht etwas gelockert werden", so Schmieder.

Beim Rundgang durch den Stadtpark schaut er natürlich auch immer wieder, wo Müll liegt oder andere Dinge stören. "Der Stadtbauhof hat zurzeit mehr als sonst mit herumliegendem Müll zu tun", so Schmieder. Sandra Geithner ergänzt: Der Hauptmarkt sei in der Nacht zum Karfreitag ordentlich zugemüllt worden, ebenso Teile im Landesgartenschaugelände. Matthias Schmieder zuckt mit den Schultern, kann das nicht verstehen. "Wir haben doch genug Papierkörbe", sagt er nachdenklich. Zufall oder nicht: Im Stadtpark, unweit des Pavillons, hat sich vermutlich ebenfalls in der Nacht ein Unverbesserlicher verewigt: Schilder des Trimmpfades sind teilweise kaputt, wurden obendrein mit "Diego" besprüht. Schmieder schüttelt mit dem Kopf. "Das ist doch pure, sinnlose Gewalt", kommentiert er. Ob "Diego" ausfindig gemacht wird? Eine Anzeige gegen Unbekannt ist auf jeden Fall fällig.

Der Exer rückt in den Fokus

Sandra Geithner erzählt derweil ein bisschen aus dem Polizeialltag. Es gebe relativ viele Anfragen zur Umsetzung der Allgemeinverfügung. Was wiederum daran liege, dass nicht alle Bestimmungen komplett eindeutig sind. Gerade habe sie einen Anruf aus einem Dorf bei Großenhain bekommen. Der Mann teilt sich das Sorgerecht fürs gemeinsame Kind mit seiner Ex-Partnerin. Er müsse den Sprössling daher jetzt in ein Städtchen in Brandenburg bringen. "Darf ich das?" so seine besorgte Frage. "Ja, er darf", sagt Sandra Geithner. Dass die Leute aber überhaupt anfragen, sieht die Revierchefin als Hinweis, dass sich die meisten Menschen ernsthaft mit der Corona-Krise auseinandersetzen.

Ostern und die folgenden Ferientage mit dem angekündigten Frühlingswetter sind für die Ordnungshüter eine besondere Herausforderung. "Wir werden an den Feiertagen präsent sein", verspricht Sandra Geithner. "Auch in den Dörfern", ergänzt sie. Das Polizeirevier sei durch die sächsische Bereitschaftspolizei personell aufgestockt worden. "Brennpunkte" sind bekannt, aber Matthias Schmieder weiß, dass Neue hinzukommen. So gibt es offenbar auf dem Exer nahe Kleinraschütz Tendenzen, dass sich junge Leute in größerer Zahl dort treffen. Das sei nicht nur wegen Corona bedenklich - sondern auch wegen der seit dieser Woche geltenden Waldbrandwarnstufe 4. Und so gilt als sicher: Polizei und Ordnungsamt werden sich auch auf dem "Exer" umsehen. Kommunikativ und bei Bedarf mit der gebotenen Schärfe.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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