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Polizist will für mehr Ordnung sorgen

Der politische Neuling Lars Kuppi will für die AfD in den Landtag ziehen. Mit einigen Themen hält er sich zurück.

Der 47-jährige Polizeiobermeister Lars Kuppi will für die AfD im Wahlkreis Döbeln das Direktmandat holen. Dafür würde der jetzige Chemnitzer auch wieder in seine Heimatstadt zurückkommen, kündigt er an.
Der 47-jährige Polizeiobermeister Lars Kuppi will für die AfD im Wahlkreis Döbeln das Direktmandat holen. Dafür würde der jetzige Chemnitzer auch wieder in seine Heimatstadt zurückkommen, kündigt er an. © Christian Essler

Döbeln. Mit dem Zug kommt der Chemnitzer in seine Stiefelstadt. Der Brunnen auf dem Obermarkt ist der Platz, mit dem sich Lars Kuppi am meisten identifizieren kann. „Döbeln wird immer meine Heimat bleiben. Ich fühle mich hier stark verwurzelt“, sagt der 47-jährige Polizeiobermeister.

Er will als Vertreter der AfD für den Wahlkreis 21 in den Landtag einziehen. Vom mittelsächsischen Kreisverband wurde er zum Direktkandidaten bestimmt und setzte sich gegen zwei Mitbewerber seiner Partei durch. Dass er beruflich bedingt mittlerweile in der 45 Kilometer entfernten Großstadt lebt und arbeitet, hindere ihn nicht daran, den Altkreis Döbeln im sächsischen Parlament zu vertreten.

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„Ich bin ein echter Döbelner. Ich gehöre zu dem letzten Jahrgang – 1971– , der tatsächlich noch hier in der Stadt zur Welt gekommen ist“, berichtet er. Kindheit und Jugend hat er in der Stiefelstadt verbracht. Gelebt habe er in Döbeln Nord und Ost. „Der Brunnen auf dem Obermarkt war immer irgendwie der zentrale Punkt. Deshalb komme ich immer wieder gern hierher zurück“, erklärt er, warum die Innenstadt Döbelns sein Lieblingsplatz ist.

Nach dem Abitur absolvierte Kuppi die Ausbildung zum Polizeimeister und versah seinen Dienst bis 2009 in Bautzen. Nach der Scheidung von der Mutter seiner vier Söhne kam er in die Heimatstadt zurück. „Bis 2017 war ich Polizist in Döbeln, eine Zeit lang auch Bürgerpolizist in Waldheim.“ In dieser Zeit begann er auch, sich politisch zu betätigen. 2016 trat er der AfD bei, übernahm kurzzeitig den Kreisvorsitz. „Ich bin dann aber an die Dienststelle nach Chemnitz versetzt worden, deshalb konnte ich diese Aufgabe nicht weiter ausfüllen“, erläutert er. Im Chemnitzer AfD-Kreisvorstand sei er nun kooptierender, also beratender Beisitzer ohne Stimmrecht.

Für den 47-jährigen Vater von fünf Kindern sind das politische Parkett und die parlamentarische Arbeit völliges Neuland. „Ich wurde im Mai in Chemnitz in den Stadtrat gewählt. Diese Arbeit geht im August los. Darauf freue ich mich“, sagt er. Ob auch gleich der nächste und zugleich große Schritt in den sächsischen Landtag klappen wird, müsse man abwarten.

Fünf Fragen - fünf Antworten

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Da fällt mir im Moment nichts ein.

In welche Rolle würden Sie gern einen Tag lang schlüpfen?

Ich finde mein Leben gut so, wie es ist. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, jemand anderes sein zu wollen. 

Welche Fahrzeugart bevorzugen Sie: Diesel, Benziner, Elektro-Auto?

Im Moment bin ich ÖPNV-Fahrer. Ansonsten fahre ich Benziner, sollte es mit dem Landtag klappen, wird es vielleicht ein Diesel. Ein E-Auto kommt aktuell für mich nicht infrage.

Neben wem möchten Sie im Landtag gerne sitzen?

In meiner Fraktion auf der einen Seite neben dem Görlitzer Ex-Bürgermeister-Kandidaten Sebastian Wippel, weil er ebenso wie ich Polizeibeamter ist und auf der anderen Seite neben André Wendt. Ihn kenne ich von Veranstaltungen in Waldheim und er ist mir sympathisch. Beide sitzen schon seit 2014 im Landtag.

Auch Politiker müssen relaxen. Wobei schalten Sie am ehesten ab?

Bei der Hausarbeit. Da schalte ich den Fernseher ein und dann wird geputzt und all das erledigt was eben zu tun ist. Das hilft mir auch, wenn ich von der Arbeit abschalten will.

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Generell habe er im Jahr 2015 damit begonnen, sich politisch zu interessieren. Eine Begegnung mit Frauke Petry sei für ihn der Auslöser gewesen, in die AfD einzutreten. Politisch aktiv sei er zuvor nie gewesen. „Allerdings habe ich mich in der Deutschen Polizeigewerkschaft engagiert. Ich war zwei Jahre lang stellvertretender sächsicher Landesvorsitzender“, berichtet er. 

In dieser Funktion habe er 2017 schon mal die Luft im sächsischen Landtag schnuppern können. „Ich war als Sachverständiger in eine Parlamentssitzung eingeladen. Damals ging es um die Frage, welche Haftbedingungen für Abschiebehäftlinge angewandt werden sollten“, sagt Kuppi. Er war dagegen, dass abgelehnten Asylbewerbern die gleichen Rechte wie verurteilten Häftlingen gewährt werden sollten. „Es ging darum, ob Abschiebehäftlingen Haftkleidung zur Verfügung gestellt werden sollte, ob sie das Recht auf Paketzustellung und auf Hafturlaub haben sollten. Das war für mich unrealistisch, schließlich sollte eine Abschiebehaft ohnehin nur fünf bis sieben Tage dauern“, erläutert er.

Aufgrund seines beruflichen Hintergrundes wolle er sich im Landesparlament vor allem den Themen Ordnung und Sicherheit widmen. „Die Ordnungsämter der Städte müssten viel stärker ihre Aufgaben wahrnehmen und könnten damit die Polizei entlasten. Das funktioniert in Chemnitz schon ganz gut, das sollte auch in den kleineren Orten passieren.“ So sollten Ordnungsamtsmitarbeiter abends in Döbeln „gefährliche Orte“ kontrollieren. „Ich habe von Bürgern gehört, dass auf dem Obermarkt abends laut telefoniert wird und in den Klostergärten gibt es ja jetzt auch ein Alkoholverbot“, erläutert er.

Auch die finanzielle Entlastung von Familien sei ihm wichtig. „Das Landeserziehungsgeld sollte erhöht werden und wir wollen ein sachsenweites Babybegrüßungsgeld.“ Wie hoch diese Zuschüsse sein sollten, könne er nicht sagen. Da müsse er im AfD-Wahlprogramm nachschauen.

Bei dem für seine Partei besonders wichtigen Thema Migration und dem Umgang mit Flüchtlingen wird Lars Kuppi vorsichtig. Er überlegt lange, bevor er etwas dazu sagt. Aufgrund seines beruflichen Hintergrundes müsse er genau abwägen, so seine Erklärung. „Auf jeden Fall sollten Intensivtäter konsequent abgeschoben werden. Und die Migranten sollten weniger Geld- sondern mehr Sachleistungen bekommen.“

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