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Meißen

Fischsterben im Teich der Naturschützer

Der Verein "Pro Natura" baut im Landkreis Meißen ein Biotop für Kammmolche. Müssen dafür andere Tiere verenden?

Verendete Fische in der Tongrube Gävernitz. Pro Natura lässt hier ein Biotop für Kammmolche bauen.
Verendete Fische in der Tongrube Gävernitz. Pro Natura lässt hier ein Biotop für Kammmolche bauen. © Foto: privat

Niederau/Diesbar-Seußlitz. Michael Schönert traute seinen Augen nicht. Waren das Fake News, die in einem Post auf Facebook verbreitet wurden? Darin wird  beschrieben, dass in der Nähe von Ockrilla ein Weiher leergepumpt wurde und dort die Fische zwar still und leise, dafür aber sehr qualvoll sterben. Es seien auch Krebse darunter. 

"Meine Frau und ich, beide passionierte Angler und daher auch der Natur und Umwelt nah verbunden, wurden hellhörig. In dem Post sah man schon, dass es sich um eine Menge Weißfische  wie Rotaugen, Rotfedern, Ukelei und ein paar Zwergwelse handelte. Eine große Menge davon trieb bereits tot an der Oberfläche. Dazu kam dann noch ein Bild eines Flusskrebses", sagt er. 

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Da den beiden  das Tierwohl und der Artenschutz am Herzen liegen, machten sie sich  auf den Weg zu dem Weiher, um sich selbst ein Bild zu machen. Dort angekommen bestätigte sich der Post, viele tote Fische schwammen an der Oberfläche, im "Restwasser" tummelten sich weitere, ohne jedoch genau sehen zu können, was da so schwamm. Auch etwa ein Kubikmeter Altmunition habe sich gefunden, augenscheinlich leere Patronenhülsen, jedoch auch Patronen größeren Kalibers in verrostetem Zustand. "Hier war bei uns der Spaß vorbei, offensichtlich wurde hier gegen das Tierschutzgesetz verstoßen und auch gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit", sagt er. 

Schönert kontaktierte die Polizei wegen der Fundmunition. Am nächsten Tag sei der Kampfmittelbeseitigungsdienst vor Ort gewesen, sagt er. Er hat Anzeige gegen den Verein Pro Natura erstattet.  Denn dieser lässt hier in der ehemaligen Tongrube ein Biotop für Kammmolche errichten. Das kostet 95.000 Euro und wird in voller Höhe vom Freistaat Sachsen gefördert. 

Klaus Dünnebier verteidigt das Entfernen der Fische: "Ohne Beseitigung aller Fischer aus der Tongrube ist ein Überleben der Kammmolche nicht möglich", sagt er. 

 In der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Meißen sind die Vorgänge bekannt. Verstöße will man dort nicht erkennen. "Es handelt sich um einen Gewässerumbau. Nach Beräumung und Neuabdichtung wird das Gewässer als fischfreies Amphibienlaichgewässer dienen", heißt es aus der Behörde. Einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz kann man nicht erkennen. Das Abfischen sei durch einen Fachbetrieb "gemäß der guten fachlichen Praxis der Fischereiwirtschaft", erfolgt. 

Das "fachgerechte Abfischen" bezog sich nur auf die verwertbaren Fische wie  Karpfen, Hechte, Schleien  und ähnliche Speisefische, sagt hingegen Michael Schönert. "Alle anderen Arten wurden zurückgelassen und damit einem qualvollen Tod ausgeliefert." Im Teich seien noch eine Menge Moderlieschen, Rotfedern und Kamberkrebse. Moderlieschen und Rotfeder gehörten in Sachsen zu den gefährdeten Arten.

Dem Kreisumweltamt sei keine herumliegende Munition bekannt, heißt es weiter aus dem Amt. Allerdings sei eine Menge Müll entsorgt worden, so unter anderem etwa 250 Autoreifen. Ein Teil davon liegt aber immer noch auf dem Gelände herum, wie auf Fotos, die der SZ vorliegen, zu erkennen ist.

Ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit sei aus diesen Gründen gegen den Verein nicht eingeleitet worden: "Die Durchführung der Maßnahmen entspricht den Umwelt- und Fördervorgaben", so das Landratsamt. Klaus Dünnebier, dem Vorsitzenden des Verein "Pro Natura" mit Sitz in Diesbar-Seußlitz, ist die Diskussion sichtlich unangenehm. Das Vorhaben sei mit den Behörden abgestimmt. "Dass beim Abfischen ein paar Fische durchgerutscht und im Schlamm steckengeblieben sind, kann schon sein, damit muss man rechnen", sagt er.

Für Michael Schönert und seine Frau ist das alles nicht hinnehmbar. "Auch wenn Fische und Krebse stumm leiden und sterben, die dort angesiedelten Fische und Krebse keine gefährdeten Arten darstellen, hat es trotzdem kein Tier verdient zu leiden. Wenn schon der Pro-Natura-Verein, der sich dem Umwelt- und Artenschutz verschrieben hat, einen Weiher trockenlegt und beschließt, die Fische und Krebse dort zu töten, so muss man das doch weidgerecht tun und die Tiere nicht einfach elendig verrecken lassen", sagt er. 

Auf der Website des Vereins hat er sich über das Vorhaben informiert. Dort heißt es, dass in der ehemaligen Tongrube eine Biotop- und Artenschutzmaßnahme in den Jahren 2019 bis 2021 stattfinde. Die Maßnahme diene dem Erhalt und der Verbesserung der Lebensstätte für den Kammmolch. Schönert ist entsetzt: "Wie pervers ist das denn? Wir retten ein paar Kammmolche, die sich prima mit Fischen vertragen würden, dafür lassen wir andere Tiere qualvoll sterben?" 

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