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Fans dürfen wieder in Stadien und Hallen

RB Leipzig kann vor 8.500 Zuschauern spielen. Auch Dresdner Klubs profitieren vom sächsischen Corona-Weg im Sport.

So dicht beieinander stehen die Fans von RB gegen Mainz nicht. Doch sie dürfen wieder ins Stadion.
So dicht beieinander stehen die Fans von RB gegen Mainz nicht. Doch sie dürfen wieder ins Stadion. © dpa/Jan Woitas

Dresden. Man sollte in diesen Tagen vorsichtig sein. Aussagen haben ein kurzfristiges Verfallsdatum. Endgültig ist nichts, vorbehaltlich alles. Das gilt auch für die Rückkehr von Zuschauern bei Sportveranstaltungen. Doch trotz gebotener Zurückhaltung scheint klar zu sein: Die Zeit der Geisterspiele ist vorbei – zumindest vorerst, vor allem in Sachsen. Und das nicht nur beim Amateur-Fußball, sondern auf allen Plätzen, auch den ganz großen.

RB Leipzig hatte am 10. März gegen Tottenham Hotspur das letzte Fußballspiel in einem voll besetzten Stadion vor der Corona-Pause bestritten. Und nun ist der Champions-League-Halbfinalist der erste deutsche Profiklub, bei dem sicher zu sein scheint, dass er beim Bundesliga-Auftakt am 20. September nicht vor leeren Rängen antreten muss. 8.500 Fans, so sieht es ein vom Gesundheitsamt Leipzig am Dienstag genehmigtes Konzept vor, dürfen bei der Partie gegen den FSV Mainz in die Red-Bull-Arena. „Wir sind sehr glücklich, dass wir mit dieser Entscheidung einen Schritt hin zu mehr Normalität gehen können“, erklärte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach davon, dass man ein Stück Normalität wage.

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Um die Anzahl von Kontakten bei der Anreise zu minimieren, werden die Tickets unter in Sachsen wohnhaften Dauerkartenbesitzern verlost, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Mit 8.500 Fans wäre das ehemalige Zentralstadion zu 20 Prozent ausgelastet. Vor einigen Wochen war im Zusammenhang mit dem Konzept noch von bis zu 20.000 Zuschauern die Rede. Allerdings sieht die Genehmigung wohl auch eine Steigerung vor, falls bei der Premiere alles klappt. In der Mitteilung fällt das Wort „zunächst“ auf, das direkt vor der zugelassenen Besucherzahl steht.

Dass mit RB ausgerechnet ein sächsischer Verein derart vorprescht, ist kein Zufall. Die Landesregierung des Freistaates setzt sich schon länger für eine Öffnung von Stadien und Sporthallen ein. Und sie blieb dabei, als Bundeskanzlerin Angela Merkel am vergangenen Donnerstag ein Verbot von Großveranstaltungen im Sport bis mindestens Ende Oktober und die Gründung einer Arbeitsgruppe verkündete. Mit „einem klugen Hygienekonzept“ zeige RB, „was alles möglich“ sei, wird Ministerpräsident Michael Kretschmer in der Vereinsmitteilung zitiert: „Durch Eigenverantwortung ist viel mehr möglich geworden als in anderen Bundesländern. Wir wollen unseren sächsischen Weg fortsetzen.“ Einen regionalen also, abhängig von der jeweiligen Infektionslage.

Gerade daher birgt das Thema Konfliktpotenzial. Die 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga konferieren dazu am Donnerstag, und es zeichnet sich bereits ab, dass ein bundeseinheitlicher Weg favorisiert wird. Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke vom VfL Wolfsburg warnt vor Wettbewerbsverzerrungen. „Es ist schon ein Unterschied, ob ein Verein 10.000 oder 15.000 Zuschauer im Stadion hat und andere Klubs 500. Dann ist eine Wettbewerbsgleichheit nicht mehr so gegeben“, sagte er.

Halb volles Stadion in Zwickau

Ein ähnliches Szenario droht in der 3. Liga. Der FSV Zwickau plant mit bis zu 5.200 Fans, was einer Stadionauslastung von 50 Prozent entsprechen würde. Das örtliche Gesundheitsamt hat das Konzept bereits genehmigt. Dynamo hatte seines in der vergangenen Woche eingereicht. Eine Entscheidung steht noch aus. „Wir werden in der Sache kommunizieren, sobald die letzten Details geklärt werden konnten“, sagte Geschäftsführer Michael Born. Das wird nicht mehr lange dauern. Das erste Heimspiel im Rudolf-Harbig-Stadion ist die Pokalpartie gegen den Hamburger SV am 14. September.

Andere Dresdner Vereine sind bereits einen Schritt weiter. Die Handballer des HC Elbflorenz können ihren Test gegen den Erstligisten Füchse Berlin am Freitag, 18 Uhr, vor 956 Zuschauern bestreiten. Das hat das Gesundheitsamt genehmigt. In die Ballsport-Arena passen maximal 2.581. Die untersten Sitzreihen bleiben frei, damit der Abstand zu den Auswechselspielern gesichert wird. Beim Verkauf der Tickets über einen Onlineshop und eventuell an der Abendkasse müssen die Zuschauer ihre Kontaktdaten hinterlegen. Die Belüftungsanlage tauscht laut Verein pro Stunde mehr als 60.000 Kubikmeter Luft aus und würde damit die Vorgaben für 3.000 Menschen in der Halle erfüllen. Die Zuschauerobergrenze von knapp 1.000 gilt nicht nur für den Test gegen die Füchse, sondern auch für die ersten Heimpartien in der 2. Bundesliga. Am 21. Oktober ist der EHV Aue der erste Gegner.

Die Dresden Monarchs können für ihr Spiel gegen den polnischen Meister Panthers Wroclaw am 20. September bis zu 1.570 Zuschauer ins Heinz-Steyer-Stadion lassen. Es bleibt das einzige Spiel in diesem Jahr. Die German Football League hat die Saison abgesagt. „Wir haben uns sehr über die Genehmigung gefreut“, erklärte Monarchs-Geschäftsführer Jörg Dreßler. „Wir haben einige Regeln zu beachten und müssen gemeinsam beweisen, dass Sport mit Fans zusammengehört und auch in Zeiten der Pandemie möglich ist.“

Das Hygienekonzept für den Supercup der Frauen im Volleyball zwischen dem Dresdner SC und dem Schweriner SC in der Margon-Arena am 27. September wird noch in dieser Woche eingereicht. „Wir haben die Zusage vom Gesundheitsamt, dass es dann eine zeitnahe Entscheidung gibt“, erklärte Julia Retzlaff, Geschäftsleiterin Sport bei der Deutschen Volleyball-Liga (VBL), auf SZ-Anfrage. Die VBL ist der Veranstalter des Supercups, orientiert sich bei ihrem Konzept aber stark an dem, was der DSC für die neue Bundesliga-Saison ausgearbeitet hat. Demnach könnten rund 1.000 Zuschauer in die 3.000 fassende Margon-Arena kommen.

Über allem aber steht ein Wort: vorbehaltlich. Wird die Marke von 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche überschritten, kehrt die Zeit der Geisterspiele zurück. (mit dpa, ald)

Kritik von Karl Lauterbach

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