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Urlaubstest unter Palmen

Wie läuft der Corona-Urlaub im Ausland? Eine Heidenauer Reisebüro-Mitarbeiterin hat sich das auf Fuerteventura angeschaut. Hier lesen Sie ihren Bericht.

Auf den ersten Blick wie immer, auf den zweiten Blick sind die Reise-Unterschiede zu sehen.
Auf den ersten Blick wie immer, auf den zweiten Blick sind die Reise-Unterschiede zu sehen. © dpa

Diese Reise war begehrt. Nicht nur, weil die 130 Teilnehmer am Ziel wie Prominente behandelt wurden. Sie bot vor allem eine Möglichkeit zu testen, wie Urlaub im Süden kurz nach Rückkehr aus dem Lockdown funktioniert. 700 Reisefachleute aus ganz Deutschland haben sich darum beworben - unter denen, die schließlich nach Fuerteventura fliegen konnten, war auch eine Heidenauer Mitarbeiterin der Pirnaer Reisebüros Korfi Tours. Was sie erlebt hat, schildert sie gegenüber Sächsische.de.

Mit Maske im Flugzeug

Klar wurden die ersten Gäste nach drei Monaten Zwangspause von einem Großaufgebot spanischer Medienvertreter begrüßt. Da hatten die deutschen Reisefachleute auf den Flughäfen schon ihre ersten Erfahrungen gesammelt. Das Einchecken am Düsseldorfer Flughafen lief ruhig und stressfrei, sagt die Heidenauer Reisebüromitarbeiterin. An und von Bord gehen die Passagiere nach Sitzreihen, was einige Fluggesellschaften schon vor Corona praktizierten. Das hat den Vorteil, dass niemand drängelt und es kein Geschubse gibt. Auf den Bus zum Flugzeug wird nach Möglichkeit verzichtet. Ist er dennoch notwendig, ist er zu maximal 60 Prozent ausgelastet. Mund-Nasenschutz ist immer zu tragen. Auch im Flugzeug, wobei als Alternative ein Tuch erlaubt ist. Im Flugzeug blieb der Mittelplatz frei, Familien dürfen zusammensitzen. Es werden Wasserflaschen und Snackboxen verteilt. Urteil der Heidenauer Testurlauberin: entspannt.

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Ein- und Aussteigen ohne Drängeln und Schubsen: Was einige Fluggesellschaften schon vorher so machten, handhaben nun alle so.
Ein- und Aussteigen ohne Drängeln und Schubsen: Was einige Fluggesellschaften schon vorher so machten, handhaben nun alle so. © Eurokinissi via ZUMA Wire

Nach den ebenfalls nicht vollen Bussen zu den Hotels wird in vielen Fällen kontaktfrei über die Hotel-App eingecheckt. An den Hoteleingängen gibt es Desinfektionsschleusen, beim Betreten des Hotels werden die Koffergriffe desinfiziert. Im Garten, am Swimmingpool sowie in Fitness- und Wellnessräumen besteht keine Maskenpflicht. Auch nicht am Tisch in den Restaurants oder an der Bar, jedoch auf den Wegen dorthin. 

In Liegen mit Abstand

Das Essen gibt es an sogenannten Speiseinseln, hinter denen Mitarbeiter die Teller mit den gewünschten Speisen füllen. Am Pool und Strand stehen die Liegen mit Abstand, was durchaus angenehm ist. Die Hotelzimmer werden nach Abreise komplett desinfiziert und erst nach 24 Stunden wieder betreten. In einigen vier- und fünf Sterne-Hotels können kostenpflichtig Corona-Tests gemacht werden. Gefordert werden sie aber weder bei Ein- noch Ausreise bzw. Wiedereinreise nach Deutschland.

Also Rundrum-sorglos-Urlaub ohne Einschränkungen trotz des im Hintergrund lauernden Virus? "Wie überall sind etwas Disziplin und Verständnis gefragt", sagt die Heidenauerin  nach ihrer Rückkehr. Wer den Fitnessraum nutzen will, muss sich anmelden. Die Kinderanimation findet mit weniger Kindern statt. "Die Hygiene-Konzepte sind in Spanien um ein Vielfaches besser als bei uns im Alltag und die fast leeren Strände sind fantastisch." Das Resümee der Inhaberin der Korfi Tours-Reisebüros, Kathrin Korfmacher-Pollul lautet: "Corona wird uns noch lange begleiten, darf uns aber heute nicht mehr mit allen Ängsten überschütten und uns davon abhalten, unser Leben zu genießen."

Mit ständig neuen Regelungen

Nun kann man meinen, Reiseleute müssen so reden. Sie sind schließlich nach Monaten des doppelten Ausfalls ihres Einkommens darauf angewiesen, dass die Leute wieder reisen. Doppelter Ausfall, weil niemand buchte und gleichzeitig die Provision für vor Monaten verkaufte und nun stornierte Reisen ausblieb. Dennoch hatten Reisebüros genug zu tun. Jetzt geht es langsam wieder los. 

Derzeit gibt es zwei Gruppen: Diejenigen, die es nicht erwarten können, endlich zu reisen, und die, die skeptisch sind und zum Beispiel vor Monaten gebuchte Reisen zum Beispiel nach Mallorca doch lieber nicht antreten wollen. Fast täglich gibt es neue Regelungen. Was gilt aktuell und was ist wie sicher? Sächsische.de gibt einen Überblick. 

Was passiert, wenn ich jetzt buche?

Wer jetzt bei einigen Veranstaltern eine Pauschalreise neu bucht, kann dies relativ beruhigt tun. Wenn sich die pandemischen Bedingungen verschlechtern und das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für das Urlaubsland herausgibt, wird die Reise kostenfrei storniert und man bekommt das komplette Geld zurück. Geld zurück gilt auch, wenn das Reiseland seine Grenzen schließt oder Einreisende erst einmal in Quarantäne schickt. Beim Buchen sollte man exakt auf die Reiseart achten, denn diese Regelung gilt ausschließlich für Pauschalreisen. Wer Flug und Hotel einzeln bucht, ist nicht gesetzlich abgesichert.

Darüber hinaus bieten einige Pauschalreiseanbieter für einen gewissen Zeitraum einen kostenlosen Rücktritt an. Das gilt jedoch nur für Neubuchungen, also keine Umbuchungen. Wer ohne diese Kondition zum Beispiel jetzt für Oktober eine Reise auf die Kanaren bucht und dann doch nicht reisen will, kann wie immer bis vier Wochen vor der Reise zu den üblichen Kosten stornieren. Danach wird es teurer. Ausnahmen wie Krankheit sind über die Reiserücktrittsversicherung abgedeckt.

Was unterscheidet Pauschal- und Individualreise?

Pauschal heißt: alles von einem Veranstalter. Das muss kein Angebot "von der Stange" sein, sondern kann durchaus individuell zusammengestellt sein. Bei Individualreisen kommt es auf die Selbstorganisation an. Der Reisende kauft lediglich bestimmte Reiseleistungen ein. 

Was ist mit den Rückholaktionen?

Die Angst, im Notfall irgendwo in der Sonne zu sitzen und wegen Corona nicht zurückzukommen, lässt viele vor einer Reise zurückschrecken. Für etwas Verwirrung sorgten da Ankündigungen des Außenministers, es gebe keine Rückholaktionen mehr. Das war bezogen auf Individualreisende. Alle Pauschalreisenden wurden von den Reiseveranstaltern kostenlos zurücktransportiert. In den meisten Reisebüros werden schon immer zum Großteil Pauschalreisen verkauft, jetzt sind es bei vielen 100 Prozent der Reisen.

Wie sicher sind Gutscheine?

Seit vergangener Woche besteht Klarheit hinsichtlich der Gutscheinregelung. Wer sich für einen Gutschein entscheidet, muss nun im Falle der Insolvenz des Reiseveranstalters nicht mehr um sein Geld fürchten. In diesem Fall springt der Staat ein. Nach wie vor aber gilt, eine schon bezahlte und vom Veranstalter abgesagte Reise in einen Gutschein umzutauschen ist freiwillig. 

Wohin kann wieder gereist werden?

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Griechenland, Spanien, Bulgarien, Portugal zum Beispiel sind schon wieder möglich und werden auch gebucht. Momentan gibt es, aufgrund der aktuell noch bis 31. August bestehenden Reisewarnung von deutscher Seite aus, noch keine Pauschalreisen zu Fernreisezielen. Wer allerdings individuell dort hinreisen möchte, kann dies bereits wieder tun, weil die Länder selbst die Einreisebeschränkungen aufgehoben haben und auch erstes Flüge wieder stattfinden. Eine Sonderregelung gibt es derzeit für die Türkei: Es laufen aktuelle Gespräche zwischen den Regierungen und es wird davon ausgegangen, dass die Reisewarnung für die Türkei in den nächsten Tagen aufgehoben wird. 

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