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Kaffee Starke verwandelt sich

Der Umbau des stadtbildprägenden Gebäudes am Rathausplatz geht voran. Die Tauben allerdings fühlen sich zu wohl darin.

Ein Blick ins künftige Wohnzimmer: Bernd Hölzig und Roland Ledwa von der Wohnungsgesellschaft Riesa auf Visite in der Kaffee-Starke-Baustelle am Rathausplatz.
Ein Blick ins künftige Wohnzimmer: Bernd Hölzig und Roland Ledwa von der Wohnungsgesellschaft Riesa auf Visite in der Kaffee-Starke-Baustelle am Rathausplatz. © Sebastian Schultz

Riesa. Mehr Zentrum geht nicht: Vom künftigen Wohnzimmer aus fällt der Blick auf den Zunftbaum, das Rathaus, den Anfang der Hauptstraße. Vier Wohnungen lässt die Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) unterm Dach des Gebäudes Kaffee Starke ausbauen. Zur Vermietung stehen sie noch gar nicht, sagt Geschäftsführer Roland Ledwa. "Aber vereinzelt gibt es schon Anfragen."

Zum 1. Januar 2021 wolle man die neuen Wohnungen vermieten. Die je 70 bis 90 Quadratmeter großen Wohnungen schon ein halbes Jahr vorher zu inserieren, sei nicht sinnvoll. "Bis dahin tut sich noch viel."

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Schließlich war da ja seit März noch was: die Corona-Lage. Deshalb habe man auch bei der WGR nicht gewusst, ob es beim Bau des stadtbildprägenden Gebäudes zu Verzögerungen kommt. "Jetzt sieht es aber im Zeitplan sehr gut aus", sagt Bauverantwortlicher Bernd Hölzig. Auch wenn man nicht ausschließen könne, ob es nicht bei irgendeinem Lieferanten noch Schwierigkeiten geben könne.

Es geht jedenfalls voran auf der Baustelle. Zwei neue Loggien unterm Dach geben nach hinten raus den Blick über den Schulhof der Grundschule nebenan frei, vorbei am Grün des Stadtparks reicht die Aussicht bis zum Wacker-Chemiewerk in Nünchritz.

Drinnen fällt der Blick durch alte Balken des Dachstuhls hindurch auf die frei sichtbare Dachschräge. So wirkt das künftige Wohnzimmer größer, weil die Höhe quasi über zwei Etagen reicht. Eigentlich sollten dort große, schräge Dachfenster Richtung Rathausplatz rein. Das aber habe der Denkmalschutz nicht gestattet.

Dach muss schwarz bleiben

Der Denkmalschutz sei auch dafür verantwortlich, dass das Dach nun wieder mit auffälligen schwarzen Biberschwänzen gedeckt wird. Und auch die Treppe werde wieder aus Sandstein gestaltet. Einen Fahrstuhl wird es auch künftig nicht geben, dafür aber Fußbodenheizung. 

Bei der markanten Fassade wird auf den Denkmalschutz geachtet, die Fenster werden nach historischem Vorbild gestaltet. "Wie früher mit Jalousie - nur elektrisch", sagt Roland Ledwa. Die Innentüren werden so weit wie möglich original aufgearbeitet, auch der markante Haupteingang im Erdgeschoss an der schrägen Ecke.

Den wird künftig der SC Riesa nutzen, dessen Geschäftsstelle von der Freitaler Straße hierher ins Stadtzentrum ziehen soll. Der Verein findet im Erdgeschoss 130 Quadratmeter Platz, weitere 120 Quadratmeter für Büros im ersten Stock.

Die neue Lage bietet den Mietern zwar sehr kurze Wege in der Innenstadt, zu Geschäften, Ämtern, Tierpark, Bushaltestelle. Aber wie sieht es mit Stellflächen für Autos aus? "Wir sind auf der Suche, im 200-Meter-Umkreis welche zuordnen zu können", sagt Roland Ledwa.

Die WGR investiert etwa 1,4 Millionen Euro in den Umbau von Kaffee Starke, einen Teil davon aus Fördergeldern. "Wir bewegen uns auch noch im Rahmen der finanziellen Planungen", sagt Ledwa.

Umzubauen ist einiges: Seit Mitte der 90er hatte das Haus leergestanden. Tauben haben es seitdem für sich entdeckt. Sind die Arbeiter in den Obergeschossen zugange, fliegen sie aus. Aber schon die Frühstückspause, die die Handwerker unten verbringen, reicht den Vögeln aus, um wieder zurückzukehren. In der halben Stunde hat eine Taube sogar schon ein Ei auf der Baustelle gelegt.

Echtes Handwerk ist gefragt

Viele Riesaer hätten wohl gern gesehen, wenn das markante Eckhaus zu einem Café umgebaut worden wäre - als Anlaufpunkt für Elberadweg-Radler, aber auch als Mittel, den Beginn der Hauptstraße stärker zu beleben. Ein Café war Kaffee Starke trotz des Namens allerdings nie: vielmehr eine traditionsreiche Kaffeehandlung, die auch selbstgemachten Likör im Angebot hatte. "Der war wirklich gut", erinnert sich WGR-Chef Ledwa. Ein Umbau zu einem Café wäre aber nicht finanzierbar gewesen.

So oder so würden sich aber viele freuen, dass es seit Monaten mit dem Objekt vorangeht. "Anfangs gab es etliche positive Reaktionen, die Leute blieben stehen und haben geschaut", sagt WGR-Marketingverantwortliche Susan Eisenreich.

Zu übersehen und teils zu überhören waren die Arbeiten freilich nicht. Erst musste containerweise Schutt abgefahren werden, dann kamen Putz, Elektroanlage, Heizung, Lüftung, Sanitär dran. Trockenbauer, Fensterbauer, Maler, Fliesenleger haben auch noch zu tun. Und dabei bemerkt man, dass es sich bei Kaffee Starke nicht um einen Neubau, sondern um einen Altbau mit vielen kleinen Ecken und Kanten handelt.

Das wirkt sich etwa beim Dach aus, an dem die Dachdecker viele individuelle Anpassungen machen mussten. "Hier ist handwerkliche Arbeit noch gefragt", sagt Bauingenieur Bernd Hölzig, während ein Dachdecker einen Biberschwanz passend klopft. Das war schon beim Bau des Hauses so, wie ein Blick von innen an die derzeit unverputzten Wände zeigt: Dort wechseln sich Bruchsteinmauerwerk und Ziegel munter ab.

Im Erdgeschoss, dem früheren Laden, wurden mehrere Wände herausgerissen. Dort ist jetzt ein einziger großer Raum entstanden, der vom Eingang an der Ecke bis zur Hausmauer reicht, die das Kaffee Starke von der benachbarten Grundschule trennt. Dort hat der SC Riesa Platz, einen Eingangstresen einzubauen und in kleinerem Rahmen Veranstaltungen abzuhalten. Viele Riesaer würden dort wohl gern reinschauen, wenn das Haus fertig ist. Riesas Zentrum hat dann eine Brache weniger.

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