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Verlässt Kaufland die Elbgalerie?

Der Lebensmittelhändler ist einer der wichtigsten Geschäfte der Innenstadt. Jetzt gibt es Umzugsgerüchte.

Kaufland ist neben dem Real im Riesapark der bekannteste Lebensmittelmarkt Riesas. Die Filiale in der Elbgalerie ist 3.900 Quadratmeter groß, 80 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.
Kaufland ist neben dem Real im Riesapark der bekannteste Lebensmittelmarkt Riesas. Die Filiale in der Elbgalerie ist 3.900 Quadratmeter groß, 80 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. © Sebastian Schultz

Riesa. Ob Melonen, Müsli oder Margarine, ob Töpfe, T-Shirts oder Tampons - bei Kaufland gibt es Tausende Artikel. Mit  seinen fast 4.000 Quadratmetern ist der Lebensmittelhändler der größte Mieter der Elbgalerie - und dürfte gleichzeitig auch einer der Geschäfte sein, die am meisten Kunden in die Riesaer Innenstadt holen.

Seit 1999 ist Kaufland in der Riesaer Elbgalerie eingemietet. Aber nun kommen Umzugsgerüchte auf. Den Anfang machte ein Gutachten der Beratungsgesellschaft Dr. Lademann & Partner, das im November 2019 an die Stadt ging. Anlass war der geplante Bau eines Edeka-Marktes auf der Widmann-Fläche an der Pausitzer Straße - und dessen mögliche Auswirkungen auf den Einzelhandel der Innenstadt.

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Im Lademann-Gutachten hieß es, dass der geplante Edeka-Komplex deutliche Umsatzrückgänge für die Elbgalerie bedeuten würde. Dennoch gehe man nicht davon aus, dass deshalb Kaufland schließe " und die Innenstadt damit ihren wichtigsten Magnetbetrieb verliert". Schon aus "marktstrategischen Gründen" sei es kaum vorstellbar, dass Kaufland den Standort in der Innenstadt aufgebe und den Markt in der Elbgalerie schließe.

Sind zwei Etagen eine Etage zu viel?

Bei der Dresdner Projektentwicklungsgesellschaft (DP) bewertet man das anders. Im Gegensatz zu Lademann ist DP nicht vom Edeka-Investor beauftragt, sondern plant selbst einen neuen Lebensmittelmarkt - in Altriesa. In der Stellungnahme von DP, die Ende April an die Riesaer Stadträte gegangen war, sieht man die möglichen Auswirkungen eines Edeka auf Kaufland in der Elbgalerie auch deutlich kritischer. 

Demnach sei der Stadt von Kaufland bekannt, "dass man schon jetzt mit dem Objekt unzufrieden ist, ohnehin nach Alternativen sucht und notfalls Riesa verlassen will". Im Klartext: Der Bau des Edeka könnte dazu führen, dass Kaufland die Elbgalerie verlässt.

Diese Schlussfolgerung will man bei Lademann so nicht ziehen. Ob ein Edeka gebaut wird oder nicht - Kaufland suche so oder so nach einem anderen Standort im Stadtgebiet, heißt es in einer Stellungnahme, die im Mai an alle Stadträte ging. 

Hauptgrund für die Umzugswünsche sei nicht die geplante Konkurrenz, sondern die baulichen Bedingungen in der Elbgalerie. Dort reicht der Kaufland-Markt über zwei Etagen. "Dies entspricht nicht mehr der aktuellen Idealvorstellung von Kaufland", heißt es in der gutachterlichen Stellungnahme von Lademann. Bevorzugt würden Immobilien, bei denen die gesamte Verkaufsfläche auf einer Ebene liegt. "Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass Kaufland nach Standortalternativen sucht."

Zentraler geht es nicht: die Elbgalerie an der Riesaer Hauptstraße. Kaufland belegt dort einen guten Teil des Erdgeschosses und größere Teile des Untergeschosses.
Zentraler geht es nicht: die Elbgalerie an der Riesaer Hauptstraße. Kaufland belegt dort einen guten Teil des Erdgeschosses und größere Teile des Untergeschosses. © Foto: Lutz Weidler

Und was sagt Kaufland selbst dazu? Das eine, ideale Konzept eines Markts gebe es so nicht, heißt es auf SZ-Anfrage. Es richte sich immer nach Kundenerwartungen, lokalen und räumlichen Möglichkeiten, technischem Fortschritt, Infrastruktur, gesetzlichen Vorgaben und mehr. "Wir überprüfen und optimieren unsere Standorte regelmäßig dahingehend", sagt Anna Münzing von der Unternehmenskommunikation der Kaufland Stiftung.

Ein klares Ja oder Nein zu Auszugsplänen gibt es allerdings nicht. Man trage Verantwortung für die rund 80 Mitarbeiter und die Kunden und wolle sich daher "nicht an Spekulationen zum Einzelhandelskonzept beteiligen".

Riesa sei jedenfalls seit Jahren ein wichtiger Standort für Kaufland. Und für die Elbgalerie spreche, dass die Kunden dort "einen interessanten Mix aus unterschiedlichen Fachgeschäften" finden, die dem Einkaufszentrum eine überregionale Bedeutung geben - etwa mit Mediamarkt und C&A. Zudem sei die Elbgalerie verkehrstechnisch eingebunden und verfüge über ausreichend Parkplätze.

Eine maßgebliche Rolle als Ankermieter

Aus dem Rathaus heißt es, dass man als Stadtverwaltung regelmäßig mit Vertretern verschiedener Projektentwickler oder der Handelsketten selbst in Gesprächen sei. Immer wieder gäbe es Anfragen zu Ansiedlungsmöglichkeiten in der Stadt. "Dabei wird natürlich auch die aktuelle Situation in der Riesaer Handelslandschaft diskutiert", sagt Riesas Pressesprecher Uwe Päsler.

"Konkrete Pläne von Kaufland, die Elbgalerie zu verlassen, sind der Stadtverwaltung Riesa jedoch nicht bekannt." Die Elbgalerie sei als Ganzes allerdings eine wesentliche Säule des lebendigen Handels in der Riesaer Innenstadt. "Innerhalb der Mall spielt Kaufland als sogenannter Ankermieter und Frequenzbringer wiederum eine ganz maßgebliche Rolle", sagt Päsler.

Auf Expansionskurs

Über Investitionen würde allerdings immer das jeweilige Unternehmen entscheiden. Wer irgendwo einen neuen Einzelhandelsmarkt ansiedeln wolle, müsse allerdings die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen beachten. Ein Neubau eines Kauflands etwa auf einer Wiese am Stadtrand dürfte so nicht ohne Weiteres möglich sein.

Laut der Beratungsgesellschaft Lademann könne Riesa mit einer "konsequenten Anwendung" des Einzelhandelskonzepts verhindern, dass Kaufland an einen für die Stadt unverträglichen Standort umzieht. Freilich kann die Stadt aber auch keinen Händler zwingen, ein Geschäft offen zu halten. 

Allerdings geht man bei Lademann nicht davon aus, dass Kaufland Riesa ersatzlos verlässt, "da Kaufland einen teils aggressiven Expansionskurs verfolgt". Man kenne keine andere sächsische Stadt, in der Kaufland seinen Standort ersatzlos aufgegeben habe.

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